"Minari": Award-Ärger um Oscar-Favoriten

teleschau
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Ist ein Film nur dann amerikanisch, wenn darin Englisch gesprochen wird? Über diese Frage ist in Hollywood ein erbitterter Streit entbrannt.

Ein Film voller Schauspieler mit asiatischen Wurzeln als Oscargewinner? Seitdem "Parasite" in diesem Jahr groß abgeräumt hat, erscheint vieles möglich. Auch, dass "Minari" (noch ohne deutschen Starttermin), ein Film über eine koreanisch-amerikanische Familie, die in den ländlichen USA der 1980er-Jahre den "American Dream" sucht, einen Oscar gewinnt. Im Rennen um den Golden Globe ist der Film allerdings schon jetzt nicht mehr dabei - mit einer Begründung, die viele im US-Filmgeschäft vor den Kopf stößt.

Wie das US-Branchenblatt "Variety" berichtet, wird sich der Film nicht auf der Nominierungsliste des zweitwichtigsten US-Filmpreises finden - zumindest nicht in der Königskategorie als bester Film. Obwohl "Minari" zwar in den USA spielt und eine amerikanische Produktion ist, darf der Film des in Denver geborenen Regisseurs Lee Isaac Chung nur um die Auszeichnung als "bester fremdsprachiger Film" konkurrieren. Der Grund: In "Minari" wird die meiste Zeit Koreanisch gesprochen.

Scharfe Kritik

"Ich habe in diesem Jahr keinen Film gesehen, der amerikanischer ist als 'Minari'", ärgert sich Regisseurin Lulu Wang über die Entscheidung der Hollywood Foreign Press Association (HFPA), die die Golden Globes vergibt. "Der Film erzählt von einer Einwandererfamilie, die in Amerika den amerikanischen Traum sucht. Wir müssen diese antiquierten Regeln ändern, die nur Menschen, die Englisch sprechen, als Amerikaner betrachten." Wang musste mit ihrem Film "The Farwell", der von einer jungen US-Amerikanerin auf Verwandtenbesuch in China erzählt, ähnliche Erfahrungen machen wie nun die "Minari"-Macher: Auch ihr Film durfte nicht in der Königsklasse der Golden Globes antreten.

Kritik an der Haltung der HFPA kommt auch von anderen Filmschaffenden. So schrieb Schauspieler Daniel Dae-kim ("Hawaii Five-0") auf Twitter, die Entscheidung der Golden-Globe-Verantwortlichen sei dasselbe, als würde man jemandem sagen, er solle in sein Heimatland zurück, obwohl doch Amerika seine Heimat ist.