Was mich die Tesla-Aktie über das Foolishe Investieren gelehrt hat

Christoph Gössel, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
·Lesedauer: 3 Min.

Ich muss dir wohl nicht davon berichten, dass die Tesla-Aktie einer der absoluten Top-Performer im Jahr 2020 war. Gegen den allgemeinen Trend in der Autobranche stiegen die Verkäufe immerhin um 36 %. Die Aktie schoss noch wesentlich stärker durch die Decke. Das ganze sah teilweise wie eine völlige Übertreibung aus.

Zur Wahrheit über die Tesla-Aktie gehört aber auch: Die Jahre vor 2020 waren für Aktionäre eine ziemliche Durststrecke. Wer beispielsweise im September 2014 Tesla-Aktien kaufte, hatte im September 2019 ein Kursminus zu beklagen. Die Fahrzeugverkäufe des Unternehmens stiegen in diesem Zeitraum aber von 32.000 auf 367.500 im Jahr, und es wurden zwei neue erfolgreiche Modelle eingeführt.

Das alles zeigt mir, dass die fundamentale Performance eines Unternehmens und dessen Aktienkurs teilweise jahrelang auseinander laufen können. Foolishe Investoren müssen also teilweise viel Geduld haben, bis der Erfolg ihrer Unternehmen auch zu ihrem persönlichen Anlageerfolg wird.

Die Tesla-Aktie und das Foolishe Investieren

Das Ganze hat auch Implikationen dafür, wie wir über Unternehmensbewertung nachdenken sollten. Wall-Street-Analysten werden dir im Fernsehen einreden, es spräche für eine Überbewertung der Tesla-Aktie, dass der Aktienkurs in 2020 stärker stieg als die Fahrzeugverkäufe. Ich sehe ganze vier (!) Probleme mit dieser Aussage:

Erstens bezieht sich diese Aussage, wie wir bereits gesehen haben, auf einen viel zu kurzen Zeitraum. Wenn man die Durststrecke von 2014 bis 2019 mit berücksichtigt, ergibt sich schnell ein ganz anderes Bild.

Zweitens lässt diese Aussage völlig außer Betracht, wie hoch oder niedrig die Tesla-Aktie am Anfang des Betrachtungszeitraums bewertet war. Der rasante Anstieg in 2020 muss nicht zwangsläufig eine Überbewertung bedeuten. Es könnte auch einfach sein, dass die Anteile Anfang 2020 viel zu günstig waren und in 2020 lediglich aufgeholt haben.

Drittens ist der Vergleich von Verkaufszahlen und Aktienkurs ein Vergleich von Äpfeln mit Birnen. Denn zwischen den beiden Größen besteht keine lineare Abhängigkeit. Es gibt viele weitere Faktoren, wie etwa den durchschnittlichen Verkaufspreis, die Adoptionsrate des Tesla-Autopiloten, die Bruttomarge und die operative Effizienz, die ebenso einen Einfluss auf den Unternehmensgewinn und damit auf den fairen Wert der Tesla-Aktie haben.

Und viertens leitet sich der faire Wert einer Aktie immer aus der zukünftigen und nicht aus der vergangenen Performance ab. Die langfristigen Aussichten für das Unternehmen haben sich letztes Jahr meiner Ansicht nach deutlich verbessert. Es ist fair, dass die Tesla-Aktie das mit einem Kursanstieg honoriert.

Wer Foolish investieren möchte, darf sich von einfachen, aber sachlich fragwürdigen Kennzahlenvergleichen nicht irritieren lassen. Es ist wichtig, über den Tellerrand hinaus zu schauen. Nur so können wir überlegene Investitionsentscheidungen treffen.

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Der Artikel Was mich die Tesla-Aktie über das Foolishe Investieren gelehrt hat ist zuerst erschienen auf The Motley Fool Deutschland.

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Christoph Gössel besitzt Aktien von Tesla. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Tesla.

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