Merkel & Macron treffen Trump: Können sie einen Handelskrieg noch abwenden?

Zuletzt haben sich Emmanuel Macron, Angela Merkel und Donald Trump beim G20-Gipfel in Hamburg getroffen.

Die Bundeskanzlerin reist diese Woche zu einem Arbeitstreffen in die USA – zuvor wird Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zu Besuch sein. Welche Ziele verfolgen die beiden und wie stehen die Chancen, die angedrohten Strafzölle auf Stahl und Aluminium noch abzuwenden?

Es ist eine „besondere Beziehung“, die den US-Präsidenten Donald Trump mit Emmanuel Macron verbindet – darin sind sich beide einig. „Wir sind beide Außenseiter unserer Systeme, wir sind nicht Teil des politischen Systems gewesen. Und wir haben auch persönlich ein sehr enges Verhältnis”, betonte Frankreichs Präsident vor seiner Reise in die USA, wo er von Montagabend bis Donnerstag mit allem Pomp empfangen wird. Ein privates Abendessen in Mount Vernon steht genauso auf dem Plan wie ein Staatsbankett im Weißen Haus und eine Rede vor dem Kongress.

Das Verhältnis zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Trump gilt hingegen nicht erst seit der angedrohten Strafzölle auf Stahl und Aluminium als unterkühlt. Ihr Arbeitstreffen wurde in den USA eher beiläufig angekündigt, die Kanzlerin wird nur einen Tag vor Ort sein.

Wie stehen die Chancen, einen Handelskrieg mit der EU doch noch abzuwenden?

Bis heute ist noch völlig unklar, ob die von den USA angedrohten Strafzölle auf Stahl und Aluminium zum 1. Mai 2018 kommen werden oder nicht. Als sicher gilt, dass sowohl Merkel als auch Macron an Trump appellieren werden, auf die Strafzölle zu verzichten.

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Sollten die USA einen internationalen Handelskrieg auslösen, wäre Deutschland so unmittelbar betroffen wie keine andere große Volkswirtschaft. Beobachter trauen ihrem französischen Amtskollegen allerdings mehr zu als der Bundeskanzlerin. „Er darf Trump Sachen sagen wie international kaum ein Zweiter”, hieß es in US-Medien vor dem Besuch.

„Man führt keinen Handelskrieg gegen seine Verbündeten“, hatte Macron im Vorfeld des Treffens gemahnt. Ob er diesen Standpunkt auch persönlich an Donald Trump vermitteln – oder diese Rolle Merkel überlassen wird, bleibt offen.

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Zwar wäre Frankreich nicht so drastisch von Strafzöllen betroffen wie Deutschland – im Interesse des Landes liegen sie aber selbstredend nicht. Und: Würde es Macron gelingen, Trump durch eine „Charme-Offensive“ umzustimmen, wäre er einem ganz anderen Ziel ebenfalls ein Stückchen näher gerückt: Frankreichs Rolle als Wegbereiter des Westens zu stärken.

Was wären die direkten Folgen der Strafzölle für Deutschland?

Die Wirtschaftsvereinigung Stahl rechnet laut „Handelsblatt“ damit, dass Strafzölle deutsche und europäische Unternehmen vermutlich vollständig vom amerikanischen Markt verdrängen würden. Demnach wäre vor allem die Stahlindustrie in Deutschland betroffen, da die Vereinigten Staaten mit einem Volumen von knapp einer Million Tonnen der wichtigste Markt nach der Europäischen Union für Walzstahlexporte aus Deutschland sei.

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Wie das Wirtschaftsblatt weiter berichtet, seien Strafmaßnahmen für jedes einzelne deutsche Unternehmen zwar schmerzlich, aber nicht bedrohlich. Betroffen wären allenfalls zwei bis drei Prozent des gesamten Ausstoßes.

Wie weit ist der Handelsstreit zwischen den USA und China eskaliert?

Die beiden größten Volkswirtschaften USA und China liefern sich derzeit einen heftigen Schlagabtausch. Alleine in der vergangenen Woche verhängte Peking einen Strafzoll auf US-Hirse, Washington hingegen schnitt Chinas zweitgrößten Smartphone-Hersteller ZTE vom US-Markt ab. In den Fokus der USA rücken chinesische Technologiefirmen, während China vor allem die US-Landwirte bestraft – was kein Zufall ist, da sie zu Trumps Kernwählerschaft gehören. So sehr sich beide Seiten in diesem Konflikt auch aufplustern: Es besteht die große Hoffnung, dass der Handelsstreit nicht zu einem Handelskrieg heranwächst.

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So hat jüngst US-Finanzminister Steven Mnuchin eine Annäherung in Aussicht gestellt. Er sei „vorsichtig optimistisch”, dass den beiden Ländern eine Abmachung gelinge, die ihren Streit in Handelsfragen ausräumen könnte, sagte er am Rande der IWF-Frühjahrstagung in Washington. Eine Reise nach China sei angedacht. Verhandlungen wären der erste Schritt, um eine drohende Eskalation in dem Streit abzuwenden. Die Art und Weise wie die USA und China im Handelsstreit taktierten, deutete auf einen versöhnlichen Ausgang hin, sagte Chefvolkswirt von Hauck Aufhäuser, Burkhard Allgeier, zu „n-tv.de“. Nach allen Drohungen werde es wahrscheinlich zu einer Verhandlungslösung kommen, prognostiziert er. „Denn beiden Seiten drohen Kosten und Schäden, die sie lieber vermeiden wollen”.