64 Tote bei Flammeninferno in sibirischem Einkaufszentrum

Feuerwehrleute bei den Rettungsarbeiten

In einem sibirischen Einkaufszentrum sind mehr als 60 Menschen in einem Flammeninferno ums Leben gekommen. Wie die Behörden am Montag mitteilten, war der Großbrand in Kemerowo am Sonntagnachmittag im Kino des Einkaufszentrums ausgebrochen, in dem sich zahlreiche Schulkinder aufhielten. Offenbar hatten schwere Verstöße gegen Sicherheitsbestimmungen wie blockierte Notausgänge zu der Katastrophe beigetragen. Vier Verdächtige wurden festgenommen.

64 Menschen seien ums Leben gekommen, sagte Katastrophenschutzminister Wladimir Putschkow nach seiner Ankunft in Kemerowo dem russischen Fernsehen. Diese endgültige Bilanz berücksichtige auch sechs Todesopfer, die noch unter den Trümmern begraben seien. Unter den Toten seien mindestens neun Kinder, sagte eine örtliche Sprecherin des Katastrophenschutzministeriums der Nachrichtenagentur RIA Nowosti.

Ersten Ermittlungen zufolge war das Feuer am Sonntagnachmittag in einem Kinosaal in der obersten Etage ausgebrochen. Ein Augenzeuge namens Konstantin sagte dem Radiosender BFM, Schulklassen aus den umliegenden Dörfern seien zu diesem Zeitpunkt in dem Kino gewesen.

Das Feuer erfasste mehr als tausend Quadratmeter des dreistöckigen und zu diesem Zeitpunkt gut besuchten Einkaufszentrums. Den Rettungsdiensten zufolge wurden 120 Menschen in Sicherheit gebracht.

Ein elfjähriges Kind und eine 18-jährige Frau, die vor den Flammen aus dem dritten Stock in die Tiefe sprangen, erlitten schwere Verletzungen, wie Gesundheitsministerin Veronika Skworzowa dem Fernsehsender Rossia 24 sagte. Zehn weitere Verletzte wurden demnach ins Krankenhaus gebracht.

Das russische Ermittlungskomitee leitete eine strafrechtliche Untersuchung ein und stellte bereits "schwerwiegende Verstöße" gegen Bau- und Nutzungsvorschriften fest. Vier Verdächtige wurden demnach festgenommen, darunter der Pächter der Räumlichkeiten, in denen das Feuer ausbrach, und der Chef des Unternehmens, das die Shoppingmall verwaltet.

Ein fünfter Verdächtiger werde überprüft. Er arbeitet für eine Sicherheitsfirma, die die Alarmsirene in dem Einkaufszentrum ausgeschaltet haben soll.

Die örtlichen Behörden erklärten, zu den "zahlreichen Verstößen" zählten ein fehlender Feueralarm und blockierte Notausgänge im Kino.

Zeugen des Unglücks sagten im russischen Fernsehen, es habe kein akustisches Warnsignal gegeben. "Die Menschen fingen einfach an, auf den Ausgang zuzurennen. Dann roch es verbrannt. Da haben wir begriffen, dass das keine Übung war", sagte eine Frau dem Sender Rossia 24.

Die Kreml-Beauftragte für Kinderrechte, Anna Kusnezowa, sagte im Fernsehen, es gebe Schutzvorschriften, aber diese würden nicht eingehalten. Die jetzige Katastrophe müsse Anlass dafür sein, die Sicherheit in anderen derartigen Einkaufszentren zu überprüfen.

Das im Zentrum von Kemerowo gelegene Einkaufszentrum beherbergt neben Geschäften und dem Multiplex-Kino eine Bowlingbahn, eine Sauna und Restaurants. Dichter Rauch erschwerte die Arbeit der rund 300 Feuerwehrleute und Rettungskräfte. Erst nach rund sechseinhalb Stunden war der Brand unter Kontrolle.

Das Dach des Einkaufszentums stürzte fast vollständig ein, auch der übrige Gebäudekomplex war einsturzgefährdet. Am Montag drang erneut Rauch aus dem Gebäudekomplex, so dass die Feuerwehr erneut Wasserspritzen einsetzte. Die Schadenssume wurde auf mehr als drei Milliarden Rubel (42,6 Millionen Euro) geschätzt.

Russlands Staatschef Wladimir Putin sprach den Angehörigen der Brandopfer über seinen Sprecher Dmitri Peskow sein "tiefes Beileid" aus. Die Stadtverwaltung von Kemerowo rief eine dreitägige Trauerzeit für die Stadt mit ihren knapp 550.000 Einwohnern aus. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schickte Putin ein Kondolenztelegramm, auch Papst Franziskus übermittelte den Russen sein Mitgefühl.

Es war das schlimmste Brandunglück in Russland seit Jahren. Im April 2013 waren bei einem Brand in einer psychiatrischen Klinik im Großraum Moskau 38 Menschen ums Leben gekommen. Im September desselben Jahres starben 37 Menschen durch ein Feuer in der Ortschaft Luka im Nordwesten Russlands, ebenfalls in einer psychiatrischen Einrichtung. 2009 hatte es 156 Tote bei einem Nachtklub-Brand in der Stadt Perm gegeben.