Barca verkommt zum Chaos-Theater

Maximilian Lotz
Der FC Barcelona machte zuletzt als Chaos-Klub von sich reden

"Mes que un club" hat sich der FC Barcelona bekanntermaßen auf die Fahnen geschrieben. Dieser Tage erwecken die Katalanen jedoch mehr den Eindruck eines Chaos-Klubs.

Die Unruhe war schon während des turbulenten Transfersommers groß, erst recht nach dem spektakulären Abschied von Neymar. Durch die auf den letzten Drücker gescheiterten Verpflichtungen von Philippe Coutinho und Angel Di Maria geriet die Führungsriege um Präsident Josep Bartomeu zunehmend unter Beschuss. Mitglied Augusti Benedito plant mit einem Misstrauensvotum nun gar den Sturz Bartomeus.

Messi-Zukunft weiter unklar

Hinzu kommt das Hickhack um die Zukunft von Lionel Messi. Anfang Juli verkündete der Klub hochoffiziell die Vertragsverlängerung mit Messi bis 2021 - der Haken: Der argentinische Superstar hat bis heute noch nicht unterschrieben.


Am Dienstag betonte Bartomeu in der Zeitung Sport: "Es ist alles ausgehandelt und unterschrieben." Abgesehen jedoch von einem Detail: "Dass Leo ankommt, wir ein offizielles Foto machen und die Unterschrift protokollieren."

Stand jetzt wäre Messi am Saisonende ablösefrei zu haben und könnte ab Januar Verhandlungen mit einem neuen Arbeitgeber führen.

Auch andere langjährige Stars kommen offenbar ins Grübeln.

Iniesta denkt über Abschied nach

Der 33-jährige Andres Iniesta betonte zuletzt, er denke "intensiv über seine Zukunft nach", was er sich noch "vor drei Jahren" nicht hätte vorstellen können. Nun berichtet Tuttosport von einem Interesse seitens Juventus Turin.

Laut Bartomeu ist ein Abschied der Identifikationsfigur kein Thema. "Iniesta ist ein Spieler, bei dem wir wollen, dass er hier seine Karriere beendet, wann er es für richtig hält", sagte Bartomeu der Mundo Deportivo. "Wir haben eine generelle Einigung über eine Verlängerung seines Vertrags erzielt und hoffen, diese in den kommenden Wochen abschließen zu können."

Worte, die er in diesem Sommer auch schon in der Causa Messi verwendet hat. Der Status quo ist bekannt.


Die Unruhe im Umfeld spiegelt sich zunehmend auch in den sportlichen Leistungen auf dem Platz. Zwar liegen die Katalanen nach zwei 2:0-Pflichtsiegen gegen Real Betis Sevilla und Deportivo Alaves in La Liga im Soll, doch die deutliche Unterlegenheit in der Supercopa gegen Meister Real Madrid Mitte August ließ bereits die Alarmglocken schrillen.

Real macht es Barca vor

In Abwesenheit von Superstar Cristiano Ronaldo glänzte dabei Marco Asensio als Torschütze. Der 25-jährige Isco zählt mittlerweile zu den Leistungsträgern im Real-Mittelfeld und lieferte zuletzt in der Nationalmannschaft eine Gala gegen Italien ab.

Beide Personalien stehen für den erfolgreich eingeläuteten Generationenwechsel bei den Königlichen, der mit der Verpflichtung der hoch gehandelten Talente Dani Ceballos (21 Jahre) und Theo Hernandez (19) weiter vorangetrieben wird.

Zwar holte Barca als Reaktion auf den Abgang von Neymar Shootingstar Ousmane Dembele. Auf dem 20-Jährigen lasten nun die Hoffnungen. Die versprochenen weiteren Verstärkungen in Person von Coutinho oder Di Maria blieb jedoch aus.

Stattdessen liest sich die Liste der weiteren Neuzugänge um Paulinho, Nelson Semedo und Rückkehrer Gerard Deulofeu eher überschaubar.


Bartomeu widerspricht Pique

Der Vergleich mit Real bereitet selbst den Spielern Sorge. "Zum ersten Mal in den neun Jahren, die ich nun in Barcelona bin, habe ich das Gefühl, dass wir Madrid unterlegen sind", räumte Gerard Pique ein.

Dem widersprach Bartomeu nun energisch.

"Madrid ist Barca nicht überlegen. Das war es seit Ronaldinho nicht mehr", sagte der 54-Jährige der Mundo Deportivo. "Barca hat seither den Fußball dominiert und war ein erfolgreiches Team."

Seither habe man eben bestimmte Wechsel auf der Trainerposition vollzogen. Daher gelte es jetzt Luis Enriques Nachfolger Ernesto Valverde "jegliches Vertrauen entgegen zu bringen, weil er an unser Modell glaubt, an die Kaderschmiede und die Spiele gut leitet."

Nun muss nur der Glaube an die eigene Philosophie auf allen Ebenen des Vereins wieder gelebt werden.

Damit sich das derzeitige Image als Chaosklub nicht verfestigt.