Mesut Özil äußert sich zur Erdogan-Affäre: Würde das Foto "wieder machen"

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Mesut Özil äußert sich zur Erdogan-Affäre: Würde das Foto "wieder machen"

Mesut Özil hat sein monatelanges Schweigen in der Erdogan-Affäre gebrochen und zu einem Rundumschlag ausgeholt.

Mesut Özil saß lächelnd mit seinen Arsenal-Kollegen im Flieger nach Singapur, nachdem er sein monatelanges Schweigen in der Erdogan-Affäre beendet hatte. Seine sehr persönliche Stellungnahme glich einer Abrechnung - auch mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB). Dass Özil noch einmal das deutsche Trikot tragen wird, war schon nach dem zweiten von drei Teilen seines Rundumschlags in den sozialen Netzwerken kaum mehr denkbar.
 

Das Foto mit dem umstrittenen türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan? Özil würde es wieder tun! Der DFB? Hat ihn verraten und verkauft! Die deutschen Medien? Allesamt Rassisten! Langjährige Partner? Verleumder!

Özil: "Habe zwei Herzen"

"Ob es der türkische oder der deutsche Präsident gewesen wäre, meine Handlungen wären nicht anders gewesen", schrieb Özil in einem ersten Beitrag zum Foto mit dem umstrittenen türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan. Zu seiner Zukunft in der DFB-Elf äußerte sich der 29-Jährige da noch nicht, Teil drei stand am Sonntagnachmittag aber noch aus.

Er hätte unabhängig von Wahlen in der Türkei "das Bild trotzdem gemacht", meinte Özil. Es sei "aus Respekt vor dem höchsten Amt des Landes meiner Familie" entstanden - unabhängig von der Person Erdogan. Eine politische Intention wies er zurück. Stattdessen verwies er auf seine Wurzeln. "Ich habe zwei Herzen, das eine ist deutsch, das andere türkisch", schrieb Özil. Hätte er sich geweigert, Erdogan zu treffen, hätte er diese Wurzeln verleugnet.

Er verstehe, dass seine Erklärung "vielleicht schwer nachzuvollziehen" sei, fügte Özil an. Aber die Queen oder die englische Premierministerin Theresa May hätten ähnlich gehandelt, als sie Erdogan trafen.

Der DFB mit Präsident Reinhard Grindel an der Spitze hatte Anfang Juli gefordert, Özil müsse sich öffentlich zur Sache äußern, "wenn er aus dem Urlaub zurückkehrt, auch in seinem eigenen Interesse." Dies geschah nun an dem Tag, an dem Özil mit Arsenal auf Asien-Reise ging - jedoch ganz anders, als Grindel dies wohl hoffte.

Denn Özil greift auch den DFB mit seinem namentlich nicht genannten Boss an. Dieser habe nichts dagegen unternommen, dass einer seiner Sponsoren (Mercedes-Benz) Özil im Zuge der Erdogan-Affäre aus seiner WM-Kampagne genommen habe. Während Grindel von ihm eine öffentliche Erklärung gefordert habe, habe sich der Sponsor für Verfehlungen in der Abgas-Affäre nicht entschuldigen müssen. "Warum?", fragte Özil, "was hat der DFB zu all dem zu sagen?"

Außerdem kritisierte er den Verband dafür, auf öffentliche Kritik an Rekordnationalspieler Lothar Matthäus verzichtet zu haben, als dieser sich am Rande der WM mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin hat fotografieren lassen. Den deutschen Medien wirft Özil Rassismus vor. Er werde allein aufgrund seiner Herkunft kritisiert. Sogar seine alte Schule in Gelsenkirchen habe sich wegen der Affäre von ihm abgewendet, obwohl er diese finanziell unterstütze. "Ehrlich, das tat weh."

Das Foto war am 14. Mai von Erdogans Partei AKP in Umlauf gebracht worden. Es zeigt Özil, wie er dem Politiker lächelnd ein Arsenal-Trikot überreicht. Deutsche Politiker aller Parteien hatten die Aktion kritisiert, teilweise aber auch um Verständnis für Özil geworben. Das Krisenmanagement des DFB in der Sache gilt gemeinhin als gescheitert.