Messi alleingelassen: Argentinien rauscht "direkt ins Verderben"

Lionel Messi (Mitte) und seinen Argentiniern droht das WM-Aus

Der argentinischen Nationalmannschaft droht in der Qualifikation zur WM 2018 ein historisches Scheitern.

Der Vize-Weltmeister kam in Buenos Aires gegen Peru am vorletzten Spieltag nicht über ein 0:0 hinaus und stürzte damit sogar auf Platz sechs ab, der das sichere Aus bedeuten würde. (Tabelle der WM-Qualifikation Südamerika)

Argentinien war zuletzt vor 47 Jahren bei einer WM nicht dabei und verpasste damals die Endrunde 1970 in Mexiko nach einem 2:2 gegen Peru.

"Heute war ein sehr gutes Spiel von uns", sagte Argentinien-Trainer Jorge Sampaoli, "aber wir haben es verpasst, das Tor zu machen."

Auch Lionel Messi verballerte eine Großchance, traf in der zweiten Halbzeit nur den Pfosten.

Verletzungsdrama um Gago

Zudem hatte sich Mittelfeldspieler Fernando Gago nach nur sechs Minuten schwer verletzt. Der Boca-Juniors-Akteur zog sich einen Riss der vorderen Kreuzbandes sowie des Innenbandes im rechten Knie zu, wie der argentinische Fußballverband bekannt gab.

Bereits kurz nach der Szene soll Gago Messi zugerufen haben: "Ich habe mir das Kreuzband gerissen."

Endspiel in Ecuador

Ihr großes Finale bekommt die Südamerika-Qualifikation nun am kommenden Dienstag. Noch sechs Teams kämpfen um die hinter dem enteilten Spitzenreiter Brasilien (0:0 in Bolivien) verbliebenen drei Direkttickets sowie Rang fünf, der den Umweg zur WM nach Russland über die Playoffs gegen Ozeaniensieger Neuseeland offen hält. (Spielplan der WM-Qualifikation)

"Wenn wir 20 Prozent von dem verwerten, was wir uns erarbeiten, werden wir in Russland dabei sein", gab sich Sampaoli zuversichtlich.

Argentiniens Medien sind da deutlich skeptischer, sehen die heikle Lage vor allem in der mangelnden Unterstützung Messis begründet. "Er hat keine Partner, das wirkt sich schlecht auf das Angriffsspiel aus", schrieb etwa La Nacion. Argentinien rausche so "direkt ins Verderben", schrieb die Zeitung weiter.

Die spanische Marca titelte: "Argentinien spielt mit dem Feuer."

Uruguay fast sicher dabei

Am Donnerstag brachten die Eliminatorias keinen einzigen Sieg für Teams, die zuvor in den Top fünf platziert waren. Dennoch ist dem Tabellenzweiten Uruguay (28 Punkte) trotz einer enttäuschenden Nullnummer beim erst einmal siegreichen Schlusslicht Venezuela das WM-Ticket nur noch theoretisch zu nehmen.

Südamerika-Champion Chile (26) kletterte dank eines dramatischen 2:1 (1:0) gegen Ecuador auf Rang drei vor und sorgte damit für das Abrutschen Argentiniens. Kolumbien (26) vergab beim 1:2 (1:2) gegen Paraguay (24) trotz Führung einen Matchball. Zwischen den beiden liegen Peru und Argentinien mit jeweils 25 Zählern.

James enttäuscht bei Kolumbien

Und so entscheiden Lionel Messi und Co. nun ihr WM-Schicksal in Ecuador (20) auf 2.850 Metern Höhe im atemraubenden Quito. "Ich bin immer noch zuversichtlich, dass wir bei der WM dabei sein werden", sagte Sampaoli. "Die Mannschaft denkt schon daran, was sie im Spiel gegen Ecuador erwartet."

Parallel halten die Gauchos ein Auge auf die Partie zwischen Peru und Kolumbien, für das der Münchner James Rodriguez gegen Paraguay eine enttäuschende Partie ablieferte.

Selbst die Führung durch Torjäger Falcao Garcia (79.) war zu wenig, weil die Albirrojas durch Oscar Cardozo (89.) und Antonio Sanabria (90.) das Duell in Barranquilla in den Schlussminuten noch drehten.

Und während Uruguay gegen Bolivien sowie Paraguay gegen Venezuela am Dienstag vermeintlich leichtes Spiel haben, kämpft Chile ausgerechnet gegen die unter Nationaltrainer Tite in Pflichtspielen noch ungeschlagenen Brasilianer um seine WM-Chance.

Und das ohne den gelbgesperrten Münchner Arturo Vidal. Aber mit dem Ex-Hoffenheimer Eduardo Vargas (22.) und Arsenal-Star Alexis Sanchez (86.), die gegen Ecuador trafen.