Mindestens sechs Tote und zahlreiche Vermisste nach Schiffsunglück in Kolumbien

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Das Ausflugsschiff "El Almirante" im Moment des Unglücks

Nach dem Schiffsunglück in Kolumbien haben die Rettungskräfte weiter nach zwei Vermissten gesucht. Nach vorläufigen Angaben des Katastrophenschutzes vom Montag kamen bei dem Unglück sieben Menschen ums Leben, 158 weitere wurden gerettet

In einem Feriengebiet in Kolumbien sind mindestens sechs Menschen bei einem Schiffsausflug ums Leben gekommen, zahlreiche weitere wurden vermisst. Das Schiff mit rund 170 Menschen an Bord sank am Sonntag minutenschnell auf einem See im Nordwesten des Landes. Mehr als 130 Menschen überlebten das Unglück, dessen Ursache zunächst unklar war. Von einer Überladung des Schiffes gingen die Behörden nicht aus.

Das Ausflugsschiff "El Almirante" sank mitten am Nachmittag vor den Augen zahlreicher Touristen auf dem Stausee El Peñol unweit des Hafens von Guatapé. Auf Videoaufnahmen war zu sehen, wie das Schiff Schlagseite bekam und binnen weniger Minuten kenterte. Menschen auf Jet-Skis und in Booten eilten zur Unglücksstelle. Viele der Passagiere wurden von anderen Booten aufgenommen, andere retteten sich selbst ans Ufer.

"Es sank extrem schnell, alles geschah in wenigen Minuten", sagte der Feuerwehrmann Luis Bernardo Morales. Der Gouverneur des Verwaltungsbezirks Antioquia, Luis Pérez, sagte, bei den sechs Toten handle es sich um vier Frauen und zwei Männer. "Drei von ihnen sind im Krankenhaus gestorben, nachdem sie gerettet worden waren, und drei andere wurden am Unglücksort leblos aufgefunden", sagte Pérez vor Journalisten.

Auch Präsident Juan Manuel Santos, der sich rasch an den Unglücksort begeben hatte, gab die Zahl der Toten mit sechs an. Sie hätten alle die kolumbianische Staatsbürgerschaft und seien erwachsen. Santos sprach zudem von 31 Vermissten. Der Direktor der Katastrophenschutzbehörde, Carlos Iván Márquez, sagte hingegen, es gebe eine "unbestimmte Zahl" Vermisster. 133 Menschen seien gerettet worden, ihnen gehe es gut. Die genaue Passagierzahl war unklar, nach Schätzungen der örtlichen Behörden waren rund 170 Menschen an Bord.

Eine Überladung des Schiffes als mögliche Unglücksursache schlossen sowohl Marquez als auch Santos weitgehend aus. "Nach meinem jetzigen Kenntnisstand war die zugelassene Passagierzahl höher als die Zahl der Menschen, die sich zum Unglückszeitpunkt an Bord befanden", sagte der Chef der Katastrophenschutzbehörde. Das Schiff sei aus ungeklärter Ursache "sehr schnell und sehr plötzlich" gesunken.

Auch Santos sagte, nach seinen Informationen seien die Kapazitäten der "Almirante" noch nicht ausgeschöpft gewesen. Deshalb sei es kaum möglich, dass sie überlastet gewesen sei. Dem Präsidenten zufolge sollten am Montag Experten am Unglücksort eintreffen, um die Ursache zu ermitteln.

Die Passagierin Laura Baquero berichtete im Fernsehen, dass die beiden unteren der insgesamt vier Decks "zu voll" gewesen seien. Zudem habe niemand Rettungswesten getragen. An Bord des Schiffes waren nach ihren Angaben "viele Kinder".

Santos wies die Taucher an, auch in der Nacht die Suche nach den Vermissten fortzusetzen. Allerdings musste der Rettungseinsatz wegen eines Gewitters unterbrochen werden. Laut Gouverneur Pérez sollte der Einsatz am Montagmorgen (Ortszeit) fortgesetzt werden.

An der Bergung waren zudem drei Hubschrauber von Luftwaffe und Armee sowie mehrere örtliche Rettungsteams beteiligt. Das Rathaus von Guatapé rief eine dreitägige Trauer aus. Die Gegend ist bei Kolumbianern beliebt. Sie verbringen dort gerne verlängerte Wochenenden, um Bootsausflüge zu machen, Jet-Ski zu fahren oder zu fischen.