160 Dorfbewohner bei Angriff im Norden von Burkina Faso getötet

·Lesedauer: 2 Min.
Präsident Kaboré verurteilte den Anschlag als "barbarisch"

Nach dem Angriff mutmaßlicher Dschihadisten auf ein Dorf im Norden von Burkina Faso ist die Zahl der Toten auf 160 gestiegen. Unter den Opfern seien auch 20 Kinder, berichteten Bewohner des Dorfs Solhan am Sonntag. Nach Angaben der Behörden war es der blutigste Angriff seit Beginn der islamistischen Gewalt in dem westafrikanischen Land vor sechs Jahren. Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian kündigte einen Besuch in Burkina Faso an.

Solhan liegt im Dreiländereck von Burkina Faso, Mali und dem Niger. Diese Region wird häufig von dschihadistischer Gewalt erschüttert. Wenige Stunden vor dem Überfall auf das Dorf waren bei einem weiteren Angriff in der Region 14 Menschen getötet worden. Die Behörden machen radikalislamische Kämpfer dafür verantwortlich, die mit Al-Kaida und der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) verbunden sind.

Bei den Opfern in Solhan handelte es sich übereinstimmenden Berichten zufolge ausschließlich um Zivilisten. Die Angreifer hatten demnach in der Nacht zum Samstag zunächst den Posten einer Bürgerwehr attackiert, die an der Seite der Armee gegen Dschihadisten kämpft. Danach setzten sie Häuser und den zentralen Markt in Brand. Viele Einwohner wurden von ihnen regelrecht hingerichtet. Viele Überlebende flohen in die nahegelegene Provinzhauptstadt Sebba.

Präsident Roch Marc Christian Kaboré verurteilte den Überfall als eine "barbarische" Tat. Wir müssen diesen Feinden der Aufklärung geeint und massiv entgegentreten", sagte er. Die Regierung entsandte Soldaten in die Region. Gleichzeitig ordnete sie eine dreitägige Staatstrauer an.

Auch UN-Generalsekretär António Guterres zeigte sich erschüttert. Diese "abscheuliche" Tat zeige, dass die internationale Gemeinschaft ihre Unterstützung für die betroffenen Länder im Kampf gegen den gewaltsamen Extremismus verstärken müsse, erklärte sein Sprecher.

Der französische Außenminister Le Drian teilte auf Twitter mit, er habe mit Kaboré telefoniert. Bei seinem bevorstehenden Besuch werde er dem Präsidenten erneut die Unterstützung seiner Regierung zusagen.

Wenige Stunden vor dem Überfall auf Solhan hatten Sicherheitsvertreter einen Angriff auf das ebenfalls nahe der Grenzen zu Mali und Niger gelegenen Dorf Tadaryat gemeldet. Dort wurden am späten Freitagabend mindestens 14 Menschen getötet, darunter 13 Zivilisten. Nach Angaben einer örtlichen Quelle kam es in Tadaryat auch zu Plünderungen; unter anderem raubten die Angreifer demnach Vieh und Motorräder.

Der Sahel-Staat Burkina Faso wird immer wieder von islamistischen Gruppierungen heimgesucht, die aus dem benachbarten Mali ins Land eindringen. Seit 2015 fielen bereits mehr als 1400 Menschen der Gewalt zum Opfer, rund eine Million Menschen flohen aus ihren Dörfern.

ans/bfi

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.