Fernsehduell beeinflusst laut Umfrage Wahlentscheidung

Kanzlerin Merkel und SPD-Herausforderer Schulz

Das Fernsehduell von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz wird einer Umfrage zufolge Einfluss auf die Wahlentscheidung haben. In einer Emnid-Umfrage für die "Bild am Sonntag" gaben 30 Prozent der Befragten an, sie gehen von einem sehr starken oder "eher starken" Einfluss aus. Als Folge einer peinlichen Panne erklärte die SPD Schulz schon Stunden vor dem Duell zum klaren Sieger, für CDU-Vize Armin Laschet eine "Dämlichkeit".

Das Fernsehduell am Sonntagabend ist das einzige direkte Aufeinandertreffen von Merkel und Schulz vor der Wahl in drei Wochen. Der "BamS"-Umfrage zufolge erwarten zehn Prozent der Befragten, dass der Ausgang des TV-Duells die Wahl sehr stark beeinflussen wird. 20 Prozent gehen von einem "eher starken" Einfluss aus. 52 Prozent erwarten demnach, dass es einen Einfluss geben wird, dieser aber gering ausfällt. Nur 14 Prozent der Befragten sehen gar keinen Einfluss.

Bei einer Google-Suche erschien in der Nacht zu Sonntag und damit Stunden vor dem Duell eine SPD-Anzeige mit der Überschrift "TV-Duell Merkel verliert klar gegen Martin Schulz", wie ein Twitter-Nutzer mit einem Screen-Shot am Sonntag belegte.

Der SPD-Parteivorstand reagierte mit einer Entschuldigung und gab einem Dienstleister die Verantwortung für die Panne: "Dienstleister ist heute Nacht bei Google peinlicher Fehler unterlaufen. Nicht unser Stil", heißt es in einem Tweet des Parteivorstands. "Verwirrung bitten wir zu entschuldigen".

Der stellvertretende CDU-Vorsitzende Armin Laschet warf der SPD vor, doch dem Dienstleister überhaupt erst vorab den Text mit der Ausrufung des Siegers in Auftrag gegeben zu haben. Er finde, "eine gekaufte Bewertung Stunden vor dem Duell ist an Dämlichkeit nicht zu toppen", schrieb der nordrhein-westfälische Ministerpräsident ebenfalls bei Twitter.

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) hält das TV-Duell für einen wichtigen Beitrag zur Meinungsbildung im Wahlkampf. Das Aufeinandertreffen sei eine "wichtige unmittelbare Konfrontation der beiden wichtigsten Bewerber um das wichtigste politische Amt dieses Landes", sagte Lammert am Sonntag im Deutschlandfunk. Deshalb sei die Entscheidung plausibel, nicht sämtliche Spitzenkandidaten der Parteien mit Aussicht auf Einzug in den Bundestag in einer Runde zu versammeln.

Am Montagabend treffen in einem "TV-Fünfkampf" Vertreter kleinerer Parteien aufeinander. Dabei stellen sich die Spitzenkandidaten von Grünen, FDP, CSU, Linken und AfD den Fragen zweier Moderatoren. Die Teilnehmer sind Cem Özdemir (Grüne), Sahra Wagenknecht (Linke), Christian Lindner (FDP), Joachim Herrmann (CSU) und Alice Weidel (AfD).

Merkel äußerte sich derweil positiv zu Bündnissen mit der FDP. Sie sei "frohen Mutes", was Koalitionsoptionen mit der FDP und in einem Dreier-Bündnis mit den Grünen auf Bundesebene angeht, sagte sie der "Rheinischen Post" vom Samstag. Auf die Frage, was der Kardinalfehler von Schwarz-Gelb 2009 bis 2013 gewesen sei, sagte Merkel: "Ich sehe keinen."