Merkel hält sich vier Wochen vor Bundestagswahl mit Siegesgewissheit zurück

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)

Einen Monat vor der Bundestagswahl hält Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den Ausgang der Abstimmung nach eigenen Angaben noch für absolut offen. In einem Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sagte die Spitzenkandidatin der Union, "man kann gerade in diesen Tagen Umfragen lesen, wonach sich 46 Prozent der Menschen noch nicht entschieden hätten". Auch die jüngsten Landtagswahlen seien knapp ausgegangen.

In Umfragen haben die CDU und die bayerische Schwesterpartei CSU einen klaren Vorsprung vor der SPD. Die Union steht in den am Freitag veröffentlichten Erhebungen ARD-"Deutschlandtrend" und ZDF-"Politbarometer" bei 38 Prozent beziehungsweise 39 Prozent. Die Sozialdemokraten mit Kanzlerkandidat Martin Schulz kommen nur auf 22 Prozent und haben nach aktueller Lage keine rechnerisch mögliche Koalitionsoption, um Merkel zu verdrängen.

Merkel wies in dem Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" den auf ihre Flüchtlingspolitik gemünzten Vorwurf zurück, den konservativen Flügel der Union vernachlässigt und der AfD zu viel Raum gegeben zu haben. Deutschland habe im Jahr 2015 Hunderttausenden von Menschen in einer großen humanitären Notlage geholfen. "Ich bin damals wie heute davon überzeugt, dass das richtig war und dass unser Land sich von einer sehr guten Seite gezeigt hat", sagte sie.

In einem Interview mit der "Welt am Sonntag" sprach sich Merkel derweil gegen jede Form der Kooperation mit der AfD aus. Es sei "völlig klar, dass die AfD für uns kein Partner für irgendeine Form der Zusammenarbeit sein kann. Wir müssen vielmehr versuchen, jeden einzelnen Wähler zurückzugewinnen", sagte die Kanzlerin der Zeitung.