Millionen für Cleverly, das neue Startup des „I make you sexy“-Gründers

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Brauchen viel Geld für ihr Vorhaben: Die Cleverly-Gründer Björn Jopen und Fredrik Harkort.
Brauchen viel Geld für ihr Vorhaben: Die Cleverly-Gründer Björn Jopen und Fredrik Harkort.

Er habe eine Hassliebe zum Gründen, sagt Fredrik Harkort. Er liebe es, alles gestalten zu können. Aber er hasse es auch, alles gestalten zu müssen. Bei seinem früheren Startup Bodychange – „I make you sexy“ – und dem Thema Abnehmen, habe er oft Gegenwind bekommen. Das sei bei Cleverly anders. Denn Harkort hat nach zehn Jahren Bodychange wieder gegründet, diesmal eine digitale Nachhilfeplattform.

Die ist noch ganz jung, erst im vergangenen Dezember hat er sich mit seinem Mitgründer Björn Jopen ans Werk gemacht, im Januar ging es ans Enwickeln und im Mai erfolgte der Launch. Derzeit arbeiten 19 Leute bei Cleverly. Dessen Angebot: Nachhilfe in allen wichtigen Fächern. Allerdings nicht per vorproduziertem Erklärvideo, sondern im Gespräch per Webcam. „Um Wissen zu vermitteln, ist eine Live-Situation besser“, sagt Harkort im Gespräch mit Gründerszene.

Mehr als nur Sachunterricht

Auf der einen Seite sitzen dann die Schüler, die je nach Tarif rund 26 Euro für die Stunde bezahlen. Auf der anderen Seite mehr als hundert Nachhilfelehrer, die Harkort und sein Team von festangestellten Pädagogen in mehreren Runden interviewt haben, um die Qualität der Nachhilfestunden sicherzustellen.

Es gehe ihm bei Cleverly aber gar nicht nur um den Sachunterricht, sagt Harkort. Weil das Schulmaterial im weiteren Leben nicht unbedingt eine zentrale Rolle spiele, bietet Cleverly auch Coaching an – was Selbstmotivation und das Lernen zu erlernen umfasst – oder auch interessengetriebene Themen wie freies Sprechen vor Gruppen oder Unternehmertum. Letzteres werde er auch selbst unterrichten, sagt Harkort.

Jetzt, wo Cleverly noch ganz am Anfang steht, will Harkort einiges anders machen als bei Bodychange, das er gleich zweimal verkauft hat – zuerst an den Medienkonzern Ströer und dann nach einem Rückkauf noch ein weiteres Mal. „Bei meinem vorherigen Startup ging es viel um Marketing. Heute ist das Produkt wichtiger: Man benötigt eine gute Tech-Basis und alles muss gut skalierbar sein.“ Er denke dabei langfristig, sagt Harkort. „Ich war zehn Jahre in meinem vorherigen Startup, wahrscheinlich werden es diesmal wieder zehn Jahre.“

Drei Millionen Euro nicht einmal ein Jahr nach der Gründung

Die ersten Schritte seines Startups hat er selbst finanziert, dann holte er sich die Unterstützung eines Dutzends Business Angels. Nun hat er zudem einen VC mit an Bord geholt. Unter Führung von Capnamic Ventures und der Beteiligung fast aller Angels fließen drei Millionen Euro in die Berliner Firma. „Damit Cleverly funktioniert, brauchen wir viele Kunden. Und das bedeutet eine große Firma und viel Kapital.“

Mit seinem Startup ist Harkort auf ein Thema aufgesprungen, das durch die Corona-Lockdowns einen riesigen Schub bekommen hat: die Digitalisierung des Bildungssystems. Die Nachfrage nach entsprechenden Angeboten hat vielen bestehenden Firmen einen starken Anschub gegeben, das österreichische Gostudent etwa wurde gerade zum ersten Einhorn des Landes. „Der Erfolg von Gostudent hat uns bei den Investoren geholfen“, sagt Harkort.

Attraktiver Markt – aber auch umkämpft

Mit dem Unicorn von Gründer Felix Ohswald vergleicht sich Harkort gerne. Allerdings hat der Wiener Anbieter einen deutlichen Marktvorsprung und verfolgt ein leicht skalierbares Modell. Die Nachhilfelehrer sind bei Gostudent nur auf Freelancer-Basis angestellt. Die Mentoren, die das Alleinstellungsmerkmal von Cleverly ausmachen sollen, werden bei dem jungen Startup fest angestellt, sodass ein deutlich aufwendigerer Recruiting-Prozess nötig ist.

Warum er glaubt, die Bedürfnisse des Marktes besser zu verstehen als die vielen anderen Anbieter wie Easy Tutor, Sofatutor oder Schülerhilfe? „Wir sind Seriengründer und Familienväter, das hilft uns im Wettbewerb.“ Es gehe ihm um langfristige Kundenbindung, was auch geschäftlich die Königsklasse sei. Und etwas, worauf Investoren anspringen, weil das wiederkehrende Umsätze bringe. Dabei soll die reine Nachhilfe der Einstieg sein, das Coaching dann die Perspektive für die Zeit danach. Für Harkort ist offenbar clever das neue sexy.

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