Mindestens 14 Tote bei IS-Anschlag auf politische Veranstaltung in Kabul

Polizei bewacht Gebäude nach Selbstmordanschlag

Bei einem Selbstmordanschlag auf eine politische Veranstaltung von Oppositionellen in Afghanistan sind am Donnerstag mindestens 14 Menschen getötet worden. Der Attentäter habe versucht, in das Gebäude in Kabul einzudringen, sei aber bei einer Sicherheitskontrolle gestoppt worden und habe sich dort in die Luft gesprengt, sagte ein Polizeisprecher der Nachrichtenagentur AFP. Zu dem Anschlag bekannte sich die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) über ihr Sprachrohr Amaq.

Nach Polizeiangaben wurden acht Polizisten und sechs Zivilisten getötet. 18 weitere Menschen seien verletzt worden. In dem Gebäude, einem Hochzeitssaal, hatte eine Versammlung von Anhängern des mächtigen Gouverneurs der nordafghanischen Provinz Balch, Atta Mohammed Nur, stattgefunden. Er war nach Angaben einer seiner Berater nicht unter den Versammlungsteilnehmern. Der Politiker ist ein hochrangiger Führer der tadschikisch dominierten Dschamiat-e-Islami-Partei und Kritiker des afghanischen Präsidenten Aschraf Ghani und seiner Regierung.

Nur machte einen "bösen Kreis" innerhalb der Regierung für den Anschlag verantwortlich. Der "Kampf gegen den Terrorismus" werde weitergehen und derartige Taten, "deren Verantwortliche bekannt sind", würden nicht davon abschrecken, teilte Nur auf Facebook mit. Der Politiker wird auch als Kandidat für die afghanischen Präsidentschaftswahlen 2019 gehandelt. In einer Erklärung verurteilte auch Präsident Ghani die "kriminelle Tat".

Wie ein Augenzeuge berichtete, sprengte sich der Attentäter in die Luft, als die Teilnehmer den Saal nach dem Mittagessen verlassen hatten. "Ich habe viele Leichen gesehen, darunter Polizisten und Zivilisten, die in ihrem Blut gelegen haben", sagte Harun Mutaref, der an dem Treffen teilgenommen hatte. Die Explosion habe für "Chaos und Panik" gesorgt.

Nach Angaben eines AFP-Fotografen waren die Fenster des Gebäudes durch die Explosion zersprungen, ein Fahrzeug davor stand in Flammen. Dutzende Polizisten und Geheimdienstmitarbeiter riegelten das Gebiet weitläufig ab.

Politische und ethnisch motivierte Spannungen nehmen vor den für das kommende Jahr angesetzten Parlaments- und Regionalwahlen zu. Präsident Ghani hatte am Mittwoch den Chef der unabhängigen Wahlkommission entlassen und Spekulationen angeheizt, dass die Präsidentschaftswahl 2019 womöglich gar nicht stattfinden wird.