Millionen für neue Luftfilter stehen bereit – doch kaum ein Klassenzimmer wird nach den Sommerferien ein Gerät haben

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Auch nach den Sommerferien wird Corona an den Schulen eine Rolle spielen
Auch nach den Sommerferien wird Corona an den Schulen eine Rolle spielen

Die Corona-Pandemie hat den Hang zum Déjà-vu. Immer wieder kehren gewisse Themen auf die Agenda zurück, ohne dass sie wirklich gelöst sind. Eines dieser Themen ist die Debatte um die Schulen. Zwar haben in mehreren Bundesländern bereits die Ferien begonnen, doch wie es im neuen Schuljahr unter Corona-Bedingungen weitergeht, dahinter stehen viele Fragezeichen – genau wie im vergangenen Jahr. Mit dem Virus grüßt das Murmeltier.

Maike Finnern, Vorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW, warnt: "Wir dürfen nicht denselben Fehler machen wie letzten Sommer, als viele dachten, die Coronapandemie sei bereits vorüber." Sie sei dafür, dass es nach den Ferien wieder Präsenzunterricht gebe, doch besonders angesichts der Delta-Variante brauche es "alle Schutzmaßnahmen", sagte sie Business Insider. Dazu gehören Hygienekonzepte, Masken und nach den Sommerferien eine Teststrategie an Schulen, sagt Finnern. Doch bei allen Punkten gibt es noch Fragezeichen.

Besonders bei der Ausstattung der Klassen mit Luftfiltern gibt es Kritik. Verantwortlich dafür sind die Städte und Landkreise, aber auch die Bundesländer unterstützen den Kauf. Die Bundesregierung hat ebenfalls ein Programm aufgelegt, 500 Millionen Euro gibt es, damit fest verbaute Filteranlagen in Schulen eingebaut werden können. Dabei zahlt der Bund 80 Prozent, den Rest müssen die Kommunen zuschießen.

Doch die Lehrer sagen, dass all das nicht reicht. "Wir fürchten, dass im Herbst weniger als zehn Prozent der über 650.000 Unterrichtsräume in Deutschland eine Filtertechnik haben werden", sagte Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbands der "Rheinischen Post". Man sei für die bevorstehende Ausbreitung der Delta-Variante durch Reiserückkehrer für den Schulstart nicht genug gewappnet.

Doch während man vonseiten der Lehrer für den Einsatz von Luftfiltern ist, sieht man das bei den Ländern mitunter auch anders. Aus Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt heißt es zu Business Insider, der Nutzen sei begrenzt, das herkömmliche Lüften deutlich effektiver. In der Zeit nach der Pandemie würden die Geräte dann nicht mehr gebraucht. Das Fazit: "Es handelt sich damit um keine nachhaltige Investition", heißt es vom Bildungsministerium Sachsen-Anhalt. Ein Förderprogramm gibt es daher nicht.

Anders in Bayern. Dort will man mit 37 Millionen Euro Luftreinigungsgeräten fördern, zum neuen Schuljahr soll in 60.000 Klassenräumen ein Gerät stehen. In Rheinland-Pfalz wurden für 1500 Schulen über ein Landesprogramm gerade mal 1200 mobile Lüftungsanlagen für insgesamt drei Millionen Euro beschafft. Die tatsächliche Zahl liegt noch höher, da auch die Kommunen selbst solche Anlagen kaufen. Im Saarland werden mobile Luftfilter in Räumen eingesetzt, die sonst nicht richtig gelüftet werden können. Auch hier gab es ein Landesprogramm, über das für 316 Schulen und Hunderte Kitas lediglich 610 Geräte für 1,6 Millionen Euro gekauft wurden.

Die Recherchen von Business Insider zeigen unter dem Strich: Trotz der immer größer werdenden Infektionsgefahr durch die Delta-Variante werden wohl die meisten Schüler in Deutschland nach den Sommerferien in Klassenräumen ohne die viel beschworenen Luftfilter unterrichtet.

Doch nach Ansicht von Gewerkschafterin Finnern wurde zu viel Zeit vergeudet: "Bund und Länder hätten schon im letzten Jahr Luftfilteranlagen anschaffen können", sagt sie. Passiert sei viel zu wenig. Doch richtig ausgestattete Räume sind das eine, die Situation der Schüler das, worauf es in der Schule ankommt. Schließlich haben sie in der Pandemie viel Unterricht verpasst. Finnern fordert daher, sie müssten künftig in kleineren Gruppen unterrichtet werden. Dafür brauche man mehr Lehrkräfte und Sozialarbeiterinnen, eine Forderung, die man auch nicht zum ersten Mal hört. Schon wieder ein Déjà-vu.

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