Metallarbeitgeber mahnen vor Tarifrunde Augenmaß an

FRANKFURT (dpa-AFX) - Vor der Tarifrunde für die rund 3,7 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie hat der Präsident der nordrhein-westfälischen Metallarbeitgeber Augenmaß angemahnt. "Ich kann nur eindringlich davor warnen, durch überzogene Lohnabschlüsse im für die deutsche Volkswirtschaft bedeutendsten Industriezweig die Inflation noch weiter anzuheizen", schrieb Arndt G. Kirchhoff in einem Gastbeitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Montag). Es brauche einen "tarifpolitischen Instrumentenkoffer, der der äußerst heterogenen Lage in den Betrieben Rechnung trägt." Kirchhoff ist auch Vizepräsident des Dachverbands Gesamtmetall.

Der Vorstand der Gewerkschaft IG-Metall wollte am Montag seine Forderungsempfehlung beschließen. Die endgültige Forderung soll am 30. Juni in den regionalen Tarifkommissionen und noch einmal am 11. Juli vom Vorstand beschlossen werden. IG-Metall-Chef Jörg Hofmann hatte jüngst angekündigt, man werde sich auf das Thema Geld konzentrieren. Dabei müsse mindestens eine Sicherung der Reallöhne gelingen. Einschließlich einer Umverteilungskomponente könnte es auf eine Forderung nach einem Lohnplus von sieben Prozent oder mehr hinauslaufen, hatte der Gewerkschaftschef angedeutet.

Auch Gewinnmeldungen einzelner Unternehmen dürften "nicht darüber hinwegtäuschen, dass unsere Industrie insgesamt nach wie vor klar unter Vorkrisenniveau liegt", betonte Kirchhoff. Die Unternehmen seien zudem mit hohen Teuerungsraten bei Energie-, Rohstoff- und Beschaffungspreisen konfrontiert. Die Verträge für die rund 3,7 Millionen Beschäftigten laufen Ende September aus.

Auch der Verband der Maschinen- und Anlagenbauer VDMA mahnte die Gewerkschaften zur Zurückhaltung. Die anstehende Tarifrunde müsse dieser "historisch anspruchsvollen Lage" Rechnung tragen, sagte VDMA-Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann laut Mitteilung vom Sonntag. "Auf den Tarifparteien lastet große Verantwortung, insbesondere auf den Gewerkschaften." Die Unternehmen könnten keinen vollen Ausgleich der Inflation bieten. "Ohne Frage haben die Beschäftigten mehr Netto vom Brutto verdient. Mit einer solchen Forderung müssen sich die Gewerkschaften aber an die Politik wenden. Die Unternehmen sind hierfür die falsche Adresse."

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