Mittelmaß trotz China-Millionen: Milan in der Krise

Krise bei Milan: Hakan Calhanoglu und Co. erfüllen die Erwartungen nicht

Silvio Berlusconi leidet.

Nicht still, das war nie seine Art. Der frühere Ministerpräsidenten Italiens und langjährige Boss des AC Mailand, leidet gut vernehmbar in seiner Lieblingszeitung.

"Elf neue Spieler - was soll das? Die Mannschaft funktioniert nicht! Gefällt mir nicht, wie die spielen", schimpfte Silvio Berlusconi im Vorfeld des Mailänder Derbys im Corriere della Sera über seine alte Liebe Milan.

Schuld daran seien seine Kinder. Und man sehe nun, was der Klub davon habe.


230-Millionen-Offensive zahlt sich nicht aus

Die Kinder, klagte der mittlerweile auch schon 81-Jährige, hätten ihn mehr oder weniger zum Verkauf seines Klubs an die Chinesen gezwungen.

Die Konsequenz: Trotz Investitionen von 230 Millionen Euro im Sommer für elf neue Spieler ist der siebenmalige Champions-League-Sieger vor dem Derby am Sonntag (20.45 Uhr im LIVETICKER) gegen das ebenfalls aus dem Reich der Mitte alimentierte Inter nur Siebter.

Der Rückstand auf Tabellenführer SSC Neapel beträgt bereits neun Punkte. Für Berlusconi ein Unding.


Top-Transfer Bonucci schlägt nicht ein

Für all das "schöne Geld", meint er, "hätte man auch einen Weltklassespieler kaufen können".

Doch Milan habe Masse statt Klasse geholt, unter anderem Hakan Calhanoglu für 22 Millionen Euro aus Leverkusen und Ricardo Rodriguez für 18 Millionen aus Wolfsburg.

Der neue Star und Kapitän der Mannschaft, Leonardo Bonucci von Juventus Turin, ist seiner Ablöse in Höhe von 42 Millionen Euro bislang nicht gerecht geworden. Einst Stürmerschreck der Serie A, irrlichtert der italienische Nationalspieler über den Platz.


Trainer Montella kontert Berlusconi

Bonucci dem altgedienten Riccardo Montolivo als Kapitän vorzuziehen, sei ein Fehler gewesen, meint Berlusconi - einer von vielen des Trainers Vincenzo Montella.

Der 43-Jährige war engagiert worden, als der Patron noch im Amt war, aber, betont Berlusconi: "Da war ich im Krankenhaus, zwischen Leben und Tod." Montella sei beratungsresistent, frecherweise sogar gegen seine Ratschläge. 

Dessen Konter: "Ich höre mir Ratschläge immer an, aber seine waren nicht gut."

Gerüchte um Ancelotti

Sollte Montella das Derby verlieren, würde seine Trainerbank bedenklicher wackeln als ohnehin schon. Als möglicher Nachfolger ist der nach der Trennung vom FC Bayern arbeitslose Carlo Ancelotti im Gespräch, doch der ehemalige Milan-Coach wiegelte zuletzt ab.

Montella hält vor dem Derby gegen den Tabellendritten an den hohen Zielen fest. "Ich will nach Europa, egal was Inter macht", sagt er. Platz vier und damit die Champions League sind "nur" vier Punkte weg, schon die Europa League wäre für die chinesischen Investoren eine Enttäuschung - 740 Millionen Euro ließen sie sich ihre Anteile kosten.

"Wir werden wieder groß werden. Wir haben eine enorme Verantwortung gegenüber den Tifosi", sagte Präsident Li Yonghong.


Bosse aus China sind keine Fußball-Kenner

Der neue Boss aber ist in Mailand wenig präsent, hat seinen Manager Han Li abgestellt, Fußballfachmann ist der ebenso wenig wie sein Chef.

Die Geschäfte führt Marco Fassone, der auch schon für Juventus, Napoli und Inter tätig war. Er soll verhindern, dass Milan im Sommer dem Elliot-Fonds zufällt, der Li Yonghongs Übernahme mitfinanziert hatte. Nebenbei muss er die sportlichen Turbulenzen moderieren, was er zuletzt mit einem halbherzigen Bekenntnis zu Montella versuchte.

"Es wäre toll, wenn Fassone auch persönlich mit mir reden würde", sagte Montella dazu.