Mitten im digitalen Wandel: Frank-Walter Steinmeier besucht das Neven DuMont Haus

Er und seine Frau lernten ein Medienhaus auf dem Weg in die Zukunft kennen.

Perfektes Entree für das Präsidenten-Paar: Als Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender zu ihrem Besuch im Neven DuMont Haus eintreffen, stehen die Mitarbeiter von Verlag und Redaktionen nicht nur im Foyer, sondern auch auf zwei Brücken in den ersten beiden Etagen. Ein bisschen wie im Willy-Brandt-Haus, befindet einer aus Steinmeiers Entourage.

Aber inzwischen ist Steinmeier nicht mehr als SPD-Politiker unterwegs, sondern eben „als erster Mann im Staat“, wie Kinderreporter Johann (11) weiß, der mit fünf anderen Nachwuchs-Journalisten aufgeregt auf den Bundespräsidenten wartet. Beim Betreten des Foyers gibt es spontan Applaus. „Was für ein schöner Empfang! Hat man auch nicht immer“, sagt Steinmeier, lacht und winkt mit einem jovialen „Hallo!“ in die Runde. „Zeitung machen muss Spaß machen.“

Fragen dürfen nur die Kinderreporter

Zu den Verhaltensmaßregeln, die das Vorauskommando des Bundeskriminalamts den Berichterstattern einschärft, gehört: „Keine Fragen, nur mitschreiben“. Die Kinderreporter sind davon ausgenommen. Marla (10) möchte wissen, an welche lustige Situation mit seinen Kindern sich der Präsident erinnert. Kurzer Blickwechsel mit seiner Frau. Da gibt’s diverse. . . Steinmeier entscheidet sich für eine Szene, als er sich spätabends ein Spiegelei braten wollte und für die Lebensweisheit, die seine damals drei oder vier Jahre alte Tochter für ihn parat hatte. Ob seine jungen Interviewer heute davon zehren können? Egal, davon erzählen werden sie auf jeden Fall.

Zuvor haben die Herausgeber von „Kölner Stadt-Anzeiger“ und „Express“, Isabella Neven DuMont und Christian DuMont Schütte, zusammen mit dem Betriebsratsvorsitzenden Heinrich Plaßmann das Präsidentenpaar offiziell begrüßt.

Neuer Newsroom für beide Titel

Für die anschließende Hausbesichtigung übernehmen die Chefredakteure Carsten Fiedler („Kölner Stadt-Anzeiger“) und Constantin Blaß („Express“) die Führung. „Sie kommen auf eine Baustelle“, sagt Fiedler auf dem Weg in den neuen zentralen Newsroom, der in gut zwei Wochen bezugsfertig sein soll.

Die Kölner Lokalredaktionen arbeiten schon dort. Steinmeier und Büdenbender fragen detailliert nach der künftigen Kooperation. Ob die Blätter – hier die Abozeitung, dort der Boulevard-Titel – denn nicht eine jeweils andere Sprache sprächen? Und ob nicht jede Zeitung erpicht auf die eigene Recherche sei? Stimmt, sagt Fiedler. Deshalb seien die Reporter und Autoren auch in Zukunft getrennt unterwegs. Die „Markenkerne“ blieben erhalten und würden weiter gepflegt, sagt Blaß. Auch die unterschiedlichen Perspektiven in der Berichterstattung blieben bestehen, etwa im Blick auf „die“ Kölner Institutionen wie den 1. FC Köln oder den Karneval. Aber von Austausch und gemeinsamer Planung profitierten beide Seiten.

Es trifft sich gut, dass auf einem der Produktionsbildschirme des „Express“ gerade das Foto des neuen Dreigestirns zu sehen ist. Steinmeier fragt nach dem Prinzen – dem drittjüngsten in der Geschichte. Elke Büdenbender möchte wissen, wer von den anderen Herren denn die Jungfrau sei.

Auch vom Wandel der Medienwelt ist auf dem Rundgang die Rede: von der gewaltig gestiegenen Bedeutung der digitalen Kanäle zum Beispiel, für die im Medienhaus DuMont Rheinland Thomas Kemmerer zuständig ist. Und von neuen Antworten auf die Frage, wo der Wettbewerb um Leser und User stattfindet. Klar sei, so Fiedler: Die Konkurrenz sitzt nicht im eigenen Haus. Auch deshalb die Entscheidung zur Kooperation.

Eine Überraschung für den Präsidenten

An einer weißen Wand, auf der man – ganz analog – mit Filzstiften schreiben und malen kann, hat „Stadt-Anzeiger“-Karikaturist Heiko Sakurai eine Überraschung für den Präsidenten parat: der Bundesadler mit Steinmeier-Konterfei und – roten Füßen. „Dieser Farbakzent musste sein“, sagt Sakurai. Steinmeier lacht und posiert bereitwillig mit seinem Double.

Nach einem Gespräch mit Herausgebern, Konzern-Vorstandschef Christoph Bauer, Verlagsgeschäftsführer Philipp M. Froben und Vertretern der Redaktionen über die Herausforderungen des digitalen Wandels endet der 90-minütige Besuch des Präsidenten im Druckzentrum – an dem Ort, am dem sich die Welten der gedruckten Zeitung und der digitalen Technik am engsten und sichtbarsten berühren. Laut ist es, und es riecht nach Druckerschwärze, als sich Steinmeier und Büdenbender von Drucker Siegfried Grabosch die technische Endkontrolle der ersten druckfrischen Zeitungsexemplare zeigen lassen. „Haben Sie was gefunden, was Ihnen missfällt?“ Ja, auf einer Seite war die Farbpassung nicht exakt. Da wird jetzt nachgebessert.

Eine Art Brückenschlag haben sich die Chefredakteure auch für die Erinnerungsstücke einfallen lassen, die sie dem Präsidentenpaar mit auf den Weg geben: eine Spezialausgabe des „Express“ vom Besuchsnachmittag – noch bevor der überhaupt zu Ende ist; einen Sonderdruck mit allen Teilen der „Stadt-Anzeiger“-Serie zum Deutschen Herbst; und ein historisches Exemplar der Zeitung vom 21. Juni 1991 – dem Tag nach dem Bonn-Berlin-Beschluss des Bundestags. „Wie knapp das damals war“, ruft sich Steinmeier beim Blick auf die Schlagzeile ins Gedächtnis: 337:320 Stimmen für den Wandel – von der Bonner zur Berliner Republik.

Es ist exakt 17:45 Uhr, als sich der Präsidententross in Bewegung setzt. Ziel: die Villa Hammerschmidt, das „Weiße Haus von Bonn“....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta