„Von mir gibt es Bilder mit Baby im Parlament, damit Kinder nicht im Verborgenen bleiben", erzählt Laura Hopmann aus dem CDU-Vorstand

Joana Lehner
·Lesedauer: 6 Min.
Laura Hopmann (CDU), 32 Jahre, ist die jüngste Abgeordnete im niedersächsischen Landtag.
Laura Hopmann (CDU), 32 Jahre, ist die jüngste Abgeordnete im niedersächsischen Landtag.

In einem ihrer meistgeklickten Instagram-Videos lädt die Abgeordnete Laura Hopmann (CDU) ihren Kinderwagen aus dem Auto, schiebt ihren acht Monate alten Sohn zum Beatles-Song in den niedersächsischen Landtag und nimmt dort an Sitzungen teil. Zwischendrin trägt sie ihr Baby in der Bauchtasche herum und sitzt vor dem Computer. Es ist nur einer von vielen Instagram-Beiträgen, der offen legt, wie schwer es auch als junge Politikerin ist, den Spagat zwischen Beruf und Familie zu schaffen.

Die 32-Jährige, ist nicht nur die jüngste Abgeordnete in der CDU-Fraktion des niedersächsischen Landtags, sondern erst im Januar mit dem viertbesten Ergebnis unter allen 34 Kandidaten in den Bundesvorstand der CDU gewählt worden. Mit ihren Posts sammelt sie mittlerweile mehr Follower ein, als viele andere in ihrer Partei: Inzwischen haben über 5000 Menschen das Video mit ihrem Baby im Landtag gesehen. Andere Fotos mit ihrem Kind liken regelmäßig bis zu 500 Follower.

Dabei geht es Hopmann nicht nur um Selbstdarstellung, sondern vor allem auch darum, auf ein Grundproblem aufmerksam zu machen: „Was erzeugen wir für einen Druck auf junge Mütter, wenn das Politikerin-Sein mit Kindern immer supereasy dargestellt wird", sagt sie zu Business Insider. Über Instagram wolle sie so aus ihren Followern herausfühlen, vor welchen Herausforderungen junge Mütter stünden und was ihre Generation politisch im Alltag interessiere, gerade beim Thema Familienpolitik.

„Von mir gibt es Bilder mit Baby im Parlament, damit Kinder nicht im Verborgenen bleiben"

Laura Hopmann hat ihre politische Karriere Anfang 20 bei der Jungen Union begonnen. Sie studierte Politikwissenschaft in Göttingen und Hannover und arbeitet zwischendrin für den Automobilzulieferer Bosch in Brüssel. Als sie mitbekommen habe, dass der alte CDU-Kandidat in ihrem Landtagswahlkreis Hildesheim nicht mehr antrete, habe sie sich kurzerhand entschlossen, für ihren Heimatort zu kandidieren, erzählt sie. Von den anderen zwei männlichen Kandidaten habe sie sich nicht repräsentiert gefühlt. „Mutig war ich schon immer, deshalb habe ich mich auch getraut, in einer Kampfkandidatur mit den Männern anzutreten, auch mit positiver Naivität", sagt Hopmann.

Unterstützung bekommt sie damals von ihrer Kreisvorsitzenden und dem Chef der Jungen Union, Tilman Kuban. Seit November 2017 sitzt sie nun für die CDU in Niedersachsen im Ausschuss für Umwelt und Klimaschutz und im Ausschuss für Gleichstellung und Soziales. Dabei habe sie schnell lernen müssen, wie sie ihre Ideen auch in einer großen Koalition mit der SPD umsetzen könne: „Ich vergesse nicht radikal zu sein", sagt Hopmann. Aber sie habe in der Fraktion festgestellt: „Die Rebellion muss man sich für wichtige Momente aufheben", so Hopmann.

Im Landtag fällt die junge Abgeordnete dabei vor allem mit ihrem Engagement auf Instagram und ihrem offenen Umgang mit ihrem Sohn auf: „Von mir gibt es Bilder mit Baby im Parlament, damit Kinder nicht im Verborgenen bleiben". Es störe sie, dass sie im beruflichen Kontext nur willkommen sei, wenn sie das Kind weg organisieren könne. Diese strikte Trennung von Beruf und Familie - ohne auf die Herausforderungen aufmerksam zu machen - wolle sie verändern und sichtbar machen.

Hopmann will mehr Anreize für Männer in Elternzeit zu gehen

Dabei setzt sich die junge CDU-Politikerin auch jenseits von Instagram für die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie ein: „Nach wie vor nehmen noch zu wenige Männer die Elterngeldmonate in Anspruch" sagt sie. Deshalb fordere sie eine Reform des Elterngeldes, damit Männer stärkere Anreize hätten.

Tatsächlich haben im vergangenen Jahr zwar fast eine halbe Million mehr Männer Elterngeld bezogen. Doch in der Mehrzahl übernehmen Väter weiterhin nur einen kleinen Teil der Elternzeit: Während Frauen im Schnitt 14,5 Monate Elterngeld bezogen oder beziehen wollten, waren es bei den Männern 3,7 Monate. Laut Statistischem Bundesamt sei diese Verteilung in den vergangenen Jahren konstant geblieben.

Für weibliche Abgeordnete wie Hopmann gelten dabei nicht die gleichen Regeln wie für andere Eltern. Als Mandatsträgerin durfte sie nur für zwei Monate während des Mutterschutzes unentschuldigt fehlen. Einen Anspruch auf Elternzeit hat sie nicht. Für sie klappe das aber nur, weil ihr Ehemann die Elternzeit genommen habe, erzählt Hopmann. Und fügt dann an: „Er ist zu meinem „Stillschatten" geworden". Regelmäßig müsse sie ihn und ihren Sohn mit in den Landtag nehmen. Da könne man noch so emanzipiert und modern sein, das Baby sei auf die Mutter angewiesen, wenn es noch sehr klein sei.

Politiker und Politikerinnen haben bis jetzt kein Anspruch auf Elternzeit

Dass auch Politiker Arbeit und Familie vereinbaren wollen, ist für viele noch immer ein ungewohnter Gedanke. Deshalb sieht Hopmann auch hier Reformbedarf: Es müsse eine gesetzliche Regelung in den Parlamenten gefunden werden, wonach jeder Abgeordnete unter Reduzierung der Diät ähnlich dem Elterngeld für einige Monate, sein Mandat nicht aktiv wahrnehme, sagt sie.

Denn zur Wahrheit gehört auch: Bislang kassierten Politiker und Politikerinnen während ihrer Babypause die volle Abgeordnetendiät von 8000 Euro im Monat. Zum Vergleich: Andere Eltern bekommen in Elternzeit nur 67 Prozent des letzten Nettogehaltes, maximal aber 1800 Euro Hopmann aber will dieses Modell jedoch nicht nur für Eltern umsetzen, sondern auch für Abgeordnete, die sich um ihre Eltern kümmern wollten.

Ehrenamtliche Politiker sollten als Führungskräfte geschult werden

Neben ihren Ideen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, will die CDUlerin im Bundesvorstand jedoch auch noch parteintern etwas bewegen: Sie will mehr Frauen den Weg in die Politik ebnen, weil sie ihre Karriere in der eigenen Partei nicht für selbstverständlich hält: „In der Fläche der CDU ist manchmal noch die Quotenfrau eher als Schmückwerk dabei", sagt sie. Da wünsche sie sich von der untersten Ebene zur Landesebene manchmal mutigere Personalpolitik. Denn Fakt ist: Noch immer sind nur rund ein Drittel der Mitglieder in der Jungen Union Frauen, in der CDU sind es sogar noch weniger (27 Prozent).

Tatsächlich hatte die Union zwar erst im Sommer vergangenes Jahres einer Quote für Vorstandswahlen ab der Kreisebene zugestimmt. Demnach soll ab dem 1. Januar eine Frauenquote von 30 Prozent gelten, ab 2023 dann von 40 Prozent und ab 2025 von 50 Prozent. Doch für Hopmann beginnt das Problem noch weit vor der Wahlen: Es gäbe zu wenig Bewerberinnen für Kandidaturen.

„Mir fehlt es teilweise, dass die Vorsitzenden einiger Verbände gezielt tief in Ortschaften reingucken und Frauen für Kandidaturen ansprechen", sagt sie. Langjährige Vorstände, die schon zig Jahre dabei sind, müssten aktiv gefragt werden, ob sie jemand Jüngerem dem Platz überlassen würden. Hinzukommt: Woher sollten die Ehrenamtlichen Vorsitzenden wissen, wie sie professionell mehr Frauen anwerben und fördern könnten, wenn sie selbst nicht zufällig Personalverantwortung im Job trügen, fragt sich Hopmann. Es würde helfen, wenn der Bundesvorstand deshalb ein- bis zweimal im Jahr Führungskräfteschulungen für Ehrenamtliche anbieten würde.