Michael Frankenberg, CEO von Siemens Mobility Software: Darum werden wir in Zukunft mit autonomen Autos unterwegs sein

Michael Frankenberg, CEO von Siemens Mobility Software. - Copyright: Siemens Mobility
Michael Frankenberg, CEO von Siemens Mobility Software. - Copyright: Siemens Mobility

Lange Zeit verzichtete Michael Frankenberg auf ein eigenes Auto, sagt er zumindest im Gespräch mit Business Insider. Dann aber holte ihn die Realität ein – und er schaffte sich ein Elektrisches an. "Der Grund für dieses Auto war damals, dass meine Kinder anfingen, Fußball zu spielen". An einem Samstagmorgen, wenn die Spiele stattfinden, sei der öffentliche Nahverkehr auf dem Land nicht immer wettbewerbsfähig, erzählt Frankenberg.

Ansonsten ersetzt er sein Auto durch eine Bahncard 100. Damit kann er kostenlos in den Zügen fahren, die sein Unternehmen herstellt. Frankenberg ist CEO der Software-Abteilung bei Siemens Mobility, der Zugsparte des Münchner Konzerns. 2018 entkoppelte Siemens die Mobilitätsabteilung von der Aktiengesellschaft und überführte sie in eine eigenständige GmbH, blieb aber eine hundertprozentige Tochter. Nicht nur fertigt das Unternehmen Züge unter anderem für die Deutsche Bahn, sondern baut auch das digitale Ökosystem rundherum. Dazu gehören unter anderem Apps für die Fahrplanauskunft.

Wenn es nach Frankenberg geht, dann wird sein Auto aber in naher Zukunft schon wieder obsolet. Seine Prognose: "In zehn Jahren wird es mehr Menschen geben, die auf das eigene Auto verzichten." Denn dann werde es sehr teuer sein. "Ich bin fest davon überzeugt, dass es autonome Fahrzeuge geben wird, die so schnell bei mir sein werden, wie ich mein Auto aus der Garage holen kann." Je nachdem, wie viel man zahlen möchte, würden noch mehr Personen mitfahren oder das autonome Auto noch einen kleinen Umweg machen.

Reibungslos vom Auto in den Zug

Auf der Langstrecke würde man dann von den Autos in andere Transportmittel umsteigen, in Züge oder U-Bahnen beispielsweise. Dass das reibungslos abläuft, dafür will Frankenberg mit seinen IT-Systemen sorgen. Ein Beispiel liefert der Siemens-Mobility-Manager gleich mit: Bei einer Zugfahrt könnten alle Gäste, die zum Ärztekongress wollen, im selben Wagon untergebracht werden, um danach gepoolt im Shuttle weiterreisen zu können.

So viel zu Frankenbergs Zukunftsvisionen in puncto Mobilität.

In der Gegenwart läuft es gut für Siemens und deren Zugsparte. Das Unternehmen zog dieses Jahr den größten Auftrag in der 175-jährigen Konzern-Geschichte an Land. In Ägypten hat Siemens zusammen mit zwei Partnern einen Vertrag über den Bau des sechstgrößten Hochgeschwindigkeitssystems der Welt unterzeichnet. Für die Münchner springt ein Auftragswert von 8,1 Milliarden Euro dabei raus.

Rekordjahr für Siemens

Das macht sich auch in den Bilanzen bemerkbar. Im abgelaufenen Geschäftsjahr erzielte der Konzern einen operativen Rekordgewinn von mehr als zehn Milliarden Euro. "Die hohe Nachfrage nach unseren Hardware- und Softwareangeboten hält an, einschließlich höher als erwarteten Umsatzwachstums im digitalen Geschäft", sagte der CEO von Siemens, Roland Busch, auf der Jahreshauptversammlung.

Gut gelaunt: Der CEO von Siemens, Roland Busch, konnte ein Rekordergebnis verkünden. - Copyright: picture alliance / SVEN SIMON | Frank Hoermann / SVEN SIMON
Gut gelaunt: Der CEO von Siemens, Roland Busch, konnte ein Rekordergebnis verkünden. - Copyright: picture alliance / SVEN SIMON | Frank Hoermann / SVEN SIMON

Auch für Frankenberg sind das gute Vorzeichen. Immerhin wird die Software-Sparte bei Siemens immer wichtiger. Und mit Software kennt sich der Manager gut aus. Mehr als 20 Jahre war er Managing Director bei der Software-Firma Hacon, die später von Siemens übernommen wurde. Seit Mai 2022 ist er CEO bei Siemens Mobility Software.

Seine Begeisterung für IT geht aber noch weiter zurück: Schon immer habe er sich für Computer und Mathematik begeistert, erzählt er im Gespräch. Sein erster Computer war ein klotziger TI99-4A von Texas Instruments, gekauft hat er ihn zusammen mit seinem Vater.

Beim Fifa-Spielen verliert er gegen seine Kinder

"Damals", erinnert sich Frankenberg, "war in den Computerzeitschriften noch Programm-Code abgedruckt, den man abtippen konnte, um dann spielen zu können. So habe ich angefangen, zu programmieren". Früher hätte er sich auch noch vorstellen können, selbst einmal in die Spieleentwicklung zu gehen. Vor einigen Jahren hätte man aber beispielsweise auch die Figuren noch selbst gepixelt, jetzt laufe viel über Engines. Das sind Baukastensysteme, mit denen man Computerspiele wortwörtlich zusammenbauen kann. "Wenn ich heute noch was mit Spielen zu tun habe, dann meistens, wenn ich Fifa gegen meine Kinder spiele – wo ich oft verliere", sagt der Manager und lacht. Damit die Partie spannend bleibe, müsste er schon Bayern München spielen und seine Kinder müssten mit Eintracht Braunschweig antreten.

Zu dem Zweitligisten-Club Braunschweig hat Frankenberg eine besondere Verbindung. Seit 26 Jahren lebe er in der niedersächsischen Stadt Hannover, weshalb er jetzt eher Fan von Hannover 96 sei. Ursprünglich kommt er aus Bonn. Die beiden Clubs, Braunschweig und Hannover, sind verfeindet, bei den Spielen geraten die Fanlager regelmäßig aneinander. "Da mein Chef, der CEO von Siemens Mobility Michael Peter, aber gebürtiger Braunschweiger ist, muss ich da möglichst neutral sein", scherzt Frankenberg. Die Spannungen zwischen den beiden konnten aber aus der Welt geräumt werden, wie er sagt: bei einem Bier.