Im Metall-Tarifstreit verhandeln Arbeitgeber und Gewerkschaft wieder

Teilnehmerin einer IG-Metall-Kundgebung in Nürnberg

Im Tarifstreit in der Metall- und Elektroindustrie hat die vielleicht entscheidende dritte Verhandlungsrunde begonnen. Vertreter der Gewerkschaft IG Metall und der Arbeitgebervereinigung Südwestmetall trafen sich am Donnerstagnachmittag in Böblingen. Begleitet wurden die Verhandlungen erneut von Warnstreiks - allein in Baden-Württemberg legten nach Angaben der Gewerkschaft rund 22.000 Beschäftigte der Branche die Arbeit stundenweise nieder.

Die IG Metall fordert sechs Prozent mehr Lohn und das Recht auf eine befristete Teilzeit - mit Lohnzuschüssen für bestimmte Beschäftigte. Die Arbeitgeber haben bislang zwei Prozent mehr Lohn angeboten und verlangen, dass mehr Beschäftigte als bislang auch länger als 35 Stunden pro Woche arbeiten dürfen. Lohnzuschüsse lehnen sie ab.

Bei den Arbeitszeiten "brauchen wir Öffnungen nach oben" - dann seien auch Öffnungen nach unten möglich, sagte der Vorsitzende von Südwestmetall, Stefan Wolf, im ARD-"Morgenmagazin". Wenn die IG Metall bereit sei, über ein Volumen nach oben zu verhandeln, "dann können wir auch darüber sprechen, dass es Menschen in bestimmten Sondersituationen, vielleicht auch schwierigen familiären Situationen gibt, die dann eben nach unten anpassen können", sagte Wolf im SWR.

Laut Tarifvertrag dürfen derzeit 13 Prozent der Beschäftigten mehr als 35 Stunden pro Woche arbeiten. Wolf betonte in der ARD, die meisten Menschen "möchten mehr arbeiten und mehr verdienen". Das hätten Umfragen der Arbeitgeber, aber auch der IG Metall ergeben. Auf betrieblicher Ebene gebe es zudem bereits sehr viele flexible Arbeitszeitlösungen.

Der Verhandlungsführer der IG Metall in Baden-Württemberg, Roman Zitzelsberger, betonte im "Morgenmagazin", die Gewerkschaft stelle keine illegalen Forderungen. Sie wolle den Anspruch auf "kurze Vollzeit" für Beschäftigte auch, damit Partner in einer Familie sich die Arbeit gerechter aufteilen können.

Das Argument der Arbeitgeber, sie hätten bereits jetzt nicht genügend Arbeitskräfte, sei "Unfug", sagte Zitzelsberger. Es gebe "keinen Auftrag, der nicht abgearbeitet wird". Für Mehrarbeit gebe es schon Konzepte in der Praxis, die Beschäftigten könnten etwa Sonderschichten einlegen.

Zitzelsberger forderte die Arbeitgeber auf, von ihrer "Vetohaltung" abzurücken. Sie "müssen konkrete Vorschläge machen, statt ständig zu sagen, was nicht geht".

Begleitet wurde der Auftakt der dritten Verhandlungsrunde von zahlreichen Warnstreiks auch in anderen Bezirken. In Hessen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und in Thüringen beteiligten sich bis zum Mittag fast 5000 Beschäftigte, in den norddeutschen Bundesländern Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Nordwestniedersachsen und Schleswig-Holstein waren es laut Gewerkschaft fast 11.000.

Mehr als 8810 Metaller legten in Berlin, Brandenburg und Sachsen kurzfristig die Arbeit nieder, in Nordrhein-Westfalen waren es demnach 12.250 Beschäftigte. In Bayern waren die Angestellten von knapp 80 Betrieben zu Warnstreiks aufgerufen, in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt folgten rund 4100 Beschäftigte dem Aufruf. Freitag sollten die Warnstreiks fortgesetzt werden.

IG-Metall-Chef Jörg Hofmann hatte am Mittwoch mit einer noch härteren Gangart gedroht. Das könnten erstmals Warnstreiks über 24 Stunden oder eine Urabstimmung über Flächenstreiks sein.