Auch am Mittwoch knüpft der Euro an die Kursschwäche vom Vortag an. Analysten finden die Ursachen jenseits des Atlantiks.


Der Euro hat am Mittwoch an die starken Kursverluste vom Vortag angeknüpft. Die europäische Gemeinschaftswährung sank bis auf 1,2188 Dollar. Dies ist der niedrigste Stand seit Mitte Januar. Am Morgen hatte der Euro noch zeitweise 1,2242 Dollar gekostet. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,2214 (Dienstag: 1,2301) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8187 (0,8129) Euro.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,88415 (0,88400) britische Pfund, 130,72 (131,77) japanische Yen und 1,1520 (1,1539) Schweizer Franken fest. Die Feinunze Gold wurde in London am Nachmittag mit 1317,85 (1325,75) Dollar gefixt.

Der Dollar hatte zuvor schon kräftig an Wert gewonnen, und der Euro war im Gegenzug unter Druck geraten. Hintergrund dieser Entwicklung ist die ökonomische Großwetterlage auf der anderen Seite des Atlantiks. Nachrichten aus den USA hatten den Dollar angetrieben.

Starke US-Konjunktur

Seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump kennen die Konjunkturdaten und die Finanzmärkte Nordamerikas vor allem eine Richtung: nach oben. Zwar fällt die realpolitische Bilanz Trumps durchwachsen aus, kommen Prestigeprojekte wie der Bau einer Mauer an der amerikanisch-mexikanischen Grenze nicht voran. Seine wiederholte Ankündigung einer umfassenden Deregulierung der Wirtschaft wirkt aber offenbar. Und mit der Verabschiedung der großen unternehmensfreundlichen Steuerreform Ende Dezember konnte Trump ein zentrales Wahlkampfversprechen einlösen


Zudem hat Trump ein glückliches Händchen bei der Besetzung des Chefpostens der US-Notenbank Fed bewiesen. Bei seinem ersten wichtigen öffentlichen Auftritt vor dem US-Kongress hat der neue US-Notenbankchef Jerome Powell am Dienstag einen positiven Konjunkturausblick geliefert, der die Wachstumsphantasie weiter angeheizt hat. Zuletzt wurde diese auch durch unerwartet gute Konjunkturdaten aus den USA gestützt.

Steigende US-Leitzinsen

Neben den guten Konjunkturzahlen stützt auch die Aussicht auf weiter steigende Zinsen in den USA die amerikanische Währung. Den Auftritt Jerome Powells vor dem Bankenausschuss des Abgeordnetenhauses hatten Devisenanleger genau beobachtet: Mit Spannung war etwa erwartet worden, wie sich Powell der Kritik der Politiker stellen würde. Seine Vorgängerin Janet Yellen hatte gegenüber Fragen unendliche Geduld und gegenüber Kritik unerschöpfliche Freundlichkeit an den Tag gelegt.

Powell, vor der Ernennung zum Fed-Chef eher als zurückhaltend eingeschätzt, zeigte sich am Dienstag von seiner besten Seite. Er lieferte zunächst ein knappes, aber optimistisches Referat. Dabei verbeugte er sich vor Yellen und ihrer Leistung in den vergangenen vier Jahren und äußerte sich weitgehend in ihrem Stil. Es wird demnach 2018 weitere Zinserhöhungen geben; die Fed wolle hier vorsichtig vorgehen und sich nicht zu früh festlegen. Die Chancen stehen damit nach dem ersten Anschein gut, dass Powell die Fed vor der ansonsten um sich greifenden politischen Polarisierung Amerikas schützen kann.

Weitere Zinserhöhungen – zuletzt sprachen US-Notenbanker von bis zu vier Anhebungen – dürften für 2018 gesetzt sein. Den ersten Schritt könnte es den Fed-Protokollen vom Januar zufolge bereits im März geben.

Nullzinsen in Europa

Höhere Leitzinsen in den USA könnten sich zwar negativ auf die Gewinnentwicklung der Firmen auswirken. Zudem werden bei steigenden Zinsen Alternativen zu Aktien, etwa Anleihen, wieder interessanter. Zunächst stärken die Anhebungen aber den US-Dollar. Für die Euro-Zone erwarten Ökonomen hingegen 2018 keine Zinsschritte. Die Europäische Zentralbank (EZB) hält unter Präsident Mario Draghi an ihrem Kurs der Niedrigstzinsen fest und dürfte zunächst das milliardenschwere Anleihekaufprogramm zurückfahren.

Die sich auseinanderentwickelnde Zinspolitik der beiden Währungsräume und die weiterhin starke US-Konjunktur erklärt damit einen großen Teil der aktuellen Euro-Schwäche.


Am Mittwochmorgen sprachen Marktbeobachter von einem vergleichsweise impulsarmen Handel. Im weiteren Tagesverlauf könnten wichtigen Konjunkturdaten aus der Euro-Zone für mehr Bewegung am Devisenmarkt sorgen. Auf dem Programm stehen Kennzahlen zur Preisentwicklung, die für die weitere Geldpolitik der EZB von Bedeutung sind.

Mit Material von dpa. Hier geht es zur Seite mit dem Euro-Dollar-Kurs, hier können Sie aktuelle Wechselkurse berechnen.