Michelle Obama über Depressionen: Wie sie das Jahr 2020 überstand

Moritz Piehler
·Freier Autor
·Lesedauer: 4 Min.

Das Jahr 2020 war für viele Menschen eine Herausforderung, selbst für eine ehemalige First Lady. Michelle Obama erzählt jetzt in einem Interview, wie es ihr während der Pandemie erging.

Michelle Obama tauchte zuletzt wieder vermehrt in der Öffentlichkeit auf, im Herbst 2020 warb sie im Wahlkampf für den jetzigen US-Präsidenten Joe Biden. (Bild: POOL via REUTERS)
Michelle Obama tauchte zuletzt wieder vermehrt in der Öffentlichkeit auf, im Herbst 2020 warb sie im Wahlkampf für den jetzigen US-Präsidenten Joe Biden. (Bild: POOL via REUTERS)

Nachdem sich beide Obamas lange vor allem ihren autobiografischen Büchern gewidmet hatten, tauchen sie jetzt auch wieder vermehrt persönlich auf. Sowohl Barack Obama, der gemeinsam mit Bruce Springsteen über Politik, Rassismus und Musik spricht, als auch Michelle, die zu einer Bandbreite von Themen Gäste einlud, haben eigene Podcasts produziert. Doch jetzt öffnete sich Michelle Obama auch in einem Interview mit dem People Magazine und gibt Einblicke in ihre Gefühlswelt während der achtjährigen Präsidentschaft ihres Mannes und wie sie mit ihrer Familie die Corona-Zeit überstanden hat.

Wer beide Bücher aufmerksam gelesen hat, dem wird nicht entgangen sein, dass Michelle von Beginn keine große Befürworterin der Kandidatur Baracks war. Dennoch unterstützte sie ihn schließlich und er zog als erster Schwarzer US-Präsident ins Weiße Haus ein – und das Leben der Familie änderte sich für immer. In dem am Mittwoch erschienenen People Magazine-Interview berichtet Michelle nun, wie sie sich während der Pandemie ein paar "gestohlene Momente" mit ihren Töchtern zurückholte. Sasha (19) und Malia (22) studieren inzwischen beide, kehrten während des Lockdowns aber ins Elternhaus zurück. Ihre Kindheit hatten sie fast komplett auf der grell ausgeleuchteten Bühne der Präsidentschaft ihres Vaters verbracht. Die gleichen Regeln wie früher hätten aber nicht für die Töchter gegolten, sagte die ehemalige First Lady: "Sie sind als junge Frauen zurückgekommen und unsere Unterhaltungen sind eher auf Augenhöhe als Mutter-zu-Tochter."

Ein Familienleben im Schatten der Präsidentschaft: Michelle Obama mit Sasha und Malia im Wahlkampf 2008. (Bild: REUTERS/Brian Snyder)
Ein Familienleben im Schatten der Präsidentschaft: Michelle Obama mit Sasha und Malia im Wahlkampf 2008. (Bild: REUTERS/Brian Snyder)

Trauer um George Floyd

Michelle Obama erzählte, dass das vergangene Jahr auch für sie persönlich sehr schwierig gewesen sei. Für viele Menschen sei das Jahr 2020 mit enormen mentalen Stress verbunden gewesen. Das habe sich durch den Tod des Afroamerikaners George Floyd und die anhaltenden antirassistischen Proteste der "Black Lives Matter"-Bewegung noch deutlich verstärkt. Sie selbst sei in eine leichte Form der Depression verfallen, weil immer noch so viele schwarze Menschen in den USA ermordet würden.

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Dazu sei ihr auch der Umgang mit der Heuchelei der Trump-Regierung zunehmend schwer gefallen. Das Video der Ermordung George Floyds habe sie stark belastet. "Eine Depression ist in diesen Zeiten nur zu nachvollziehbar," sagte die 57-Jährige dem Magazin. "Ich musste mir eingestehen, was ich da durchmachte, weil wir oft das Gefühl haben, diesen Teil von uns selbst verstecken zu müssen." Dabei sei die Wahrnehmung der eigenen psychischen Gesundheit wichtig, auch wenn sie mit "Höhen und Tiefen" verbunden sei.

"Irgendwann wird es wieder besser"

"Das sind sehr herausfordernde Zeiten", sagte Obama. "Viele Menschen haben zu kämpfen, Jobs gingen verloren, manche hungern. Wir haben gelernt, unserem Glück dankbar zu sein und Familie und Gesundheit wert zu schätzen." Ihren Töchtern habe sie mit auf den Weg gegeben, dass ihr in diesem Jahr geholfen habe, "dass ich alt genug bin um zu wissen, dass es irgendwann wieder besser wird."

Die Obamas hatten sich während der Amtszeit des Nachfolgers weitgehend aus dem politischen Geschäft herausgehalten. Im Wahlkampf meldeten sich beide mit deutlicher Unterstützung für Obamas ehemaligen Vize-Präsidenten Joe Biden zu Wort. Nach Bidens Sieg widmen sie sich nun ihrem gesellschaftlichen Engagement und dem Bau des "Obama Presidential Center" in Chicago, das ein kulturelles Zentrum für junge Menschen werden soll.

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Daneben konzentrieren sich die Obamas hauptsächlich auf ihre eigenen medialen Projekte. Mit ihrer Produktionsfirma "Higher Grounds Productions" haben sie nicht nur die eigenen Podcasts herausgebracht. In einer Kinderserie namens "Waffles + Mochi" widmet sich Michelle weiter ihrem Herzensthema Kindererziehung und gesunder Ernährung.

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"Es hat einfach etwas Besonderes, mit zu erleben, wie Kinder erwachsen werden und eine andere Form von Beziehung zu ihnen zu entwickeln," sagte Michele im Interview. Gemeinsam mit Puppen wird sie in der Serie Kindern die Welt erklären. Ab dem 16. März wird die Serie auf Netflix zu sehen sein.

Anmerkung der Redaktion: Depressionen sind häufig eine Folge psychischer Erkrankungen. Letztere können mit professioneller Hilfe gelindert oder geheilt werden. Wer Hilfe sucht, auch als Angehöriger, findet sie etwa bei der Telefonseelsorge unter der Rufnummer 0800 – 1110111 und 0800 – 1110222. Die Berater sind rund um die Uhr erreichbar, jeder Anruf ist anonym und kostenlos.

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