„Mitgehangen“: Kölner Tatort setzt auf Familiendrama

Ermittler Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, r.) und Reifenhändler Matthes Grevel (Moritz Grove) im Kölner Tatort „Mitgehangen“. (Bild: WDR/Thomas Kost)

Mit dem Kölner Tatort „Mitgehangen“ gelingt Regisseur Sebastian Ko eine Mischung aus klassischem Krimi und Milieustudie – und ein Neuzugang ist auch zu verzeichnen.

Der Ausgangspunkt von „Mitgehangen“ ist ein in einem Baggersee versenktes Auto. Darin: die Leiche des Autofreaks und Verkehrs-Rowdys Florin Baciu. Schnell führt der Fall in das Zentrum des Tatorts: eine Autowerkstatt. Dort war Baciu seit einiger Zeit Teilhaber – und nicht nur bei seinem Kollegen Matthes Grevel (gespielt von Moritz Grove) höchst unbeliebt. Denn Baciu hatte nicht nur einschlägige Fotomontagen von Grevels Frau (gespielt von Lavinia Wilson) auf seinem Computer – sondern durch Kontakte in die Raser-Szene auch nach Dienstschluss lukrative Geschäfte gemacht.

Was mit Grevel passieren wird, ist bereits in der ersten Szene klar, bevor der Charakter vorgestellt wird. Man sieht ihn ganz zu Beginn erhängt in einer Gefängniszelle, zuerst in Totalaufnahme, dann eine Großaufnahme seines Gesichts. Das Ermittler-Team von „Mitgehangen“ besteht aus Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär). Auch ein neues Teammitglied ist zu verzeichnen: Roland Riebeling spielt deren neuen Assistenten Norbert Jütte, der eine gehörige Portion Humor in die Tristesse bringt. Mit seiner stoisch-langsamen, auf den ersten Blick recht schusseligen Art bildet er einen Kontrast zum Arbeitstempo und Ethos von Ballauf und Schenk, sehr zum Missfallen der beiden Kommissare.

Als die Kommissare das erste Mal die Autowerkstatt besuchen, ist das Werkstatt-Team gerade beim Barbecue und erzählt sich Blondinenwitze. Weniger zu lachen gibt es für die Mechaniker indes beim zweiten Besuch – denn da kommen die Ermittler mit einem richterlichen Beschluss zur Hausdurchsuchung, bei der Ballauf und Schenk auch fündig werden: Hinter einem Reifenstapel entdecken sie ein zugespachteltes Einschussloch.

Die Kommissare sind ein streitfreudiges Ermittler-Duo. (Bild: WDR/Thomas Kost)

„Mitgehangen“ konzentriert sich aber nicht nur auf die Ermittlungsszenen, sondern zeigt auch die komplexe Familiensituation einer Unternehmerfamilie mit zwei Kindern (gespielt von Alvar Goetze und Letizia Caldi) und geizt dabei nicht mit prägnanten Bildern: Der lieblose Besucherraum-Gefängnis-Sex zwischen Grevel und seiner Frau, die Zeitlupenszene, in der Grevels Frau vom Selbstmord ihres Mannes erfährt. Für Letztere hat sich das Tatort-Team auch eine schwermütige musikalische Untermalung ausgesucht: Grevels Frau bricht in Tränen aus, während Leonard Cohens düsteres „It Seemed The Better Way“ ertönt.

Menschliche Harmonie herrscht bei diesem Tatort zwischen dem Ermittler-Team wahrlich keine – und genau dieses Spannungsverhältnis trägt auch zum Gelingen der Folge bei. So ist „Mitgehangen“ ein geglücktes Familiendrama, das im Vergleich zu anderen, experimentell angelegten Tatorten in seiner Dramaturgie durchaus klassisch daherkommt und den Spannungsbogen bis zum Schluss halten kann.

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