Merkel-Plakat mit Flagge: Verlieben sich die Deutschen wieder in ihr Land?

Angela Merkel setzt im Wahlkampf auf die Nationalflagge. (Bild: AP Photo)

Das Verhältnis der Deutschen zu ihrer Nationalflagge war lange Zeit gespalten. Jetzt wirbt Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Schwarzrotgold für ihre Wiederwahl. Beweist die Regierungschefin damit ein gutes Gespür für die Stimmung im Volk? Die US-Zeitung „The Washington Post“ meint: Ja. Sie macht eine neue Liebe der Deutschen zur Heimat aus.

Dass eine Regierungspartei mit den Farben der Nationalflagge wirbt, ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit – in Deutschland jedoch immer noch ein Politikum. Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihre CDU werben jetzt offensiv auf den Plakaten für den Bundestagswahlkampf mit Schwarzrotgold. Nach Ansicht der US-Zeitung „The Washington Post“ ein kluger Schachzug. „Die Deutschen lernen Deutschland wieder lieben und Merkel hat es bemerkt“, analysierte das Blatt.

„Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben“: Unter anderem mit diesem Slogan und einem Foto Merkels vor den Nationalfarben wirbt die CDU derzeit um Wählerstimmen. Die Farbwahl ist mitnichten ein Zufall. Noch nie sei Schwarzrotgold in einem Wahlkampf so prominent eingesetzt worden, sagte der zuständige Werbestratege Thomas Strerath der Zeitung. Demnach war die Farbgebung ursprünglich als Strategie gegen die Alternative für Deutschland gedacht. Patriotismus, nicht Nationalismus sei das Ziel, sagte Strerath von der Hamburger Werbeagentur Jung von Matt. Vor allem ein Gefühl aber soll dem Bericht zufolge transportiert werden: Dass die Deutschen sich wieder in Deutschland verlieben.

Bei diesem Wahlkampfposter 2009 war die Flagge noch ein winziges Detail. (Bild: AP Photo)

Aus US-amerikanischer Sicht mutet die komplizierte Beziehung der Deutschen zu ihrer Flagge besonders seltsam an. Undenkbar, dass dort ein Wahlkampf ohne die Nationalfarben geführt würde. Stars and Stripes sind auch im Alltag allgegenwärtig. In Deutschland hingegen sei das Hissen der Flagge lange Zeit auf Regierungsgebäude oder Ausnahmeereignisse wie die Fußballweltmeisterschaft 2006 im eigenen Land beschränkt gewesen, schrieb die „Washington Post“. Bei einer Party zum Wahlsieg 2013 habe Merkel sogar einem Parteifreund eine Deutschlandflagge aus der Hand genommen, sagte Thomas Kleine-Brockhoff, Direktor der Stiftung German Marshall Fund of the United States. „Ihre Partei hat gewonnen, nicht die Nation“, fügte er hinzu. „Das ist für Amerikaner schwer zu verstehen.“

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Nun aber setzt Merkel im Wahlkampf auf die emotionale Strahlkraft der deutschen Fahne. US-Präsident Donald Trump und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan würden vor allem an Gefühle appellieren, sagte Werbestratege Strerath. „Wir wollen die Deutung dessen, was Deutschland ist, nicht dem rechten Rand überlassen.“ Merkel habe die Kampagne als Volltreffer bezeichnet.