Mitten im Handelskrieg – chinesischer Smartphone-Hersteller Xiaomi wagt sich an die Börse


Mitten im Handelskrieg zwischen China und den USA wagt sich der chinesische Smartphone-Hersteller Xiaomi an die Börse. Am 9. Juli ist es soweit. Dann, so rechnen Experten, könnte der viertgrößte Smartphone-Hersteller circa 4,7 Milliarden Dollar an Kapital aufnehmen.

Doch nicht nur der Zeitpunkt und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des Börsengangs sind ungünstig, auch die Höhe der Kapitalaufnahme ist enttäuschend. Ursprünglich hatten die Chinesen mit zehn Milliarden Euro gerechnet.

Platziert wurden die Xiaomi-Titel bereits Ende Juni, zu einem Preis von 17 Hongkong-Dollar je Aktie – und damit am unteren Rand der Emissionskursspanne. Jia Mo, Smartphone-Experte der Marktforschungsfirma Canalys, glaubt, dass Xiaomi so immerhin einen guten Börsenstart hinlegen könnte. „Die Aussichten, dass die Aktie am ersten Tag zulegt, sind relativ gut“, sagt er.

Xiaomi wird für das Hongkonger IPO von den Investmentbanken Goldman Sachs, Morgan Stanley und CLSA begleitet. Letztere ist eine Einheit des chinesischen Brokerhauses Citic Securities.

Gegründet wurde Xiaomi vor acht Jahren in Peking vom heutigen Geschäftsführer Lei Jun, einem studierten Computerwissenschaftler. Heute beschäftigt das Unternehmen 15.000 Mitarbeiter, ist in 74 Ländern vertreten und der viertgrößte Smartphone-Hersteller der Welt mit einem globalen Marktanteil von 8,4 Prozent. Im ersten Quartal 2018 betrug der bereinigte Gewinn 156 Millionen Dollar.

Anfangs vertrieb Xiaomi seine Produkte ausschließlich online, um die Fixkosten niedrig zu halten. Gleichzeitig gab Geschäftsführer Lei kaum Geld für Werbung aus und setzte stattdessen auf Mund-zu-Mund-Propaganda seiner sogenannten „Mi-Fans“. Mittlerweile werden Xiaomi-Produkte auch in tausenden Mi-Stores verkauft.


Xiaomis Geschäftsstrategie beruht auf Schnelligkeit. Meist werden die Geräte als Beta-Version früh auf den Markt gebracht und anschließend fortwährend nachgebessert. Das sei eine Stärke von Xiaomi, findet James Yan von der Marktforschungsfirma Counterpoint Research. „Sie sind dadurch sehr nutzerfreundlich.“

Aufgrund seines weißen, sauberen Designs bezeichnen einige Beobachter Xiaomi als das „chinesische Apple“. Allerdings stellen die Chinesen anders als der Konkurrent aus Kalifornien weitaus mehr als nur PCs, Laptops und Smartphones her. In den Mi-Stores können Kunden auch die gesamte Palette von Haushaltswaren erwerben: angefangen von Kissen über Staubsauger bis hin zu Reiskochern.

Analysten bemängeln allerdings Xiaomis geringe Profitspanne in den Kerngeschäften. Zwei Drittel des Umsatzes stammen aus dem Verkauf von Smartphones, das verbliebene Drittel wird durch den Verkauf von Konsum- und Elektronikprodukten generiert. Außerdem sei Xiaomi kein Internetkonzern, wie Lei es gerne hätte, sagt James Yan von der Marktforschungsfirma Counterpoint Research. „Und derzeit sind Investoren vor allem an Tech-Firmen interessiert, nicht an Herstellern“, erklärt der Experte.

Xiaomi will mit Börsengang Expansion vorantreiben

Xiaomi hatte sich zu Beginn der Börsenpläne noch um eine parallele Aktien-Emission bemüht. Damit sollten zum ersten Mal sogenannte Chinese Depositary Receipts (CDR) zum Einsatz kommen, mit der auch andere an ausländischen Börsen gelistete chinesische Tech-Unternehmen sich gleichzeitig in Festland China notieren lassen können. Doch Mitte Juni wurde bekannt, dass die zuständige chinesische Wertpapieraufsicht den Prüfvorgang vorübergehend eingestellt hatte und Xiaomi die CDR-Emission aufschieben muss.

Neben den regulatorischen Problemen und fehlendem Investorenvertrauen hat Xiaomi zudem einen unglücklichen Zeitpunkt für seinen Börsengang erwischt. Am Freitag verschärfte sich der Handelskrieg zwischen den USA und China. Beide Länder belegen sich nun gegenseitig mit Strafzölle in Höhe von 25 Prozent auf Waren im Wert von jeweils 50 Milliarden Dollar.


Dennoch ist Branchenexperte Yan optimistisch. Xiaomi werde sich zwar nicht zu einem Internet-Konzernentwickeln. Er glaubt aber er, dass das Unternehmen in einem stagnierenden chinesischen Markt in den kommenden drei bis fünf Jahren wachsen könne.

Auch außerhalb von China kann Xiaomi Erfolge aufweisen. So hat das Unternehmen in Indien den bisherigen Marktführer Samsung im vierten Quartal 2017 überholt. Der Marktanteil auf dem Subkontinent liegt derzeit bei 31 Prozent. Auch deswegen gelang Xiaomi 2017 ein Umsatzanstieg von 67 Prozent.

Mit dem Börsengang will Xiaomi die Erfolgsgeschichte weiterschreiben. 40 Prozent der durch den Börsengang erzeugten Kapitaleinnahmen sollen für die globale Expansion eingesetzt werden. Bis 2019 will Xiaomi weltweit 2000 Läden betreiben. In Europa hat Xiaomi bereits in Barcelona, Paris und Mailand seine Mi-Stores eröffnet. Weitere Läden in Europa sollen folgen.