Junger Selbstmordattentäter tötet in Kabul mindestens fünf Menschen

Ein Selbstmordattentäter hat sich am Dienstag im Diplomatenviertel der afghanischen Hauptstadt Kabul in die Luft gesprengt und mindestens drei Menschen mit in den Tod gerissen. Nach Behördenangaben wurden mindestens 15 Menschen verletzt

Extremisten haben in Afghanistan offenbar ein Kind als Selbstmordattentäter eingesetzt: Bei der Explosion im schwer gesicherten Diplomatenviertel in der Hauptstadt Kabul riss der Minderjährige am Dienstag mindestens fünf Menschen mit in den Tod, 20 weitere wurden verletzt. Die Behörden schätzten das Alter des Täters auf zwölf bis 15 Jahre. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bekannte sich zu der Tat.

Die Explosion ereignete sich wenige Meter entfernt vom Büro für auswärtige Angelegenheiten des Verteidigungsministeriums. Dessen Sprecher sagte, der Attentäter habe den ersten Kontrollpunkt zur sogenannten Grünen Zone in Kabul überwunden. Am zweiten Kontrollpunkt in dem Sperrbereich sei er gestoppt worden, woraufhin der Sprengsatz explodiert sei. Welches Ziel der Attentäter treffen wollte, sei nicht klar. Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums seien nicht unter den Opfern.

Die Explosion ereignete sich gegen 16.00 Uhr Ortszeit, wenn für gewöhnlich viele Angestellte ihre Büros in Kabul verlassen. Augenzeugen berichteten, wie blutende Menschen am Boden lagen und Rettungswagen zahlreiche Opfer wegbrachten.

Ein Sprecher des Innenministeriums sagte, bei dem Selbstmordattentäter könne es sich um einen 13 bis 15 Jahre alten Jungen gehandelt haben. Einem Polizeisprecher zufolge war der Attentäter möglicherweise sogar erst zwölf Jahre alt.

Das Attentat ist für den afghanischen Präsidenten Aschraf Ghani ein Rückschlag. Er hatte nach dem Anschlag vom 31. Mai auf die deutsche Botschaft in Kabul mit mehr als 150 Toten und rund 400 Verletzten versprochen, die Sicherheitsmaßnahmen in der Grünen Zone zu verstärken. Ghani ordnete umgehend eine Untersuchung darüber an, wie es dem Attentäter gelingen konnte, so weit vorzudringen.

In dem Gebiet befinden sich zahlreiche diplomatische Vertretungen und die Büros internationaler Organisationen, auch diejenigen des Nato-Einsatzes Resolute Support und das der UN-Unterstützungsmission Unama. Der US-Geschäftsträger Hugo Llorens sprach im Kurzbotschaftendienst Twitter von einer "feigen Attacke".

Islamistische Attentäter hatten Afghanistan in den vergangenen Tagen mit einer Serie schwerster Anschläge auf Moscheen und Militäreinrichtungen überzogen. Am 21. Oktober sprengte sich ein Selbstmordattentäter in Kabul in die Luft und riss 15 Rekruten mit in den Tod. Nur 24 Stunden zuvor verübte ein anderer Selbstmordattentäter einen Anschlag mit 56 Toten auf eine schiitische Moschee in Kabul. Bei der Serie von landesweit sieben Anschlägen starben seit dem 17. Oktober mehr als 200 Menschen.

Die Truppen der Nato-Verbündeten hatten Ende 2014 ihren Kampfeinsatz in Afghanistan beendet und danach die Ausbildungsmission Resolute Support gestartet. Derzeit haben die USA etwa 8400 Soldaten in Afghanistan stationiert. Rund 7000 beteiligen sich an Resolute Support, die auch von der Bundeswehr mit derzeit rund 930 Soldaten unterstützt wird.

Der Einsatz soll afghanische Soldaten und Polizisten dazu befähigen, selbst für Sicherheit im Land zu sorgen. Die großen Verluste und die zahlreichen Desertionen führen nach Einschätzung von Beobachtern aber dazu, dass viele Soldaten in den Reihen der afghanischen Armee inzwischen demoralisiert sind.

Die USA hatten den internationalen Militäreinsatz in Afghanistan nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in New York gestartet. Die damals in Afghanistan herrschenden Taliban wurden zwar von der Macht vertrieben, militärisch aber nie entscheidend geschwächt. Zeitweise hatten die USA mehr als 100.000 Soldaten in dem Land am Hindukusch stationiert. Seit 2011 sank ihre Zahl dann aber kontinuierlich.