Millionen Schüler in armen Ländern können nicht lesen und schreiben

Eine Schule in Kenia

In vielen Entwicklungs- und Schwellenländern können Millionen von Kindern trotz mehrjährigen Schulbesuchs nicht lesen und schreiben sowie einfache mathematische Aufgaben lösen. Es handle sich um eine globale "Krise des Lernens", in der die Schulen die sozialen Gräben vergrößerten anstatt sie zu verkleinern, warnt die Weltbank in einem am Dienstag in Washington veröffentlichten Bericht.

Schüler, die bereits durch Armut, Konflikte, ihr Geschlecht oder Behinderungen benachteiligt seien, erreichten das Erwachsenenalter, ohne über die grundlegendsten Lebenskompetenzen zu verfügen. Die Weltbank zitierte Beispiele aus Ländern rund um den Globus. So wurden Schüler der dritten Klasse in Kenia, Tansania und Uganda aufgefordert, in Englisch oder Swahili den simplen Satz "Der Name des Hundes ist Fido" vorzulesen - und scheiterten an dieser Aufgabe.

In ländlichen Gebieten Indiens seien drei Viertel der Schüler der dritten Klasse nicht in der Lage gewesen, Subtraktionen mit zweistelligen Zahlen wie etwa 46 minus 17 auszuführen, heißt es in dem Bericht. Demnach sind die Noten in Schreiben, Lesen und Rechnen von Schülern in armen Ländern insgesamt um 95 Prozent schlechter als in Ländern mit stärkerer Wirtschaftskraft.

Bei der "Krise des Lernens" handle es sich um eine "ökonomische und moralische Krise", erklärte Weltbank-Präsident Jim Yong Kim. Wenn in den Schulen nicht gelernt werde, sei dies eine "verpasste Chance" und "große Ungerechtigkeit".