Mindestens 68 Tote bei Bandenkämpfen in Gefängnis in Ecuador

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Polizisten bergen die Leiche eines Häftlings (AFP/Nicola Gabirrete)

Knapp sieben Wochen nach dem schlimmsten Gefängnismassaker in der Geschichte Ecuadors sind bei erneuten Bandenkämpfen in derselben Haftanstalt dutzende Insassen getötet worden. Binnen 24 Stunden wurden nach Angaben der Staatsanwaltschaft in dem Gefängnis der Hafenstadt Guayaquil mindestens 68 Gefangene getötet und 25 weitere verletzt. Erst nach einem Tag und dem Einsatz von 900 Polizisten war die Lage nach offiziellen Angaben am Samstagabend wieder unter Kontrolle.

Mitglieder einer Drogenbande hatten laut den Behörden am Freitagabend den Gefängnistrakt einer rivalisierenden Gang mit Schusswaffen, Sprengstoff und Macheten angegriffen. Später beteiligten sich auch andere Banden an den Kämpfen. In den Onlinenetzwerken veröffentlichte Aufnahmen zeugten von einer unbeschreiblichen Gewalt. Provinzgouverneur Pablo Arosemena sprach von einem abstoßenden "Ausmaß der Rohheit".

In einem Video sagt ein Häftling des angegriffenen Gefängnis-Blocks: "Wir sitzen hier in unserem Gebäude fest. Sie wollen uns alle töten. Bitte teilt dieses Video. Bitte helft uns!", während im Hintergrund lautes Krachen zu hören ist.

Vor dem Gefängnis versammelten sich dutzende besorgte und weinende Familienangehörige von Häftlingen. "Sie sind Menschen, helft ihnen", war auf einem Transparent zu lesen. Ein Mann fragte im Büro der Gerichtsmedizin von Guayaquil nach der Leiche seines vermutlich getöteten Sohns. "Es ist nicht fair, dass er wegen eines gestohlenen Handys sterben musste", sagte er der Nachrichtenagentur AFP.

Polizeichefin Tannya Varela sprach von anhaltenden Revierkämpfen der verschiedenen Gangs in der Haftanstalt Guayas 1. Bei ähnlichen Kämpfen waren dort Ende September 119 Häftlinge getötet worden. Obwohl Präsident Guillermo Lasso daraufhin den Ausnahmezustand über alle Gefängnissen verhängte, wurden bei weiteren Zwischenfällen allein in Guayas 1 mindestens 15 Gefangene getötet. In dem Komplex sind rund 8500 Häftlinge untergebracht, ausgelegt ist er nur für 5300 Insassen.

In den chronisch überfüllten Gefängnissen des südamerikanischen Landes kommt es immer wieder zu Ausschreitungen zwischen Mitgliedern von Banden, die mit mexikanischen Drogenkartellen in Verbindung stehen. In diesem Jahr wurden in den ecuadorianischen Gefängnissen bereits mehr als 300 Häftlinge getötet.

Mit seiner Lage zwischen den bedeutenden Drogenproduzenten Kolumbien und Peru ist Ecuador eine wichtige Drehscheibe für den Drogenschmuggel in die USA und nach Europa. Guayaquil ist die wichtigste Hafenstadt des Landes und gilt als zentraler Umschlagplatz für den Kokain-Handel.

ans/dja

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