Minister: 120 Covid-19-Kranke in türkischen Gefängnissen

ISTANBUL (dpa-AFX) - In türkischen Gefängnissen sind offiziellen Angaben zufolge bisher 120 Häftlinge an der Lungenkrankheit Covid-19 erkrankt. Alle würden in Kliniken behandelt, keiner sei auf einer Intensivstation, sagte Justizminister Abdulhamit Gül am Dienstag in Ankara während einer Pressekonferenz. Keiner der Infizierten sei in kritischer Verfassung. Gül zufolge kommen die Betroffenen aus vier Gefängnissen.

Am 13. April hatte Gül gemeldet, dass im offenen Vollzug bisher 17 Fälle der Lungenkrankheit Covid-19 bestätigt seien. Drei Menschen seien gestorben.

Die Regierung hat im April damit begonnen, Häftlinge aus den überfüllten Gefängnissen unter anderem in den Hausarrest zu entlassen, um die Verbreitung von Covid-19 aufzuhalten. Ein entsprechendes Gesetz soll die Entlassung von bis zu 90 000 Menschen ermöglichen. Anwälte und Menschenrechtler hatten die Maßnahme scharf kritisiert, weil sie Inhaftierte unter Terrorvorwürfen und Untersuchungshäftlinge ausschließt. Darunter sind auch Regierungskritiker und Journalisten. Betroffen sind auch einige wegen Terrorvorwürfen verurteilte Deutsche. Die große Oppositionspartei CHP geht mittlerweile vor dem Verfassungsgericht gegen das Gesetz vor.

Bis Montagabend hatte die Türkei offiziell rund 112 000 mit dem Coronavirus Infizierte erfasst sowie 2900 Tote.