Zahl der Todesopfer nach Anschlag in Kabul steigt auf mindestens 33

Spuren eines Attentats in Kabul im März 2018

Bei einem Selbstmordanschlag in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind am Mittwoch nach jüngsten Angaben mindestens 33 Menschen getötet worden, darunter zahlreiche Jugendliche. Der Attentäter sprengte sich am Tag des persischen Neujahrsfests vor der Universität und gegenüber einem Krankenhaus in die Luft. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Saat (IS) beanspruchte das Attentat für sich. Es war der fünfte Selbstmordanschlag in Kabul innerhalb weniger Wochen.

65 Menschen seien verletzt worden, teilte das afghanische Gesundheitsministerium mit. Zuvor hatte das Innenministerium von 26 Toten und 18 Verletzten gesprochen. Eine Quelle aus Sicherheitskreisen sagte AFP, dass die Opferzahlen gar bei 37 Toten und 70 Verletzten lägen.

Die Bombe explodierte weniger als 200 Meter vom Karte-Sachi-Schrein entfernt. Dort versammeln sich jedes Jahr viele Schiiten, um ihr Neujahrsfest zu feiern. Kabuls Polizeichef Mohammed Daud Amin sagte, da die Moschee wegen starker Sicherheitsmaßnahmen nicht zu erreichen gewesen sei, habe sich der Attentäter inmitten von Jugendlichen in die Luft gesprengt, die von dort zurückkehrten.

Während Augenzeugen der Polizei berichteten, dass der Angreifer die Bombe in einer Trommel versteckt transportiert habe, ging das Innenministerium davon aus, dass er eine Sprengstoffweste getragen habe.

Am Tatort spielten sich herzzerreißende Szenen ab. Angehörige der Opfer schrien ihren Schmerz heraus. Was für viele afghanische Familien normalerweise ein Tag zum Feiern ist, wurde für sie zur Tragödie.

Im Oktober 2016 hatten bewaffnete IS-Angreifer denselben Schrein gestürmt, als sich dort schiitische Gläubige zum Aschura-Fest versammelt hatten. Sie töteten 18 Menschen und verletzten dutzende weitere. Zum Anschlag vom Mittwoch bekannte sich der IS über sein Sprachrohr Amaq, wie das auf die Beobachtung islamistischer Internetseiten spezialisierte US-Unternehmen Site mitteilte. Die islamistischen Taliban hatten zuvor im Internet-Kurzbotschaftendienst Twitter eine Beteiligung in Abrede gestellt.

Der afghanische Präsident Aschraf Ghani verurteilte das Attentat als "Verbrechen gegen die Menschlichkeit". Die Hauptstadt war in den vergangenen Monaten von einer Reihe von Anschlägen erschüttert worden, die von den Taliban oder dem IS für sich reklamiert wurden. Kabul gilt inzwischen als einer der gefährlichsten Orte für Zivilisten in Afghanistan.

Der US-Botschafter in Kabul, John Bass, geißelte den Anschlag als "schändlich". Der US-Oberkommandierende in Afghanistan, General John Nicholson, sagte unlängst Reportern, der Schutz Kabuls habe für die ausländischen Truppen Priorität. Der jetzige Anschlag erfolgte während des Besuchs von US-Generalstabschef Joseph Dunford in Afghanistan. Dieser findet wenige Wochen vor den Frühjahrskämpfen statt, die dieses Jahr besonders blutig zu werden drohen.

Der Einsatz der US-Armee in Afghanistan setzte unmittelbar nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in New York und Washington ein. Die Nato-Militärallianz beendete ihren Kampfeinsatz im Dezember 2014 und setzte danach die Mission "Resolute Support" in Gang. Deren Schwerpunkt besteht in der Ausbildung und Unterstützung der afghanischen Sicherheitskräfte. Die Beteiligung der Bundeswehr an dem Einsatz soll bis Ende März 2019 auf bis zu 1300 Soldaten aufgestockt werden.