Messi und die eine große Frage

Maximilian Lotz
·Lesedauer: 4 Min.
Lionel Messi vom FC Barcelona während der UEFA Champions League in Paris. (Bild: Aurelien Meunier - PSG/PSG via Getty Images)
Lionel Messi vom FC Barcelona während der UEFA Champions League in Paris. (Bild: Aurelien Meunier - PSG/PSG via Getty Images)

 Als einer der Ersten verließ Lionel Messi den Schauplatz des Scheiterns.

Nach einer innigen Umarmung mit seinem Trost spendenden Landsmann Ángel Di María und einer Verabredung zum Trikottausch mit Julian Draxler hielt der argentinische Superstar vor dem Gang in die Katakomben noch mal inne für ein kurzes Abklatschen mit Mauricio Pochettino. 

Pro und Contra: Wäre Messi der perfekte PSG-Transfer?

Es war eine nüchterne, eher flüchtige Begegnung zwischen den beiden Argentiniern, die doch so einiges verbindet. PSG-Coach Pochettino wurde nur 150 Kilometer entfernt von Messis Heimat Rosario geboren, beide starteten ihre Karrieren bei den Newell's Old Boys.

Barca-Star Messi beim Aus gegen PSG der tragische Held

Und die Wege der beiden könnten nun ab Sommer in Paris zusammengeführt werden. Die Spekulationen halten sich schon länger, doch die Protagonisten hielten sich zuletzt bedeckt. Er müsse aufpassen, "nicht über Spieler bei anderen Klubs zu sprechen", sagte Pochettino unlängst in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP, "aber es ist in jedem Fall eine einfache Antwort: Großartige Spieler können für jedes Team spielen."

Beim 1:1 im Prinzenpark, das für seinen FC Barcelona erstmals seit 2007 das Aus im Achtelfinale bedeutete, wurde Messi zum tragischen Held. Nachdem er mit einem Traumtor (37.) zunächst Kylian Mbappés Führungstreffer (30., Foulelfmeter) egalisiert hatte und Barca nach dem 1:4 im Hinspiel wieder von einer Aufholjagd träumen ließ, scheiterte Messi kurz vor der Pause mit einem Elfmeter an Keylor Navas.

Mit einer 2:1-Führung zur Pause "hätte alles anders laufen können", sagte Barca-Trainer Ronald Koeman - machte seinem Superstar aber zugleich keinen Vorwurf: "Das war nicht spielentscheidend, aber es war ein wichtiger Moment. Das sind Dinge, die passieren."

CL-Viertelfinale ohne CR7 und Messi läutet Götterdämmerung ein

In der Champions League hatte Messi zuletzt vor sieben Jahren einen Elfmeter vergeben. Nach dem vorzeitigen Aus in der Königsklasse steht der 33-Jährige am Scheideweg. Dass erstmals seit 16 Jahren sowohl er als auch sein langjähriger Rivale Cristiano Ronaldo, die zusammen eine Ära im Weltfußball prägten, im Viertelfinale der Champions League fehlen, hat die Götterdämmerung bereits eingeläutet.

Die große Frage lautet: Reicht es für Messi noch für ein letztes Hurra? Und vor allem: Mit welchem Klub?

Nach zwei Dekaden bei Barca hegte Messi zuletzt offener denn je Abschiedsgedanken. Sein Vertrag läuft im Sommer aus. Der Auftritt in Paris könnte also sein letzter in der Königsklasse für den FC Barcelona gewesen sein. Der neue Präsident Joan Laporta hofft auf einen Verbleib und ist auch überzeugt, "dass er bleiben will".

Barca-Präsident Laporta hofft auf Messi-Verbleib

Bei der Wahl am Sonntag hatte auch Messi erstmals seine Stimme abgegeben und Laporta danach gratuliert. "Leo ist der beste Spieler der Welt. Dass er mit seinem Sohn zur Wahl gekommen ist, ist für mich ein positives Zeichen", freute sich der 58-Jährige.

Für den Klub ist Messi das Aushängeschild, ein Barca ohne ihn ist kaum vorstellbar, doch jünger wird der zweifellos immer noch geniale Techniker aber eben auch nicht. Koeman hofft dennoch, dass Messi noch über den Sommer hinaus das Trikot der Blaugrana tragen wird.

Es bleibe im Vergleich zu den anderen Jahren dabei, dass "wir einen anderen Weg gehen", meinte Koeman bezüglich des Umbruchs bei den Katalanen und sagte im Hinblick auf Messi: "Leo kann keine Zweifel an der Zukunft dieses Teams haben. Aber Messi muss über seine Zukunft selbst entscheiden, niemand kann ihm dabei helfen. Er sieht seit einiger Zeit, dass es mit dem Team in die richtige Richtung geht."

Zukunft von Messi offen – USA eine Option?

Neben Paris wäre auch Manchester City und eine Wiedervereinigung mit seinem früheren Coach Pep Guardiola eine Option. PSG intensivierte sein Werben zuletzt. Spieler wie Messi würden "immer auf der Liste von PSG" stehen, hatte Sportdirektor Leonardo zu Jahresbeginn gesagt. Superstar Neymar, der am Mittwoch verletzt auf der Tribüne saß, wünscht sich sehnlichst eine Wiedervereinigung mit Messi in der französischen Hauptstadt. 

Jedoch berichtete Mundo Deportivo unter Berufung auf den Radiosender Cadena SER, dass Messis Vater Jorge Messi ein in der Villa von Popsänger Julio Iglesias geplantes Treffen abgesagt habe. Bei den Gesprächen hätte es laut dem Cadena-SER-Journalisten José Antonio Ponseti aber nur darum gehen sollen, was passieren würde, wenn Messi in Paris leben würde, aber nicht konkret um PSG.

Aus in Paris! Hat Messi seine Ära selbst beendet?

Die Wahl Laportas zum neuen Präsidenten habe die Dinge demnach wieder verändert. Offenbar ist dadurch bei Messi die Gesprächsbereitschaft mit Barca wieder gestiegen. Laut Ponsela stehen die Chancen auf einen Verbleib Messis in Barcelona 50:50. Sollte er nochmals verlängern, dann wohl nur für zwei Jahre, danach wäre Inter Miami, der Klub von David Beckham, ein mögliches Ziel für den Karriere-Ausklang, meinte Ponseti.

Wohin Messis Weg in naher Zukunft führt, bleibt aber weiterhin eine spannende Frage.

VIDEO: Ronald Koeman spricht über Messi-Zukunft