Mini-Hirne aus dem Labor könnten Schlaganfallpatienten helfen

Die Hirnforschung steckt noch immer in den Kinderschuhen – gelingt nun ein Durchbruch? (Symbolbild: Getty Images)

Wissenschaftler züchten Hirne in Labors heran, um die Aktivitäten in dem Organ besser zu verstehen. Nun haben Forscher die künstlichen Denkapparate mit Blutgefäßen ausgestattet – und schwärmen schon von medizinischen Einsatzmöglichkeiten.

Eine Studie der University of California, Davis, die nun im Fachjournal „NeuroReport“ veröffentlicht wurde, berichtet von den Wanzen-großen Gehirnen, die jenen des Menschen immer ähnlicher werden. Die Blutgefäße sorgen dafür, dass die Retorten-Hirne sich mittlerweile über einen langen Zeitraum mit Sauerstoff versorgen lassen.

Die Mini-Hirne sowie die Blutgefäße wurden aus Stammzellen eines Patienten entwickelt. Bei diesen Organoiden – so werden künstlich hergestellte Mikrostrukturen genannt, die Organen ähneln – wollen die Forscher untersuchen, wie Hirnzellen interagieren. Dafür haben sie ein Mini-Hirn zwei Wochen in das Gehirn einer Maus eingepflanzt – wo es sich auf gesunde Art und Weise weiterentwickelt hat.

Eine Maus wurde bereits mit einem Mini-Hirn ausgestattet. (Symbolbild: Getty Images)

Dem Technologie-Magazin „Wired“ sagte Ben Waldu, ein Neurochirurg der University of California, Davis: „Die Idee hinter diesen Organoiden ist, eines Tages in der Lage zu sein, einem Patienten mithilfe seiner eigenen Zellen eine Gehirnstruktur zurückzugeben, die dieser verloren hat.“ Profitieren könnten davon etwa Schlaganfallpatienten.

Auf neurologischer Ebene ähneln die Labor-Hirne echten menschlichen Gehirnen noch nicht im Geringsten. Diese Organoide, vor allem da sie nun mit Blut versorgt werden, können medizinisch aber sehr hilfreich sein. Krankheiten, die mit einer Gehirnschädigung zu tun haben, wie etwa Parkinson, könnten in Zukunft womöglich ebenfalls mit den Mini-Hirnen behandelt werden.

Christof Koch, Präsident des Allen Institute for Brain Science in Seattle, sagt: „Das ist eine große Sache, aber wir befinden uns noch ganz am Anfang. Die Tatsache, dass ich die Welt betrachten kann und dabei über ein räumliches Vorstellungsvermögen verfüge – links, rechts, nah, fern – hat alles mit der Organisation des Kortex zu tun, der die Regelmäßigkeiten in der Welt wahrnimmt.“ Die Organoide seien von einer solchen Komplexität noch weit entfernt.