Mitarbeiter sehen das Management in der Bringschuld

Die Tarifparteien kommen bei ihren Verhandlungen über die Sanierung von Opel zu keinem Ergebnis. Die Arbeitnehmervertreter wollen nicht auf ihre Tariferhöhung verzichten. Die Sparziele könnten auch so erreicht werden.

Für ausländische Werke hatte die französische Opel-Mutter PSA bereits einige Investitionen zu verkünden – doch deutsche Mitarbeiter warten seit Monaten auf einen Durchbruch in den Verhandlungen über die Sanierung des Rüsselsheimer Autobauers. In ihre Werke in Eisenach, Rüsselsheim und Kaiserslautern muss dringend investiert werden – gefolgt von Zusagen für neue Produkte. Besonders drängt die Zeit für das Werk in Eisenach. Ab 2019 wird der Corsa nicht mehr dort, sondern in Spanien gebaut.

Doch noch wissen die Mitarbeiter in Eisenach nicht, welches Auto sie dann produzieren sollen. Heute haben sich die Tarifparteien wieder einmal zusammengesetzt. Das Management will in die deutschen Standorte investieren – aber nicht ohne finanzielle Zugeständnisse der Opelaner. Das wiederum lehnen die Vertreter der Arbeitnehmer ab.
Heute haben sie hart gerungen. Doch am Ende blieben die Fronten hart. Denn sollte es so kommen wie aktuell von PSA geplant, droht den deutschen Werken ein Kahlschlag. Würden die Pläne wie von PSA vorgesehen „umgesetzt, hätte dies einen weitreichenden Personalabbau in den deutschen Werken zur Folge“, heißt es einem am frühen Abend verschickten Brief an die Mitarbeiter, der der WirtschaftsWoche vorliegt. Die Pläne von PSA und dem Opel-Management seien „nach wie vor unzureichend“, heißt es weiter.


Bereits am Morgen hatten die Arbeitnehmervertreter einen Brief an die Mitarbeiter geschickt. Auch darin ließen sich bereits deutliche Differenzen ablesen: „Wir akzeptieren für die bestehenden und von PSA anerkannten, übernommenen und rechtskräftigen Tarifverträge keine nachgereichten Bedingungen des Managements“, schrieb die IG Metall im Betriebsrat am Morgen an die Opel-Beschäftigten. Erst am gestrigen Donnerstag hatte Opel-Chef Michael Lohscheller in einem Brief an die Mitarbeiter gefordert, die Arbeitskosten zu verbessern und die im April anstehende Tariferhöhung über 4,3 Prozent „für die Zeit der Verhandlungen auszusetzen“. Der Forderung Lohschellers traten die Arbeitnehmervertreter erneut entschieden entgegen: „Die Tariferhöhung muss beginnend mit dem Monat April umgesetzt werden“, fordern sie.

Dabei bleiben sie auch nach der Verhandlung: „Fakt ist, dass die von der Geschäftsleitung in den Verhandlungen präsentierten Kostenziele pro Fahrzeug für das Werk Eisenach nach Darlegung des Gesamtbetriebsrats und seiner Wirtschaftsexperten ohne Lohnzugeständnisse Seitens der Belegschaften erreicht werden können“, hieß es da. So oder so habe man „der Geschäftsleitung/ PSA deutlich gemacht, dass die von PSA gesteckten Produktivitätsziele erreicht werden können“, man sei daher zuversichtlich, dass die anstehende Investitionsentscheidung für Eisenach getroffen werden könne.

Erst dann und nach Erfüllung der bestehenden Tarifverträge sind die Vertreter der Arbeitnehmer bereit, „über neue Tarifverträge für die Zeit nach 2020 in konstruktive Verhandlungen einzutreten“, heißt es in einem Brief der IG Metall. Das Management sei jetzt in der Bringschuld. Denn „nach monatelangen Verhandlungen liegen bis heute keine zufriedenstellenden Vorschläge für die gleichwertige Erfüllung der Produkt- und Projektzusagen aus den Tarifverträgen für die Entwicklung und die Werke auf dem Tisch“. Der Betriebsrat fordert einen langfristig angelegten Opel-Zukunftsplan samt Kündigungsschutz sowie zukunftsträchtiger Produkte und Projekte. Man erwarte hierzu „endlich verhandlungsfähige Aussagen“.

Opel wollte sich zu Inhalt des Mitarbeiterbriefs nicht äußern, Lohscheller sagte aber am Donnerstag, dass man bereits mehrfach betont habe, auch in Deutschland investieren zu wollen. „Die Voraussetzung für umfangreiche Investitionen ist Wettbewerbsfähigkeit an den Standorten Eisenach, Kaiserslautern und Rüsselsheim.“