Mitten in der heißen Inflation warnt Elon Musk vor einer Deflation, also gefährlich fallenden Preisen – was steckt dahinter?

Von wegen Inflation: Elon Musk warnt vor der Gefahr einer Deflation mit fallenden Preisen. Aber wie kommt er darauf? - Copyright: Picture Alliance
Von wegen Inflation: Elon Musk warnt vor der Gefahr einer Deflation mit fallenden Preisen. Aber wie kommt er darauf? - Copyright: Picture Alliance

Der reichste Mann der Welt macht sich Sorgen, dass die Dinge billiger werden.

So lässt sich ein Tweet von Elon Musk lesen, in dem er – mitten in der heißen Inflationsphase – die US-Notenbank auffordert, den Kampf gegen steigende Preise aufzugeben und sich um die Gefahr einer Deflation zu kümmern, also einen allgemeinen Preisverfall.

Der Tesla-Chef und Multi-Unternehmer forderte die US-Zentralbank Federal Reserve (Fed) auf, die Zinssätze nicht weiter zu erhöhen, sondern im Gegenteil um einen Viertelprozentpunkt zu senken – in seinen Worten um "0,25 % fallen zu lassen". Zuvor hatte Musk gemahnt, eine weitere Zinserhöhung der Fed berge das Risiko einer Deflation.

Auf den ersten Blick wirkt Musks Äußerung wie einer seiner vielen provozierenden Tweets, mit denen er sich gern gegen den Mainstream stellt. Schließlich ist die Inflation in den USA so hoch wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Die allgemeine Inflationsrate liegt mit 8,3 Prozent beharrlich hoch. Und die wichtige Kernrate – ohne die oft schwankenden Preise für Energie und Nahrungsmittel – ist zuletzt sogar auf sechs Prozent gestiegen.

Der US-Zentralbank hat im Kampf gegen Inflation in diesem Jahr bereits vier Mal die Zinsen erhöht. Es wird erwartet, dass die Fed in der kommenden Woche einen weiteren Zinsschritt um 0,75 Prozentpunkte auf dann 3,25 Prozent folgen lässt. Weil sie erwartet, dass die Preise weiterhin zu stark steigen.

Musk sieht das anders. Seine Forderung, die Leitzinsen sogar zu senken, war eine Reaktion auf Tweets der bekannten Investorin Cathie Wood, Geschäftsführerin von Ark Invest. Wood wies darauf hin, dass die Preise wichtiger Rohstoffe wie Holz, Öl und Kupfer in den vergangenen Monaten stark unter ihre Höchststände von Anfang 2022 gefallen sind.

Eine drohende Deflation "ist weder subtil noch geheim", fügte Musk in einem weiteren Tweet hinzu, mit dem er Wood ebenfalls antwortete.

Droht nach der Inflation bald eine Deflation?

In den USA sind vor allem die Benzinpreise deutlich gesunken. Dies hat die allgemeine Inflationsrate zuletzt leicht sinken lassen. Doch die Kosten für Lebensmittel, Wohnen und Versorgungsleistungen steigen immer noch schneller. Es gibt nur wenige Anzeichen, dass die USA kurz vor einer deflationären Episode stehen.

Eine Deflation ist eine ebenso gefährliche Abweichung von Preisstabilität wie eine Inflation. Bei einer Deflation geht das allgemeine Preisniveau zurück. Was zunächst positiv klingt, ist sehr gefährlich. Denn eine Deflation kann eine Abwärtsspirale auslösen, in der die wirtschaftliche Aktivität zum Erliegen kommt. Vereinfacht gesagt: Wenn alle mit sinkenden Preisen rechnen, warten alle mit ihren Käufen ab, bis die Preise weiter sinken. Konsum und Investitionen brechen ein. Insolvenzen und hohe Arbeitslosigkeit sind die Folge. Als Beispiel einer Deflation gilt die große Weltwirtschaftskrise in den 1930er-Jahren.

Lösen Zinserhöhungen eine Rezession aus?

Vor diesem Hintergrund ist auch Musks Vorstoß zu verstehen. Er richtet sich direkt gegen die wahrscheinliche nächste Zinserhöhung in den USA. Märkte und Ökonomen gehen davon aus, dass die Federal Reserve bei ihrer Sitzung am 21. September den Leitzins um einen Dreiviertel-Prozentpunkt anhebt. Fed-Chef Jerome Powell sagte, dass die Zentralbank mit der Anhebung der Zinssätze "noch lange nicht fertig ist und so lange weitermachen muss, bis die Aufgabe erledigt ist".

Auch wenn eine kurzfristige Deflation unwahrscheinlich ist, bergen Zinserhöhungen einige ernste Risiken.

Steigende Zinsen bekämpfen die Inflation, indem sie die Nachfrage und damit die wirtschaftliche Aktivität dämpfen. Steigende Zinsen machen Kredite teurer. Das veranlasst Unternehmen dazu, weniger zu investieren. Auch für Verbraucher wird es attraktiver zu sparen als zu konsumieren. Steigende Zinsen dämpfen also das Wirtschaftswachstum und bergen die Gefahr steigender Arbeitslosigkeit.

"Dies sind die bittersten Kosten der Inflationsbekämpfung", sagte Powell. "Aber ein Scheitern bei der Wiederherstellung der Preisstabilität würde weitaus größere Schmerzen bedeuten."

Hinzu kommt, dass die wirtschaftliche Lage derzeit äußerst ungewöhnlich ist. Normalerweise steigen die Inflationsraten am Ende eines überhitzten Aufschwungs, weil die Nachfrage überschießt. Aktuell hat die Inflation aber zwei andere Gründe: ein geringeres Angebot an Gütern aufgrund von Lieferengpässen in Folge der Corona-Pandemie und stark steigende Energiepreise infolge des Ukraine-Krieges. Viele Volkswirtschaften wie die USA und auch Deutschland stehen daher am Rande einer Rezession. Musk bezieht sich auf das Risiko, diese Gefahr durch weitere Zinserhöhungen noch zu verstärken.

Der Artikel erschien zuerst bei Business Insider in den USA. Das Original lest ihr hier.