Wie Merk den FCK wieder in die Spur bringen will

Reinhard Franke

An Engagement und Motivation mangelt es Markus Merk nicht.

Der 57-Jährige unterbrach extra für den 1. FC Kaiserslautern seine Hochzeitsreise in Kambodscha. Der ehemalige Weltschiedsrichter wurde am vergangenen Sonntag auf der Jahreshauptversammlung von den Mitgliedern in den Aufsichtsrat gewählt. Zusammen mit Martin Weimer, Jörg Wilhelm, Rainer Keßler und dem schon zuvor im Gremium sitzenden Fritz Fuchs wird Merk das neue Kontrollorgan bilden. Damit beginnt in der Pfalz eine neue Zeitrechnung.

Der gebürtige Kaiserslauterer wird den neuen Aufsichtsrat als Sprecher nach außen vertreten. Er erhielt 1.545 und damit die mit Abstand meisten Stimmen aller Bewerber - rund 90 Prozent der Anwesenden votierten für Merk.


Auf ihm ruhen nun die Hoffnungen der Fans des pfälzischen Traditionsvereins. Merk selbst gibt sich bescheiden, weiß aber, dass viel auf seinen Schultern liegt, das er abschütteln muss.

"Wir befinden uns als FCK in der schwersten Phase unserer 119-jährigen Vereinsgeschichte", sagte der neue Aufsichtsratssprecher im Gespräch mit SPORT1

"Natürlich war das klare Votum unserer Mitglieder beeindruckend, für mich persönlich mit diesem Ergebnis sehr bewegend. Doch wir arbeiten im Team, der Begriff "Chef" ist uns fremd. Wir setzen unseren Kompetenzen ein, um den großen Hoffnungen gerecht zu werden und treten mit einer Stimme nach außen auf."

Wirtschaftsprüfer rückten an

Schon am Montag erschienen in der Früh am Betzenberg die Wirtschaftsprüfer, um sich einen Überblick über die finanzielle Situation zu verschaffen. Nach monatelangen Streitigkeiten kann bei den Roten Teufeln der Blick endlich wieder nach vorne gerichtet werden. Ein Ergebnis der Zahlen-Prüfung steht noch aus. 

"Das ist ein Prozess und keine Momentaufnahme. Die wirtschaftlichen- und vertragsrechtlichen Situationen sind komplex, für unser Tun und Handeln aber entscheidend", betonte Merk. "Sicherheit steht vor Schnelligkeit! Wir haben die wichtigsten Entscheidungen im Vorfeld vorbereitet und sind unmittelbar in die Umsetzung gegangen."

Gesagt getan. Der frühere Braunschweiger Soeren Oliver Voigt übernimmt als Geschäftsführer ab sofort die Verantwortung im kaufmännischen und zunächst auch im sportlichen Bereich. Die offizielle Vorstellung von Voigt erfolgt am Donnerstag. Merk stellte den Kontakt her.

Die Highlights der 3. Liga am Montag ab 23.30 Uhr in Bundesliga Pur im TV auf SPORT1

Merk: "Klares Zeichen gesetzt"

"Mit der unmittelbaren Neubesetzung haben wir ein klares Zeichen gesetzt. Er hat unser größtes Vertrauen und war unser absoluter Wunschkandidat", sagte der neue Aufsichtsratsboss. "Mit seiner Kompetenz, Erfahrung und Persönlichkeit füllt er diese Position optimal aus. Und er "brennt" für diese schwierige Aufgabe und unseren Verein."

Wer und ob es einen neuen Sportvorstand geben wird, steht noch nicht fest. Der aktuelle Geschäftsführer Sport, Martin Bader, wird Ende Dezember gehen, sein Vertrag wurde nicht verlängert. 

"Ich kenne und schätze Martin Bader seit vielen Jahren", sagte Merk über den 51-Jährigen, den in den vergangenen Monaten teilweise als Sündenbock herhalten musste, im Sommer aber an vielen Fronten für die Lizenz kämpfte und einen Kader zusammenstellte, der aktuell liefert.

"Wir wünschen uns natürlich, dass seine Arbeit für den FCK Früchte trägt.  Ich schätze persönlich auch, dass er trotz der internen Querelen, seinen Vertrag bis zum Ende erfüllt hat. Eine Loyalität, die im Fußball nicht alltäglich ist.“

Der in einigen Medien gehandelte Christian Hochstätter ist nach SPORT1-Informationen kein Thema. 

"Zur sportlichen Leitung werden wir uns zeitnah äußern. Da gibt es noch einige interne und externe Gespräche, aber keinen Aktionismus", meinte Merk.


Voigt folgt auf Klatt

Mit Voigt, der die Nachfolge von Michael Klatt antreten wird, konnte eine Baustelle geschlossen werden.


In den nächsten Tagen sollen weitere Positionen in den Gremien neu besetzt und Gespräche geführt werden. "Unser größter Gegner ist die Zeit, aber wir werden kämpfen", sagte Merk, der auch das Problem um Flavio Becca lösen muss. 

Der Investor hat bisher lediglich die Lizenz mit seiner Bürgschaft gesichert, aber Eigenkapital hat er noch nicht bereitgestellt. Zuletzt sagte er, dass der Verein nicht einfach so einen Blanko-Scheck bekomme, er also nicht blind investieren werde. Doch der FCK braucht dringend Geld.

"Blanko-Schecks nicht unsere Arbeitsgrundlage"

"Wir sehen unsere Investoren als Partner mit gegenseitiger Wertschätzung und möchten Erfolg und Mehrwert für ihr Investment und den FCK generieren", erklärte Merk. Blanko-Schecks seien deswegen "nicht unsere Arbeitsgrundlage".

Man wolle die Partner gerne mitnehmen, könne aber "niemanden zwingen", den anspruchsvollen Weg mitzugehen. "Zeitnah werden wir uns mit allen Partnern vereinbaren", meinte Merk.

Mit dem neuen Aufsichtsrat soll Ruhe einkehren am Betzenberg, der sportliche Aufschwung vor dem Heimspiel gegen den Halleschen FC (Samstag, 3. Liga: 1. FC Kaiserslautern - Hallescher FC, ab 14 Uhr im LIVETICKER) mit drei Liga-Siegen in Serie hilft dabei enorm.

Lob für Schommers

Trainer Boris Schommers beeindruckte zuletzt nicht nur mit der Arbeit auf dem Platz, sonder auch mit einer Rede. 


"Seine Ansprache an unsere Mitglieder war ein echtes Zeichen. Ich bin überzeugt, dass er mit seinem Trainerteam und unserer Mannschaft für den weiteren notwendigen Aufbruch sorgen kann. Und wir messen das nicht nur an den letzten Siegen." 

Für Merk ist klar: "Fußball ist Ergebnissport. Wir wünschen uns aber endlich Ruhe und Kontinuität. Die Schlagzeilen sollen auf dem Spielfeld geschrieben werden, nicht im Umfeld."

Er wünsche sich auch, dass es der Trainer und die Spieler schaffen "in unserem Verein, aber auch für sich persönlich, große Fußspuren zu hinterlassen".