Merkel sieht bei Brexit-Verhandlungen "nicht zwingend Rosinenpickerei"

May und Merkel in Berlin

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht in den britischen Forderungen bei den Brexit-Verhandlungen "nicht zwingend eine Rosinenpickerei". Es müsse letztlich "eine faire Balance" geben, sagte Merkel am Freitag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der britischen Premierministerin Theresa May in Berlin.

Die verbleibenden 27 EU-Staaten würden einerseits darauf achten, dass es zwar weiter eine enge Partnerschaft mit Großbritannien gebe, es "natürlich" aber "auch einen Unterschied zur heutigen Mitgliedschaft" in der EU geben müsse. Das sei "ja auch der Wunsch der britischen Bevölkerung".

Merkel widersprach der Vermutung, sie sei "frustriert" über die Brexit-Verhandlungen. "Ich bin nicht frustriert, sondern ich bin neugierig, wie sich Großbritannien die Partnerschaft vorstellt", sagte sie. Dazu bedürfe es weiterhin eines permanenten Austauschs. Diesen empfinde sie als "sehr ehrlich und sehr gut".

May betonte, Großbritannien strebe eine genaue Definition der neuen Partnerschaft mit der EU an. Sie wolle eine "umfassende und ehrliche Einigung".

Der EU-Chefunterhändler in den Brexit-Verhandlungen, Michel Barnier, hatte zuletzt gesagt, die Verhandlungen seien wegen "erheblicher Meinungsverschiedenheiten" gefährdet. Er stellte eine mögliche zweijährige Übergangsphase nach dem Brexit Ende März 2019 in Frage, die derzeit diskutiert wird.