„Merkel will den Verbrenner beerdigen“

Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück gilt als Mann klarer Worte. Im Interview mit dem Handelsblatt übt er scharfe Kritik an Kanzlerin Merkel und lobt die Verkehrspolitik von SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz.


Sozialdemokraten und Gewerkschaften üben in den letzten Wahlkampfwochen den Schulterschluss. Am vergangenen Freitag traf sich die SPD-Spitze darum zu einem Diesel-Gipfel mit Arbeitnehmervertretern. Nun legt der meinungsstarke Porsche-Betriebsratsvorsitzende und SPD-Mitglied Uwe Hück nach: Nur Martin Schulz könne die Jobs in der Autoindustrie bewahren, sagt Hück. Der passionierte Kampfsportler geht Kanzlerin im Handelsblatt-Interview frontal an.

Herr Hück, sind Sie zufrieden mit dem Diesel-Gipfel zwischen Gewerkschaften und SPD?
Ja, endlich haben wir mal miteinander gesprochen, und nicht übereinander. Bei dem, was ich von Politikern höre, hatte ich zwischendurch das Gefühl, Vegetarier möchten über den Geschmack von Schinken diskutieren. Wir müssen doch die Realität vor Augen haben: Wir brauchen den gesunden Diesel als Brückentechnologie. Wir müssen daher endlich aufhören, die Kunden zu verunsichern. Martin Schulz hat bei dem Treffen ganz richtig gesagt, Industrie und Politik müssen gemeinsam im Interesse der Kunden und der Bewohner in den Städten eine Lösung finden.

Das hört sich gut an, aber auch wolkig. Warum sollte ein Kanzler Schulz die Jobs in der Autobranche besser erhalten können als Merkel?
Martin Schulz hat auf dem Treffen deutlich gemacht, dass die Arbeitslosigkeit ohne Diesel-Autos viel höher wäre. Das müssen wir verhindern. Gleichzeitig müssen wir uns für die Natur einsetzen. Das unter einen Hut zu bringen, kann nur er. Mit den Schwarz-Gelben werden wir da gar keine Lösung finden. Frau Merkel will den Verbrennungsmotor beerdigen. Aber Verbrenner werden weiterhin eine große Rolle spielen. Der Plug-in-Hybrid wird die Zukunft sein, in Großstädten wird man vor allem mit Batterie fahren. Und deshalb brauchen wir auch den Dieselantrieb, um die Investitionen in Batterien finanzieren zu können. Martin Schulz hat richtigerweise gesagt, in die Batteriezellproduktion. investieren zu wollen.


Aber irgendwann muss ein Umstieg auf Elektro-Autos gelingen, auch im Sinne der deutschen Automobilindustrie. Da hat Merkel doch nicht Unrecht.
Nein, aber pauschalisiert den Verbrennungsmotor zu ächten, wie sie es tut, das geht gar nicht. Außerdem ist doch für Elektro-Autos die Infrastruktur noch gar nicht aufgebaut. Und es geht doch auch nicht nur um den Co2-Ausstoß beim Fahren, sondern auch beim Bauen und beim Recycling.

Sie unterschreiben also komplett den Fünf-Punkte-Plan, den Martin Schulz zur Sicherung des Automobilstandortes vor einigen Tagen vorgelegt hat?
Ich hätte mir gewünscht, die SPD hätte erst mit uns Arbeitnehmervertretern geredet, bevor sie den Plan macht. Martin Schulz hat auf dem Treffen auch gesagt, der Gipfel hätte vielleicht früher stattfinden müssen. Im Großen und Ganzen aber finde ich seinen Fünf-Punkte-Plan richtig.

Das Treffen am Freitag sollte der Auftakt für eine Diskussionsplattform zwischen SPD und Arbeitnehmervertretern der Autoindustrie sein. Wann gehen die Diskussionen jetzt weiter? 
Es gibt zeitnah einen Folgetermin. Und ich habe Martin Schulz gesagt, es wäre schön, wenn dieser dann Kanzleramt stattfindet.


Damit Schulz Kanzler wird, müsste er aber den immensen Rückstand auf die Union aufholen. War das Treffen am Freitag nun der große Schulterschluss zwischen SPD und Gewerkschaften für die letzten Wahlkampfwochen?
Ich kann da nur für mich sprechen. Ich habe Martin Schulz zugesichert, bis zur Wahl so für ihn zu kämpfen, wie ich 2005 für Gerhard Schröder gekämpft habe.

Glauben Sie, die SPD kann die Wahl noch gewinnen?
Natürlich. Bei der Bundestagswahl im Jahr 2005 lag Gerhard Schröder noch viel weiter zurück. Und am Ende hätte er die Wahl gewonnen, wenn der Wahlkampf nur noch ein bisschen länger gegangen wäre.

Aber wie wollen Sie den Rückstand wettmachen?
Die SPD muss entlarven, dass Frau Merkel gar kein Konzept hat. Sie ist schon so lange Kanzlerin, aber Deutschland hat immer noch eine miserable Bildungsinfrastruktur. Genauso schlimm steht es um die Chancenungleichheit im Land. Dass der Geldbeutel der Eltern über Bildungschancen von Kindern entscheidet, geht gar nicht. Gemessen daran ist der Diesel ein kleines Problem. Wir müssen deshalb in die Bildung investieren, sonst haben viele Kinder keine Zukunft. Und wir müssen an die Qualifizierung ran, um Arbeitnehmer fit zu machen für die Zeitenwende der Digitalisierung. Für all das steht Martin Schulz.