Militärexperte: Produktionskette zerstört, Ziel erreicht

Was war das Ziel des Militärangriffs in Syrien und wurde es erreicht? Dazu haben wir den ehemaligen Chef der französischen Militärmission bei der UNO und Berater Emmanuel Macrons während des Präsidentschaftswahlkampfs, General a. D. Dominique Trinquand befragt.

Dominique Trinquand: "Ziel der Operation war, die Fähigkeit der syrischen Regierung Baschar al-Assads, chemische Waffen einzusetzen, zu zerstören. Drei Standorte wurden beschossen, ein Waffenlager, eine Produktionsstätte für chemische Waffen und eine Kommandoeinrichtung, die wahrscheinlich die Aufträge gab. Sollte dies gelungen sein, wurde die gesamte Produktionskette zerstört, das ist ein erfolgreiches Ergebnis. Denn Ziel war, den Einsatz von Chemiewaffen zu verhindern."

Russland reagierte empört auf den Angriff. Ist nun nicht ein Gegenschlag, eine miltitärische Eskalation zu befürchten?

Dominique Trinquand: "Das wäre nicht im Interesse Russlands. Russland hat Assad ermöglicht, als Sieger in Syrien wieder an Stärke zu gewinnen. Vor vier Jahren war das nicht der Fall. Die Zukunft Syriens hängt von Russland, Iran und vor allem der Türkei ab. 

Eine Eskalation würde den Krieg außerhalb der Grenzen Syriens verlagern, das käme Präsident Putin absolut nicht gelegen. Alle Maßnahmen wurden getroffen, um eine solche Eskalation zu verhindern. Auf strategischer Ebene wurden die Russen vorgewarnt, damit sie vor Ort nicht beschossen werden. Und das gestrige Gespräch zwischen Macron und Putin sollte demonstrieren, dass man an den Verhandlungstisch zurückkehren muss.

Die Zukunft Syriens liegt in der Hand Außenstehender, die sich noch vor Kurzem in Astana oder Ankara getroffen haben, Russland, Türkei und Iran. Aber natürlich auch in der Hand Syriens. Und hoffentlich nun auch des Westens, der eine Rolle beim Wiederaufbau des Landes spielen kann."