Wirbelsturm "Irma" löst Massenexodus aus Florida aus

Der auf die Südostküste der USA zurückende Monster-Hurrikan "Irma" hat hunderttausende Einwohner von Florida in den Exodus getrieben. Auf den beiden Highways entlang der Küsten des US-Bundesstaats bewegten sich Stoßstange an Stoßstange endlos scheinende Autokolonnen langsam nach Norden

Massenflucht vor "Irma": Der auf die Südostküste der USA zurückende Monster-Hurrikan hat hunderttausende Einwohner von Florida in den Exodus getrieben. Auf den beiden Highways entlang der Küsten des US-Bundesstaats bewegten sich Stoßstange an Stoßstange endlos scheinende Autokolonnen am Freitag langsam nach Norden, wie AFP-Reporter berichteten. Die Meteorologen erwarteten, dass "Irma" am Samstagabend (Ortszeit) mit Windgeschwindigkeiten von 240 Stundenkilometern auf die Südküste von Florida prallen wird.

Der Wirbelsturm hatte in den vergangenen Tagen bereits auf mehreren Karibikinseln schwere Verwüstungen angerichtet und mindestens 18 Menschen getötet. Am Freitag näherte er sich Kuba. An der dortigen Nordküste wurden 10.000 ausländische Touristen in Sicherheit gebracht. Das Nationale Hurrikan-Zentrum der USA (NHC) sagte voraus, dass "Irma" von Kuba aus weiter zu den Bahamas und dann nach Florida ziehen würde.

Der dortige Gouverneur Rick Scott richtete eine dramatische Warnung an die Bürger: Sämtliche 20,6 Millionen Einwohner des Bundesstaates müssten darauf vorbereitet sein, "bald" ihre Wohngebiete zu verlassen. "Irma" sei "größer als unser gesamter Bundesstaat", sagte Scott. "Dieser Sturm ist machtvoll und tödlich."

Für mehrere Küstenregionen Floridas und des nördlich angrenzenden US-Staates Georgia hatten die Behörden bereits in den vergangenen Tagen die obligatorische Evakuierung angeordnet.

US-Präsident Donald Trump appellierte an die Bürger, die Empfehlungen und Anordnungen der Behörden zu befolgen. "Irma" sei ein Sturm von "epischen Ausmaßen" und vielleicht der größte, den "wir jemals gesehen haben", warnte Trump im Kurzbotschaftendienst Twitter. Allerdings wurde die Evakuierung dadurch erschwert, dass vielerorts bereits das Benzin knapp wurde.

Das US-Hurrikanzentrum stufte "Irma" zwar am Freitag auf die zweithöchste Stufe 4 zurück, nannte den Sturm aber weiterhin "extrem gefährlich". Die Meteorologen warnten, dass der Sturm bis zu acht Meter hohe Wellen aufpeitschen und schwere Überschwemmungen auslösten könnte.

In dem für seine pulsierende Strand- und Partyszene bekannten Touristenort Miami Beach herrschte am Freitag gespenstische Ruhe. Viele Schaufenster waren mit Sperrholz abgedeckt. Auf manchen Brettern waren Graffiti-Sprüche wie "Sag Nein zu 'Irma'" oder "Du machst uns keine Angst, 'Irma'" zu lesen.

In großen Teilen der Karibik hatte der Sturm zuvor eine breite Spur der Vernichtung zurückgelassen. Mindestens vier Menschen kamen auf den Amerikanischen Jungferninseln ums Leben, weitere zwei Menschen im US-Außenterritorium Puerto Rico.

Auf den zu Frankreich gehörenden Karibikgebieten Saint-Martin und Saint-Barthélemy gab es mindestens neun Todesopfer. Sieben weitere Menschen würden vermisst, sagte der französische Innenminister Gérard Collomb. Zwei Menschen wurden durch "Irma in Sint Maarten getötet, dem niederländischen Teil von Saint-Martin, einer auf Barbuda.

Die Regierungen der Niederlande und Frankreichs beklagten Plünderungen in ihren karibischen Außengebieten. "Die Lage ist ernst", sagte der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte angesichts von Diebstählen auf Sint Maarten. Seine Regierung entsandte zusätzliche Polizisten und Soldaten. Auch die französische Übersee-Ministerin Annick Girardin beklagte Plünderungen und kündigte die Entsendung von 400 Polizisten an.

Während auf den verwüsteten karibischen Inseln die Hilfsmaßnahmen anliefen, gingen von weiteren Hurrikanen neue Gefahren aus. Das NHC stufte "José", der "Irma" auf demselben Pfad folgt, auf die Kategorie 4 hoch. Auch "Katia" nahm an Fahrt auf und wurde auf Kategorie 2 hochgestuft. "Katia" Dieser Sturm schlug einen anderen Weg ein und bewegte sich auf die mexikanische Ostküste zu.