Mick Schumacher: Wäre Alfa Romeo das bessere Team gewesen als Haas?

Christian Nimmervoll
·Lesedauer: 3 Min.

Mick Schumacher wird 2021 aller Voraussicht nach für das Haas-Team Formel 1 fahren. Die heißesten Teamkollegen-Anwärter sind der russische Nachwuchspilot Nikita Masepin und Sergio Perez. Beide würden Millionen an Sponsorengeldern mitbringen. Doch für Schumacher wäre ein anderes Team womöglich der bessere Ausbildungsplatz gewesen.

Marc Surer räumt zum Beispiel ein, "dass ich ihn auch lieber bei Alfa Romeo gesehen hätte. Weil das Sauber-Team ja einen guten Ruf hat, junge Fahrer aufzubauen. Ich weiß nicht, wie das bei Haas läuft", so der Formel-1-Experte in einem Video-Interview, das am Sonntag unter anderem auf den YouTube-Kanälen unserer Schwesterportale Motorsport-Total.com und Formel1.de veröffentlicht wurde.

"Klar ist" laut Surer eins: "Dass er in die Formel 1 gehört, nachdem er jetzt in der Formel 2 führt. Er hat sich gesteigert in der Formel 2, er gewinnt Rennen, ist jetzt sehr souverän unterwegs. Jetzt ist er reif für die Formel 1. Er gehört in die Formel 1. Ich glaube, da sind wir uns einig."

Und auch wenn die Konstellation bei Alfa Romeo perfekt gewesen wäre (Teamchef Frederic Vasseur gilt als ausgesprochener Spezialist im Ausbilden junger Fahrer, und mit Kimi Räikkönen hätte er einen erfahrenen, aber schlagbaren Teamkollegen gehabt), sieht Surer auch am B-Szenario Haas durchaus positive Aspekte.

Zum Beispiel den wahrscheinlichen Teamkollegen Masepin, den Schumacher aktuell in der Formel 2 im Griff hat: "Er wird wahrscheinlich sehr bald die Führungsrolle in dem Team übernehmen. Klar wäre es besser, er hätte jemanden neben sich, von dem er lernen kann. Perez wäre da sicherlich super, oder Hülkenberg."

"Auf der anderen Seite: Masepin wird er schlagen können. Dann sieht er eigentlich ganz gut aus. Und wenn der Haas noch ein bisschen besser läuft als dieses Jahr, dann sagen sie: 'Ja, siehst du? Die hätten die alten Zwei schon längst weghaben müssen, dann wären sie weiter vorne gefahren.' Das kann eigentlich nur positiv rauskommen."

Haas habe "im Moment das schlechteste Auto" in der Formel 1, glaubt Surer. Gerade das könne für ein reines Rookie-Team aber auch Vorteile haben: "Das ist es der Moment, wo man junge Fahrer einsetzen und die für das Jahr darauf ausbilden könnte. Von dem her macht Haas alles richtig."

Außerdem macht es für Schumacher Sinn, in die Nähe des Teams zu ziehen. Da hat er in England mutmaßlich mehr Ruhe vor aufdringlichen Journalisten als in der Schweiz. Die britische Fachpresse ist für Sabine Kehm wohl leichter im Zaum zu halten als der deutsche Boulevard, für den Hinwil ein Katzensprung gewesen wäre.

Davon abgesehen war für Sauber-Hauptsponsor Alfa Romeo offenbar wichtig, weiterhin einen Italiener im von Ferrari besetzten Cockpit zu haben. Antonio Giovinazzi ist der einzige Italiener in der Formel 1. "Dann haben sie einen finnischen und einen deutschen Fahrer", überlegt Surer. Vielleicht habe man daher gesagt: "Einen Bezug nach Italien brauchen wir schon."

Eine Automarke wie Alfa Romeo als Sponsor zu haben, sei für das Sauber-Team "toll", unterstreicht der Schweizer: "Das ist auch gut für die Formel 1. Also muss man versuchen, die auch bei Laune zu halten. Und wenn die Laune halt heißt, dass man einen italienischen Fahrer braucht, dann ja, warum nicht?"

Übrigens: Das ganze Interview mit Marc Surer (55 Minuten) gibt's in ungekürzter Fassung als "Starting-Grid"-Podcast, bei iTunes oder direkt bei unserem Kooperationspartner meinsportpodcast.de. Weitere Videoclips aus dem Podcast sind in den vergangenen Tagen auf den YouTube-Channels von Motorsport-Total.com und Formel1.de veröffentlicht worden.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.