Mindestens drei Tote bei Wiederholung der Präsidentschaftswahl in Kenia

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Gewaltsame Proteste in Kenia

Begleitet von gewaltsamen Protesten hat in Kenia am Donnerstag die Wiederholung der Präsidentschaftswahl begonnen. In den Oppositionshochburgen lieferten sich Demonstranten Auseinandersetzungen mit der Polizei

Die Wiederholung der Präsidentschaftswahl in Kenia ist von tödlicher Gewalt und Verzögerungen überschattet worden. In den Oppositionshochburgen gab es am Donnerstag gewalttätige Zusammenstöße zwischen Demonstranten und der Polizei, die außer Tränengas auch Schusswaffen einsetzte. Drei Menschen starben an Schusswunden. In vier der insgesamt 47 Landkreise des ostafrikanischen Landes wurde die Wahl wegen der Gewalt auf Samstag verschoben.

Wegen Sicherheitsproblemen werde die Wahl in den westlichen Landkreisen Homa Bay, Kisumu, Migori und Siaya vertagt, sagte der Chef der umstrittenen Wahlkommission (IEBC), Wafula Chebukati. In den Oppositionshochburgen lieferten sich Regierungsgegner heftige Auseinandersetzungen mit der Polizei. Zwei Tote gab es in Kisumu und Homa Bay, den dritten Todesfall in einem Elendsviertel der Hauptstadt Nairobi. Zahlreiche Menschen wurden verletzt.

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) erklärte, einer ihrer Krankenwagen sei in Nairobi angegriffen worden, als er einen Verletzten aufnehmen wollte. MSF-Teams hätten während der Gewalttätigkeiten 19 Verletzte versorgt: vier in Nairobi, zehn in Kisumu und fünf in Homa Bay, davon vier mit Schussverletzungen. Der Zugang zu Verletzten müsse gewährleistet werden, forderte die Organisation.

Die erneute Präsidentschaftswahl war notwendig geworden, nachdem ein Gericht die Wahl vom August für ungültig erklärt hatte. Bis zuletzt hatten Regierungsgegner versucht, die Wahlwiederholung zu verschieben. Einen Eilantrag von Menschenrechtsaktivisten konnte das Oberste Gericht am Mittwoch nach eigenen Angaben aus formalen Gründen nicht bearbeiten.

Amtsinhaber Uhuru Kenyatta bestand darauf, die Wahl abzuhalten - mit oder ohne Teilnahme des bereits drei Mal in Präsidentschaftswahlen unterlegenen Herausforderers Raila Odinga.

Die vier Landkreise rund um den Victoriasee, in denen die Abstimmung vertagt wurde, sind Hochburgen der Opposition. Die meisten dort lebenden Menschen gehören wie Odinga der Volksgruppe der Luo an. Kenyatta gehört zu der in Kenia zahlenmäßig größten Volksgruppe der Kikuyu. Der Gouverneur von Kisumu, Anyang' Nyong'o, rief eine Woche der Trauer aus und erklärte, in seinem Landkreis werde am Samstag nicht gewählt.

Der 72-jährige Odinga hatte seine Kandidatur aus Protest gegen die umstrittene Wahlkommission vor zwei Wochen zurückgezogen und zum Boykott der Wahl aufgerufen. Viele seiner Anhänger versuchten, die Abstimmung in den Wahllokalen zu verhindern. In Kisumu errichteten sie Barrikaden und zündeten Autoreifen an

Die Opposition wirft der IEBC vor, der Regierung von Kenyatta ergeben zu sein. Auch aus der Wahlkommission selbst war zuvor Kritik gekommen: Diese könne in ihrem jetzigen Zustand keine glaubwürdige Wahl garantieren, sagte ein IEBC-Mitglied, das in der vergangenen Woche zurückgetreten war.

Die große Mehrheit der Wahllokale in den Oppositionshochburgen blieb am Donnerstag geschlossen, nachdem Wahlmaterial nicht geliefert werden konnte und Wahlhelfer um ihre Sicherheit fürchteten.

Vor den Wahllokalen in den Kenyatta-Hochburgen waren mehr Menschen zu sehen, die Wahlbeteiligung schien aber auch dort weitaus geringer als im August. Damals lag die Wahlbeteiligung bei knapp 80 Prozent.

Die EU-Beobachtermission hatte ihre Arbeit in Kenia wie andere ausländische Teams aus Sicherheitsgründen eingeschränkt. International gab es Kritik an der chaotischen Vorbereitung der Wahl.

Ein Wahlsieg des 56-jährigen Kenyatta gilt nach dem Rückzug Odingas als sicher. Der Boykott durch Odinga dürfte die Glaubwürdigkeit eines Sieges von Kenyatta aber schmälern und die schwere politische Krise im Land weiter verschärfen.