Milliarden-Auftrag aus Lettland – Air Baltic kauft 30 Flugzeuge von Bombardier


Der Stolz, der in Martin Gauss’ Stimme mitklingt, ist nicht zu überhören: „Es ist eine historische Entscheidung“, sagt der deutsche Chef der lettischen Fluggesellschaft Air Baltic. Am Montag hat er in Riga die „größte Flugzeugbestellung in der Geschichte der Airline“ bekanntgegeben.

„Wir werden 30 Maschinen vom Typ Bombardier CS 300 bestellen und haben eine Option auf weitere 30“, sagte er dem Handelsblatt und betonte, dass dies auch gleichzeitig die zweitgrößte Bestellung dieses Typs weltweit ist.

Mit der Entscheidung für Bombardier setzt der 50-jährige Airline-Chef ganz auf die Flugzeuge des kanadischen Herstellers. Die ersten Maschinen sollen im vierten Quartal kommenden Jahres ausgeliefert werden.


Gauss betonte, dass seine Airline künftig nur noch mit dem vom kanadischen Bombardier-Konzern entwickelten Flugzeug fliegen wird. „Unsere Boeing 737 und die Turboprop-Maschinen vom Typ Dash 8 Q-400 werden wir nach und nach verkaufen“, so Gauss. Der Listenpreis der ersten 30 Flugzeuge beträgt 5,9 Milliarden Dollar. Da Air Baltic weltweit der erste Kunde der 150-sitzigen Bombardier CS 300 war, erhält das Unternehmen relativ hohe Rabatte auf die Bestellung. Wie hoch die sind, will Gauss aber nicht verraten.

Und auch der Chef der Flugzeug-Sparte von Bombardier, Fred Cromer, gibt sich bedeckt und bestätigt nur, dass die lettische Fluggesellschaft auch bei der neuen Bestellung nicht den Listenpreis bezahlen wird. „Das ist so üblich, aber mehr können wir dazu nicht sagen“, erklärt er.

Wie die Finanzierung des Kaufs der neuen Flugzeuge gestemmt werden soll, ist noch nicht endgültig entschieden. „Wir haben das Kapital, um die ersten Maschinen selbst zu finanzieren“, sagt der deutsche Manager. Bei den optionalen Bestellungen will er sich noch nicht festlegen. „Das werden wir von Fall zu Fall entscheiden. Entweder wir finanzieren die Maschine selbst, oder wir leasen sie.“ 

Gauss führt seit 2011 die zu 80 Prozent im Besitz des lettischen Staats befindliche Airline. Und er hat die baltische Fluggesellschaft aus den schwersten Turbulenzen geführt. Vor wenigen Jahren nahezu am Rande des Bankrotts fliegt Air Baltic mittlerweile in den schwarzen Zahlen.

Gauss hat bei der erfolgreichen Sanierungsarbeit von seiner mehr als 20-jährigen Erfahrung in der Luftfahrtbranche profitiert. Begonnen hat er als Pilot auf einer Boeing 737 der deutschen BA, einer Tochtergesellschaft von British Airways. Bei der deutschen BA übernahm der dreifache Vater später auch Managementaufgaben.


2009 tauschte er das Cockpit komplett gegen den Schreibtisch und übernahm die Führung der ungarischen Fluggesellschaft Malev. Nach dem Aus für Malev wurde er zum neuen Chef bei Air Baltic ernannt.

Seitdem läuft es rund. Im vergangenen Jahr flog die Airline insgesamt 3,5 Millionen Passagiere zu 60 Zielen in Ost-, Süd- und Nordeuropa sowie dem Nahen Osten. Das waren 22 Prozent mehr als noch im Vorjahr.

In den Ferienzeiten hat Air Baltic zusätzlich auch Flüge in die beliebtesten Urlaubsgebiete im Angebot. So fliegt man in den kommenden Wochen zu den Spielorten der Fußballweltmeisterschaft in Russland. Derzeit besteht die Air-Baltic-Flotte aus 31 Maschinen, acht Bombardier CS 300, elf Boeing 737 und zwölf Bombardier Q400 Next Generation. 

Anfang der 2020er-Jahre, so der Plan von Gauss, wird Air Baltic nur noch die neuen Bombardier-Maschinen in ihrer Flotte haben. „Das spart enorme Kosten, da wir Ersatzteile und Personal nur noch für einen einzigen Flugzeugtyp benötigen.“

Dass die Wahl auf die CS 300 fiel, war nach Aussage von Gauss sehr leicht. Die Betriebskosten für diesen Typ liegen deutlich unter denen anderer Flugzeuge. Nach Berechnungen der Airline hat man im ersten Jahr mit der Bombardier-Maschine rund 20 Prozent weniger Treibstoff verbraucht als mit der Boeing 737. „Damit haben sich unsere Hoffnungen mehr als erfüllt“, sagt Gauss.


Zwar waren die Jahre an der Spitze der lettischen Fluggesellschaft für ihn erfolgreich. Doch ein Ziel hat er noch nicht erreicht: Zusammen mit der lettischen Regierung ist er schon seit geraumer Zeit auf der Suche nach einem Investor. Denn der lettische Staat will seinen Mehrheitsanteil abstoßen.

Bislang ist die Suche nach einem Geldgeber aber ergebnislos verlaufen. Große Sorgen macht sich Gauss deswegen dennoch nicht. „Da das Geschäft mittlerweile gut läuft, ist der Druck nicht mehr groß, schnellstens einen Investor zu finden“, erklärte er dem Handelsblatt. Doch langfristig sei es wichtig, einen anderen Mehrheitseigner zu finden.

Auch wenn Martin Gauss heute mehr Manager als Pilot ist, kann er so ganz von der Fliegerei aber nicht lassen. „Ich habe noch immer meine Pilotenuniform hier im Schrank hängen“, lacht er und zeigt auf seinen Kleiderschrank im Büro. Allerdings wird er – der frühere Boeing-Pilot – sich wohl umschulen lassen müssen, denn demnächst fliegt Air Baltic nur noch mit den Bombardier-Maschinen.