La Masia ist bei Barca wieder gefragt

Vincent Wuttke
·Lesedauer: 4 Min.

Lionel Messi blieb zu Hause und trat die Reise in die Ukraine genau wie Frenkie de Jong nicht mit an, Gerard Piqué fehlte mit seiner schweren Knieverletzung. Und Antoine Griezmann saß ebenso auf der Bank wie Jordi Alba und Ousmane Dembélé. Ohne die Stars lieferte Barcelona in der Champions League bei Dynamo Kiew (4:0) eines der besten Saisonspiele ab.

Die zweite Garde überzeugte und rückte La Masia wieder in den Fokus. Vor allem ein Mann ist dafür verantwortlich, dass wieder über die berühmte Nachwuchsakademie gesprochen wird: Oscar Mingueza.

Aufgrund des Piqué-Ausfalls sowie der Verletzungen von Samuel Umtiti und Ronald Araujo bot Coach Ronald Koeman den Innenverteidiger auf. Der 21-Jährige überzeugte in seinem ersten Einsatz für die Profis.

"Die Verletzung von Piqué ist schade. Jetzt hat Oscar die Gelegenheit zu bestätigen, warum wir ihn gewählt haben", hatte Co-Trainer Alfred Schreuder vor dem Spiel gesagt (Service: Die Tabellen der Champions League).

Mingueza mit starken Werten

In den folgenden 90 Minuten sah er einen fehlerlosen Auftritt des Spaniers. Er fing fünf Pässe ab, gewann seine beiden Kopfballduelle sowie drei Zweikämpfe am Boden und brachte 86 seiner 93 Pässe an den Mann. Er bereitete das 2:0 von Martin Braithwaite nach einer Ecke vor. "Ich habe mich mein ganzes Leben darauf vorbereitet", kommentierte der Debütant seinen Auftritt.

Koeman lobte seinen Schützling. "Er hat einen sehr guten Eindruck gemacht", erklärte der Trainer.

Bei den Barca-Fans von Barca schürt Mingueza damit gemeinsam mit den eingewechselten Königsklassen-Debütanten Riqi Puig und Konrad De La Fuente, zwei weiteren La-Masia-Schülern, große Hoffnungen. Erinnerungen an die Glanzzeiten des Klubs Anfang des vergangenen Jahrzehnts wurden geweckt. Immer wieder schafften damals Eigengewächse den Sprung zu den Profis und wurden zu Superstars.

Heute sind im Kader neben Lionel Messi, Piqué, Sergio Busquets, Sergi Roberto und Jordi Alba aber kaum Kräfte aus der besten Talentschmiede der Welt im Kader. Neben Supertalent Ansu Fati gehören lediglich Riqi Puig und Carles Alena zum Aufgebot.

Barca: Coutinho und Co. statt eigener Talente

In den vergangenen Jahren wurde es immer ruhiger um die Akademie.

Stattdessen verlor sich der Klub in Mega-Transfers von Philippe Coutinho (145 Millionen Euro), Antoine Griezmann (120 Millionen Euro) und Ousmane Dembélé (130 Millionen Euro). Für das Trio gab der Klub in den vergangenen drei Jahren knapp 400 Millionen Euro aus. Ein Gegenwert, den die drei bislang bei Weitem nicht zu rechtfertigen wussten.

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In der Liga gehörten sie in dieser Spielzeit zum Stammpersonal. Dort steht Barca aber mit großem Abstand zur Spitze auf einem enttäuschenden 13. Platz (Service: Die Tabelle von La Liga).

Auch deshalb baut Koeman immer mehr auf Talente wie Sergino Dest, Trincao oder Pedri. Das Trio ist allerdings im Sommer von anderen Vereinen gekauft worden.

Baut Koeman mehr Spieler von La Masia ein?

Mingueza erinnerte Koeman nun wieder daran, dass es im eigenen Nachwuchs ein großes Repertoire an großen Talenten gibt. Der Abwehrmann ist ein Paradebeispiel für den Werdegang eines Barca-Spielers. Mit acht Jahren kam er zu den Katalanen, durchlief alle Jugendteams, spielte die vergangenen beiden Spielzeiten für die Reserve und ist 13 Jahre nach seiner Ankunft nun bei den Stars angekommen.

Das Talent hat also das Barca-Blut in sich und vor allem das System verinnerlicht wie kaum ein Zweiter im Kader. Das war gegen Kiew nach nur sechs Wochen Training bei den Profis auf Anhieb zu erkennen. Vor allem im Spielaufbau zeigte der Mann mit den langen Haaren seine Stärken und lieferte immer wieder starke Zuspiele auf dem Weg nach vorne - ganz nach der Klubphilosophie.

"Er ist ein junger Mann, der seit vielen Jahren bei Barça ist. Er kennt die Konzepte dessen, was wir spielen wollen", fasste Koeman zusammen. Der Coach sagte ein Ligadebüt gegen Osasuna am Wochenende sei "sehr wahrscheinlich".

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Die Fans von Barca freut es sicher, dass La Masia dank Mingueza wieder auf der Bildfläche aufgetaucht ist. Übrigens lieferte auch Alena, mit 21 Jahren das zweite Talent aus der Nachwuchsakademie in der Startelf, eine starke Leistung ab und rief sich beim Klub ins Gedächtnis.

Es ist nun zu erwarten, dass Koeman die beiden nun verstärkt einbaut. Immerhin gilt der Coach als Förderer der damals jungen Zlatan Ibrahimovic, Virgil van Dijk und Sadio Mané und als Talente-Entwickler.

Bei Barca hat er eine große Auswahl an Talenten von La Masia. Die Einbindung der Eigengewächse wäre für den finanziell stark angeschlagenen Klub der beste Weg zu neuer Solidität und wieder erstarkter Identifikation.