UN-Organisationen fordern Unterstützung für Wiederaufbau im Irak

Der Irak hat den Finanzbedarf für den Wiederaufbau des zerstörten Landes auf 88,2 Milliarden Dollar beziffert. Die Einschätzung beruhe auf einer Studie irakischer und internationaler Experten, sagte Planungsminister al-Dschumaili bei einer Konferenz in Kuwait

Bei einer Hilfskonferenz für den Wiederaufbau des kriegszerstörten Irak haben UN-Organisationen eindringlich um internationale Unterstützung geworben. Es gehe darum, den Vertriebenen eine "freiwillige, dauerhafte Rückkehr in Sicherheit" zu ermöglichen, sagte der Vertreter des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR im Irak, Bruno Geddo, am Montag in Kuwait-Stadt. Die irakische Regierung erhofft sich von der dreitägigen Konferenz Hilfszusagen in Höhe von fast 90 Milliarden Dollar.

"Die dauerhafte Rückkehr ist ein wichtiger Faktor, um Frieden und Stabilität wiederherzustellen", sagte Geddo. "Aber das beschränkt sich nicht auf Ziegelsteine und Zement." Zum Wiederaufbau gehöre alles von der Minenräumung über die Reparatur der zerstörten Infrastruktur bis hin zur Wiederherstellung von Dienstleistungen. Dies sei auch nötig, um den sozialen Zusammenhalt im Irak wiederherzustellen.

Geddo warnte davor, das zerstörte Land nach dem Ende der Kämpfe gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) sich selbst zu überlassen. "Wir haben eine gemeinsame Verantwortung, die Iraker in dieser entscheidenden Phase weiter zu unterstützen", sagte der UNHCR-Vertreter.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) forderte, in den darniederliegenden Gesundheitssektor zu investieren. In den früheren IS-Hochburgen Al-Anbar, Niniwe und Salaheddin seien 14 Krankenhäuser und 170 Gesundheitseinrichtungen zerstört oder beschädigt worden, sagte der WHO-Vertreter Altaf Musani.

Die UN-Organisation für Ernährung im Landwirtschaft (FAO) forderte einen "Notfonds", um 1,6 Millionen Menschen im Agrarsektor zu unterstützen, deren Ernte durch die Kämpfe zerstört wurde oder die von ihren Höfen vertrieben wurden.

Das UN-Kinderhilfswerk Unicef und das UN-Siedlungsprogramm Habitat riefen zu Investitionen im Bildungssektor auf. Mehr als die Hälfte der Schulen im Irak sei beschädigt worden. Jedes vierte Kind lebe in Armut.

Der Irak war 2014 nach Jahrzehnten von Sanktionen und Krieg von der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) überrannt worden. Zeitweise stand ein Drittel des Staatsgebiets unter Kontrolle der Dschihadisten.

Durch die jahrelangen Kämpfe gegen die IS-Miliz wurden die Industrie und die Infrastruktur des Landes stark in Mitleidenschaft gezogen. In der Großstadt Mossul wurden ganze Wohnviertel in Schutt und Asche gelegt. Im Dezember verkündete die Regierung schließlich den Sieg über den IS.

3,3 Millionen Iraker kehrten inzwischen nach Hause zurück, aber noch immer sind nach Angaben der Regierung mehr als 2,5 Millionen Menschen auf der Flucht.

Planungsminister Salman al-Dschumaili sagte zum Auftakt der Hilfskonferenz, insgesamt seien 88,2 Milliarden Dollar (knapp 72 Milliarden Euro) für den Wiederaufbau und die Beseitigung der Kriegsschäden erforderlich. An dem dreitägigen Treffen nehmen Hilfsorganisationen, Regierungsvertreter und Unternehmen teil.

Am ersten Tag der internationalen Geberkonferenz sagten Hilfsorganisationen dem Irak insgesamt 330 Millionen Dollar für humanitäre Projekte zu. Am Dienstag will Bagdad bei den in Kuwait-Stadt versammelten Unternehmen um Investitionen werben. Am dritten Tag wird dann mit den Finanzzusagen der Geberländer gerechnet.

Weltbank-Vertreter Raja Rehan Arshad sagte, alleine im Wohnsektor würden mehr als 17 Milliarden Dollar benötigt. Weitere 30 Milliarden Dollar müssten in den Wiederaufbau der Energieversorgung und der Industrie fließen.

Unterstützung erhofft sich der Irak auch von dem britischen Ölkonzern BP. Das Unternehmen, das bereits im Südirak aktiv ist, soll nach Angaben von Ölminister Dschabbar al-Luaibi bei der Entwicklung der Ölfelder in der kürzlich zurückeroberten Kurdenprovinz Kirkuk helfen, um die Förderung dort zu erhöhen.

US-Außenminister Rex Tillerson traf nach einem Besuch in Kairo bei der Konferenz ein. Nach Angaben des Außenministeriums wollen die USA in Kuwait-Stadt keine "direkten" Hilfen zusagen. Aber mehr als 150 US-Unternehmen seien bei der Konferenz zugegen, um sich im Rahmen des Privatsektors zu engagieren.