#MeTwo: Der Alltagsrassismus in Deutschland

Der Rücktritt von Mesut Özil aus der Nationalmannschaft hat in Deutschland eine Rassismus-Debatte entfacht. (Bild: AP Photo)

Ein Journalist aus Essen startete in den sozialen Netzwerken eine Kampagne, um den Alltagsrassismus in Deutschland deutlich zu machen. Inspiriert zu diesem Schritt hat ihn die Rücktrittserklärung des deutschen Nationalspielers Mesut Özil aus der DFB-Elf.

Um das Foto von Mesut Özil und dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan geht es schon lange nicht mehr. In einer Erklärung hatte sich der Fußballer – ohne auf das gemeinsame Bild einzugehen – vor Kurzem über vermeintlichen Rassismus in Deutschland beklagt und damit eine Debatte ausgelöst. Statt des Verhaltens Özils steht nun vor allem das Thema Fremdenfeindlichkeit im Vordergrund. Ein Journalist nahm dies zum Anlass und startete eine Social-Media-Bewegung.

In Anlehnung an die MeToo-Debatte, bei der es um sexuelle Übergriffe ging, nannte Ali Can seine Aktion #MeTwo. Unter dem entsprechenden Hashtag können Migranten beziehungsweise Deutsche mit ausländischen Wurzeln berichten, wie sie Opfer von Alltagsrassismus wurden. „Zeigen wir jetzt mit einem Post, dass wir gegen Rassismus sind!“, forderte Can seine Follower auf und stellte klar: „Ich bin nicht nur deutsch, weil ich mich an die Regeln halte oder Erfolg habe, ich bin es immer…“


Doch gleich eine der ersten Antworten fiel äußerst ruppig aus: „Du bist trotzdem kein Deutscher“, schrieb ein User. „Du wirst ja auch nicht zum Indianer, wenn du in die USA eingewandert wärst.“ Womöglich bestätigte sich damit umgehend die These, dass der Rassismus in Deutschland weiter verbreitet ist als bisher angenommen.

Doch nicht einmal 48 Stunden später zog Ali Can bereits ein positives Resümee. 3.500 Tweets zu dem Hashtag würden beweisen, dass eine Debatte über Alltagsrassismus dringend nötig sei. Zudem bedankte sich der 24-Jährige bei Mesut Özil.


Das Echo auf den Aufruf war immens und der Hashtag schaffte es auf Platz eins der deutschen Twitter-Trends. Hier einige Beispiele:














Doch auch diese Postings ernten oftmals wiederum viel Unverständnis und Hass, was einige der Autoren an ihre Grenzen bringt.


Einige User nutzen den Hashtag allerdings auch, um positive Erlebnisse zu schildern und Solidarität zu zeigen.




Mesut Özil hatte in seiner Rücktrittserklärung über einige seiner Kritiker geschrieben: „Diese Leute haben mein Bild mit Präsident Erdogan als eine Gelegenheit benutzt, ihre zuvor verborgenen rassistischen Tendenzen zum Ausdruck zu bringen, und das ist gefährlich für die Gesellschaft…“ Seine Begründung für den Austritt aus der DFB-Elf lautete demnach: „Mit schwerem Herzen und nach langer Überlegung werde ich wegen der jüngsten Ereignisse nicht mehr für Deutschland auf internationaler Ebene spielen, so lange ich dieses Gefühl von Rassismus und Respektlosigkeit verspüre.“