Eine Mischung aus Breitbart und Bild

Schrill, provokant und stramm rechts: Die erste Ausgabe einer AfD-nahen Wochenzeitung namens „Deutschland-Kurier“ liegt in Berliner Briefkästen. Was die neue Publikation bewirken will – und wer hinter ihr steckt.


Auf etwa 300.000 Berliner wartete an diesem Mittwochmorgen eine Überraschung. Eine neue Boulevardzeitung, acht Seiten, großformatige Bilder, dicke Überschriften, steckte in ihren Briefkästen. Niemand hat das Blatt bestellt, keiner dafür bezahlt. „Deutschland-Kurier“ prangte in großen Buchstaben auf der Titelseite.

Wer die Zeitung aufschlug, konnte erstaunliches lesen. Ein Gebrauchtwagenhändler sei im Vergleich zu Angela Merkel die „Seriosität in Person“, stand da. Die rot-rot-grüne Regierung in Berlin mache die Hauptstadt zur Lachnummer. Außerdem gebe es einen „großen Einwanderungsbetrug“. Die Ex-CDU-Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach regte sich in ihrer Kolumne über „dekretähnliche Entscheidungen“ der Regierung auf. Der ehemalige BILD-Chef Peter Bartels wetterte gegen Merkel, Schäuble und „Mainstream-Medien mit dem Nazi-Pranger“. Und der AfD-Aufsteiger Guido Reil keilte gegen den „farblosen Apparatschik“ Martin Schulz.

Wenig gibt das Blatt dagegen über sich selbst preis. Unter vielen Artikeln fehlen Autorennamen, im Impressum steht als Chefredakteur David Bendels. Herausgeber ist der „Verein zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und bürgerlichen Freiheiten“. Was für eine Zeitung ist der „Deutschland-Kurier“ also? Woher kommt das Geld für das Blatt? Und wer steckt wirklich hinter der Zeitung?



Was für eine Zeitung ist der „Deutschland-Kurier“?

Der „Deutschland-Kurier“ bezeichnet sich in einer Pressemitteilung selbst als „unabhängige politische Wochenzeitung“. Er will demnach über Themen informieren, über die andere Medien angeblich „gar nicht, tendenziös oder verzerrt“ berichten.  Zunächst erscheint der „Deutschland-Kurier“ mit einer Startauflage von 300.000 Exemplaren, die in Berlin verteilt werden. Später soll er in allen deutschen Großstädten in den Briefkästen landen.


Produziert wird die Zeitung nach Angaben von Chefredakteur Bendels von 15 freien Redakteuren, die den vermeintlichen „Linksrutsch der Medienlandschaft und das Denk- und Schreibdiktat der Political Correctness nicht mehr länger hinnehmen wollen“. Bislang gibt es keinen festen Redaktionssitz.

Nach den ersten vier Ausgaben wird der „Deutschland-Kurier“ 30 Cent pro Ausgabe zuzüglich Versand kosten. Für 52 Euro soll es das Jahresabonnement geben. Außerdem erscheint die Zeitung online – und soll sich über Spenden finanzieren. Ein Verkauf an Kiosken oder Zeitungsständen ist vorerst nicht geplant.


Woher das Geld kommt

Woher kommt das Geld für das Blatt?

Es ist wenig realistisch, dass sich der „Deutschland-Kurier“ allein durch die niedrigen Verkaufspreise finanzieren kann. Die Bild-Zeitung kostet im Einzelverkauf 90 Cent, andere Tageszeitungen zwei bis drei Euro. Auch Werbeanzeigen gibt es in der Zeitung bislang nicht. Im Gespräch mit der WirtschaftsWoche verweist Chefredakteur David Bendels auf den Verein zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und bürgerlichen Freiheiten, dem er selbst vorsitzt. Der finanziere die Zeitung.

Der Verein finanziert sich nach Bendels‘ Angaben aus den Spenden von über 14.000 Unterstützern. Darunter seien sehr viele kleinere Spender aber auch einige größere. Namen will Bendels nicht verraten.


Nach eigenen Angaben ist Bendels Verein „parteipolitisch ungebunden“. Dass er der AfD nahe steht, ist zu vermuten. Vor den vergangenen Landtagswahlen mietete er Plakatflächen an, auf denen später AfD-Wahlempfehlungen klebten. Außerdem finanzierte er die Flugschrift „Extrablatt“, in der ebenfalls zur Wahl der AfD aufgerufen wurde. Kritiker werfen dem Verein vor, Spenden an die AfD zu verschleiern. Im Gegensatz zu Parteien müssen Vereine große Spenden nicht offenlegen.

Der Verein selbst bestreitet die Vorwürfe. Sowohl er als auch die AfD weisen jegliche Verbindung zueinander von sich. Auf der Vereinshomepage heißt es lapidar, der Verein erlaube es sich, bei Wahlen Empfehlungen abzugeben.

Wer steckt wirklich hinter der Zeitung?

Der Name Alexander Segert taucht in der Zeitung selbst nicht auf. Dass der Werbefachmann eine wichtige Rolle im Hintergrund spielt, bestätigt Bendels aber: „Die Schweizer Goal AG von Alexander Segert ist für das Layout, den Vertrieb und die Organisation des Deutschland-Kuriers verantwortlich“, sagt Bendels. Inhaltlich sei Segert aber nicht involviert. Seit Jahren arbeitet der Deutsche in der Schweiz für die Schweizer Volkspartei. Er provozierte mit Plakaten, auf denen schwarze Schafe, bedrohliche Minarette und roten Ratten abgebildet waren. In Deutschland hat seine Werbeagentur Goal AG den Webauftritt von Bendels Verein betreut, die AfD-Wahlempfehlungsplakate gestaltet und das Extrablatt produziert.


Wie Bendels bestreitet Segert jeden direkten Kontakt zur AfD. Nach Recherchen von „Frontal 21“ hat seine Goal AG im baden-württembergischen Landtagswahlkampf 2016 aber die Website von Spitzenkandidat Jörg Meuthen betreut. Ein Freundschaftsdienst, behauptet Segert. Der Spiegel wies der Goal AG eine direkte Zahlung an Marcus Pretzell für eine Veranstaltung im Düsseldorfer Kongresszentrum nach. Segerts Rechtfertigung: Es habe sich um eine Veranstaltung der EU-Parlamentsfraktion der Europäischen Konservativen und Reformer (EKR) gehandelt – und nicht um eine der AfD. Das stimmt nur halb.

Zwar hatte Pretzell die Veranstaltung im Namen der EKR-Fraktion organisiert, sie fand aber aus verschiedenen Gründen nicht mehr mit deren Unterstützung statt – sondern unter den Bannern von AfD und FPÖ.

Trotz all dieser Querverbindungen will „Deutschland-Kurier“-Chefredakteur Bendels nichts von einem Kontakt seines Vereins und seiner neuen Zeitung zur AfD wissen. „Mit der AfD haben wir noch nicht einmal indirekt etwas zu tun“, sagt er. Auf eine Sache will er aber mit seinem „Deutschland-Kurier“ nicht verzichten: „Wir werden uns das Recht herausnehmen, eine Wahlempfehlung auszusprechen.“