Miterfinder des selbstfahrenden Autos warnt vor Überbewertung von Gefahren

Der Vater des autonomen Autos, Sebastian Thrun, erzählt, warum er zu viel Schwarzmalerei bei neuen Technologien für gefährlich hält – und er sogar schon an autonomen Flugzeugen tüftelt.

Der deutsche Informatiker Sebastian Thrun, einer der Väter des selbstfahrenden Autos, warnt vor einem panischen Umgang mit Unfällen. „Ich bin davon überzeugt, dass wir erst ein Prozent, vielleicht zwei Prozent, der wirklich wichtigen Sachen erfunden haben“, sagte er der WirtschaftsWoche. „Um innovativ zu bleiben, müssen wir uns aber davon lösen, immer gleich die Gefahren zu beschwören.“

Kürzlich hatte ein autonomes Auto des Fahrdienstes Uber in den USA eine Fußgängerin getötet. Die genauen Ursachen werden derzeit untersucht. Das Unternehmen hat den Einsatz der computergesteuerten Wagen gestoppt. Auch der Fahrer eines Teslas, bei dem womöglich der Autopilot eingeschaltet war, kam bei einem Unfalls am vergangenen Freitag ums Leben.

Thrun betont, dass er den Unfall des Uber-Wagens nicht beurteilen könne, ist aber überzeugt, „dass selbstfahrende Autos die Zahl der Unfälle verringern werden.“


Der 50-Jährige forscht seit mehr als zehn Jahren an selbstfahrenden Autos. Aus einem Studentenprojekt der renommierten Universität Stanford heraus hat er die computergesteuerten Wagen entwickelt, die der Technologiekonzern Google 2010 erstmals testweise auf die Straßen von Kalifornien schickte. Inzwischen gibt er die Grundlagen der Technik autonom fahrender Autos in Kursen der von ihm mitgegründeten Universität Udacity weiter, die allein auf Vorlesungen und Studienmaterial im Netz setzt. Dazu arbeitet Thrun auch mit Autoherstellern zusammen. 11.000 Studenten haben den Kurs bislang weltweit besucht, 2000 ihn abgeschlossen, davon 1000 in Deutschland.

Thrun hatte an der Universität Stanford einige Jahre lang auch eine Professur für Künstliche Intelligenz inne. Er ist überzeugt davon, dass immer schlauere Maschinen das Leben der Menschen verbessern – vorausgesetzt, die nutzten die dadurch gewonnenen Freiheiten. „In den vergangenen 500 Jahren haben wir uns von einer Agrar- zu einer Informationsgesellschaft entwickelt. Das hat Raum für Kreativität eröffnet und wichtige Erfindungen ermöglicht.“ Strom, Flugzeuge oder Smartphones seien erfunden worden und hätten neue Industrien geschaffen. „Das spricht dafür, dass mehr Zeit für Kreativität zu noch mehr Erfindungen führt, die unser Leben bequemer und interessanter machen werden.“