Missbrauchsskandal: Gesamte Führung des US-Turnverbandes zurückgetreten

Missbrauchsskandal: Gesamte Führung des US-Turnverbandes zurückgetreten

Die Führungsspitze des US-Turnverbandes USA Gymnastics ist der Forderung des US-Olympiakomitees USOC gefolgt und geschlossen zurückgetreten. Im Skandal um sexuellen Missbrauch mit dem früheren Mannschaftsarzt Larry Nassar im Zentrum entging USA Gymnastics damit dem angedrohten Entzug der Olympia-Zulassung durch das USOC.
Am vergangenen Sonntag hatten bereits Vorstandschef Paul Parilla, der Vize-Vorsitzende Jay Binder und Schatzmeisterin Bitsy Kelley ihre Rücktritte erklärt. Nun taten es ihnen alle verbliebenen Vorstandsmitglieder nach. Geplant ist nun die Installation einer Übergangsführung sowie Neuwahlen binnen eines Jahres.
"USA Gymnastics braucht nach unserer Auffassung einen kompletten Neuaufbau", hatte USOC-Chef Scott Blackmun am Donnerstag gefordert. Das USOC führt bereits eine unabhängige Untersuchung des Skandals durch. Einige der Opfer hatten allerdings auch den Dachverband des US-Sports der Untätigkeit angeklagt.
Am Samstag kündigte der Generalstaatsanwalt von Michigan, Bill Schuette, eine detaillierte Untersuchung des Falles Nassar an. "Wir werden mit einem hellen Licht in jede Ecke leuchten. Das wird gründlich geschehen, Punkt", sagte Schuette. Die Untersuchung soll sich auf die Vorgänge an der Michigan State University konzentrieren, an der Nassar bis 2016 gearbeitet hat. Opfer werfen der Universitätsführung vor, Missbrauchsfälle vertuscht zu haben beziehungsweise Vorwürfen nicht nachgegangen zu sein.
Nassar war am Mittwoch wegen sexuellen Missbrauchs junger Turnerinnen zu einer Haftstrafe von bis zu 175 Jahren verurteilt worden. Zuvor war der 54-Jährige bereits zu 60 Jahren Gefängnis wegen Besitzes von kinderpornografischen Materials verurteilt worden. Die Zahl von Nassars Missbrauchsopfern soll bei mindestens 150 liegen, zu ihnen gehören die Olympiasiegerinnen Simone Biles, Aly Raisman, Gabby Douglas, Jordyn Wieber und McKayla Maroney.