Messerattentäter von Finnland hielt sich zeitweise in Deutschland auf

Trauer in Turku

Der junge Marokkaner, der am Freitag zwei Menschen in Finnland erstochen hat, hat sich auch in Deutschland aufgehalten. Wie eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums am Montag in Berlin mitteilte, war der heute 18-jährige Abderrahman Mechkah Ende 2015 vorübergehend in Deutschland. Er soll bei dem ersten Terrorangriff in Finnland zwei Menschen getötet und acht weitere verletzt haben.

Nach Angaben der Sprecherin des Bundesinnenministeriums hatte der junge Mann in Deutschland keinen Asylantrag gestellt. Wegen illegalen Aufenthalts sei er erkennungsdienstlich behandelt worden. Die deutschen und finnischen Behörden arbeiteten in dem Fall eng zusammen.

Der Attentäter hatte am Freitag auf einem Marktplatz in Turku im Südwesten Finnlands gezielt Frauen mit einem Messer angegriffen. Die Polizei stoppte ihn mit Schüssen ins Bein. Gegen ihn wird wegen Mordes und versuchten Mordes "mit terroristischer Absicht" ermittelt.

Der Marokkaner war laut finnischer Polizei Anfang 2016 nach Finnland gekommen und hatte dort Asyl beantragt. Medienberichten zufolge wurde der Antrag aber abgelehnt. Der finnische Geheimdienst Supo ging am Montag davon aus, dass der Mann radikalisiert wurde und "Interesse an extremistischen Ideen hatte".

Der 18-Jährige wird derzeit weiterhin im Krankenhaus behandelt. Nach Angaben der Polizei wurde er dort am Sonntag zum ersten Mal befragt, wollte sich jedoch nicht äußern. Die Behörden teilten mit, der mutmaßliche Täter solle am Dienstag per Videoübertragung aus dem Krankenhaus einem Richter vorgeführt werden. Eigentlich war der Termin bereits für Montag vorgesehen.

Erst im Juni hatte der finnische Geheimdienst Supo vor der steigenden Gefahr islamistischer Anschläge gewarnt. Aktivisten aus Finnland hätten sich der IS-Miliz angeschlossen und ein "weit reichendes Netzwerk von Kontakten" in der Dschihadistenmiliz aufgebaut, hatte die Behörde erklärt. In Finnland würden rund 350 Extremisten überwacht.