Mexikos Präsident fordert von USA Ende der "Geringschätzung Lateinamerikas"

Der mexikanische Präsident Andrés Manuel López Obrador hat die USA mit scharfen Worten zu einer neuen Haltung gegenüber den Staaten Lateinamerikas und der Karibik aufgefordert.

Mexikos Präsident Andrés Manuel López Obrador und US-Präsident Joe Biden
In Mexiko-Stadt traf Mexikos Präsident Andrés Manuel López Obrador auf US-Präsident Joe Biden. (Bild: AFP)

Es sei "an der Zeit, dieses Vergessen, diese Vernachlässigung, diese Geringschätzung Lateinamerikas und der Karibik zu beenden", sagte López Obrador am Montag (Ortszeit) bei formalen Gesprächen mit Biden bei dessen erstem Besuch in Mexiko seit seinem Amtsantritt vor knapp zwei Jahren.

Biden entgegnete López Obrador, Washington habe alleine in den vergangenen 15 Jahren "Dutzende Milliarden Dollar" für die Region ausgegeben. Die USA leisteten "mehr Auslandshilfe als alle anderen Länder zusammen". Leider ende die Verantwortung der USA aber "nicht in der westlichen Hemisphäre".

Zentrales Thema: Die Flüchtlings- und Migrationskrise

López Obrador hatte Biden zuvor herzlich im Präsidentenpalast in Mexiko-Stadt empfangen. Neben seinem Treffen mit dem mexikanischen Staatschef waren für den US-Präsidenten auch Gespräche mit dem kanadischen Premierminister Justin Trudeau geplant. Dabei sollte die Flüchtlings- und Migrationskrise eines der zentralen Themen werden.

Die hohen Zahlen von illegal über die Grenze mit Mexiko in die USA gelangenden Migranten sind für Biden eines der drängendsten innenpolitischen Themen. Die seit den Kongresswahlen vom November erstarkten oppositionellen Republikaner werfen ihm eine zu lasche Migrationspolitik vor.

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2,3 Millionen festgenommene und abgeschobene Migranten im US-Haushaltsjahr 2022

Im US-Haushaltsjahr 2022 hatte die Zahl der festgenommenen und abgeschobenen Migranten bei insgesamt 2,3 Millionen gelegenen - das war fünf Mal so viel wie im Budgetjahr 2020, also gegen Ende der Amtszeit von Bidens republikanischem Amtsvorgänger Donald Trump. Die Zahlen gelten als Indikator für die allgemeine Entwicklung des Zustroms von Migranten ohne gültige Papiere.

Am vergangenen Donnerstag verkündete Biden neue Maßnahmen gegen die illegale Zuwanderung. Bis zu 30.000 Migranten monatlich aus Haiti, Kuba, Nicaragua und Venezuela soll die legale Einreise ermöglicht werden. Zugleich sollen aber illegal an der Grenze ankommende Migranten konsequent und in Absprache mit den mexikanischen Behörden abgewiesen werden. Menschenrechtsgruppen kritisierten diese Pläne.

Vor seiner Ankunft in Mexiko besuchte Biden am Sonntag auch erstmals seit seinem Amtsantritt die Grenze zu Mexiko. An einem Grenzübergang im texanischen El Paso traf er sich mit Zollbeamten und Mitarbeitern der Einwanderungsbehörde.

Sorge wegen zunehmendem Fentanyl-Schmuggel

In Mexiko wollte der US-Präsident dann auch über den Drogenschmuggel durch mexikanische Kartelle sprechen. Große Sorgen bereitet den US-Behörden vor allem die massive Zunahme des Schmuggels von Fentanyl. Diese synthetische Droge macht sehr rasch süchtig und ist etwa 50 Mal stärker als Heroin. Bei einem "Nordamerika-Gipfel" zwischen Biden, López Obrador und Trudeau am Dienstag sollte es zudem um Handelsfragen und den Umweltschutz gehen.

(se)

Im Video: Von Republikanern kritisiert - Biden besucht Grenzzaun zu Mexiko